Benzins Motorradseiten Erlebnisse mit dem Motorrad

27. Mai 2011

2011 – 2.Int. Goldberg-Classic 21. + 22. Mai

Ein Wochenende bei den Alteisenfreunden

Kennt ihr Zauchasteg? Ich hatte vor diesem Wochenende noch nie davon gehört. Bei meinem letzten Besuch in Ottensheim zählte mir Hubert Furtner die Veranstaltungen auf, die er heuer fahren würde, und ich notierte gleich zu Beginn „Goldberg-Classic, Bergrennen in Zauchasteg“. „Sag einmal, Hubert, wo ist den das?“, frug ich. „Das muß doch bei dir in  der Nähe sein!“ „Was? Hab ich noch nie gehört.“ „Na, bei Weistrach. Das wirst du doch kennen?“ „Sicher“, antwortete ich, „ich werd´s schon finden“.

„Zauchasteg?“, überlegte ich ein paar Tage später daheim, „Wo kann das sein?“ Herr Google ist da hilfreich. „Du heiliger Strohsack, da bin ich doch schon 1000mal vorbeigefahren!“ war die Erkenntnis. „Das liegt ja an der Strecke nach Steyer!“ Also genau gemerkt, bei welchem Abzweig ich abbiegen sollte, ins Leder geschlüpft und die weiße FZR gestartet. Mal sehen, wie das dort ausschaut.

Es war dann genau so einfach zu finden, wie ich mir das vorgestellt hatte. Gleich am Abzweig der Hinweis, das diese Strecke am Samstag und Sonntag-Vormittag sowie Nachmittag gesperrt sein würde, da war ich richtig, keine Frage. Natürlich gab ich nicht Gas. Keine Ahnung von der Streckenführung, keine Sperre, öffentlicher Verkehr. Wenn dir da in einer unübersichtlichen Kurve ein Traktor entgegen kommt, stehst du nächsten Tag in der Zeitung. Eines war mir allerdings schon nach einmaligem hochfahren klar: „Das ist eine geile Strecke!“ Für modernes Gerät wäre sie mir ein wenig zu schmal für die teilweise möglichen Geschwindigkeiten, wenn´s um Bestzeit ginge, aber für Klassiker und wenn´s um Gleichmäßigkeit geht, wunderschön. Sei´s wie´s sei, ich würde ja ohnehin nicht selber fahren, hatte jedoch wenigstens einen Eindruck gewonnen, was auf die Teilnehmer zukommt.

An dieser Stelle sollte ich vielleicht anmerken, dass auch Automobile an den Start gingen. Wirklich schöne und sogar extrem starke, seltene und schnelle Fahrzeuge, allerdings will ich hier nur auf die Motorräder eingehen, den erstens würde das zu weit führen und zweitens fehlt mir für die Autos persönlich etwas das Interesse. Durch die Teilnahme von zwei- und vierrädrigen Gefährten war jedoch wirklich für jedermann etwas dabei, von Einseitigkeit konnte absolut keine Rede sein. Man kann diesen Bewerb so gesehen als riesige Show für Oldtimer Freunde bezeichnen, egal ob sie ihr Hauptaugenmerk auf zwei oder vier Räder legen, vor allem bei über 200 Starten in beiden Kategorien. Das bieten nur wenige Veranstaltungen.

„Auto oder Motorrad? Womit soll ich fahren?“, stellte sich am Samstag die Frage. Die letzte Oldtimer Veranstaltung, die ich mit einem Motorrad besuchte fand, falls mich die Erinnerung nicht trügt, 1980 am Salzburgring statt. Da hatte ich noch Georg „Schorsch“ Meier, Walter Zeller und Fangio fahren gesehen, war also schon ein paar Tage her. Überhaupt war das für mich, wenn ich so nachdenke, bis zum Gahberg-Victory 2005 die letzte Veranstaltung dieser Art. Erst da hatte ich wieder Feuer gefangen und war seitdem öfters dabei. So oft es der Beruf erlaubt zumindest. In manchem Jahr hab ich mich allerdings schon gefragt, ob die Veranstalter meinen Dienstplan kennen und aus irgend einem Grund böse auf mich sind. Beim „Hollaus Gedächtnis Rennen“ am Salzburgring beispielsweise konnte ich genau so sicher sein, dass ich arbeiten musste wie sich Stropek sicher sein konnte, dass es seine Veranstaltung verregnet. Irgendwie für beide ärgerlich. Aber wenn ich Zeit hatte, fuhr ich mit dem Auto. Weil´s bequem ist.

Ich wählte Motorrad. Genau genommen die Foxi, meine 94er FZR1000. „Wenn die um 9:00 Uhr die Strecke sperren und zuerst die Motorräder fahren lassen, dann kann ich über die Mittagspause meine neuen Reifen einfahren“, überlegte ich, steckte eine Kompaktkamera mit Reserve-Akku in die Jackentasche und machte mich auf die Socken.

An der sanften Steigung vor Seitenstetten leuchtete die Ölkontrolle. „Das gibts doch nicht! Ich hab doch erst vor der letzen Ausfahrt kontrolliert. Wieso sauft die Öl, verdammt noch einmal?“ Das war ja ganz was neues! Vermutlich hatte ich diese FZR allerdings nur bei der Kontrolle jedes Mal in einem etwas anderen Winkel gehalten und so den leichten Schwund übersehen. Wenn diese Funzel leuchtet, ist ja noch lange keine Gefahr im Verzug, denn der Fühler für den Pegelstand sitzt ganz vorne, da leuchtet sie gerne einmal, auch beim Beschleunigen. Trotzdem finde ich es beunruhigend und drehte deswegen um, um Öl nachzufüllen. Ein Achtelliter auf 4000km ist ja nicht die Welt, da gibts weit schlimmeres. Im Forum geistern Geräte herum, die sollen mehr als 1.5Liter auf 1000km saufen, und selbst das wird noch als normal empfunden. „Öl tanken und Benzin nachschauen, bitte“, hätte man früher beim Halt mit so einem ausgelutschten Hobel an der Tankstelle gesagt. Gottlob ist keine meiner FZRs so eine Dreckschleuder. Ob´s an der regelmäßigen Wartung und am Umgang mit dem Gerät liegt? Darüber wird viel diskutiert und jeder verfolgt eine andere Theorie, je nachdem, ob seine Kiste Öl säuft oder nicht. Öl und Reifen, Diskussionsstoff für alle Ewigkeit. Sicher auch bei den Oldtimern, vermute ich.

Die ersten Teilnehmer ließen gerade ihre Motorräder warm laufen, manche fuhren sie warm, es brummte also schon, als ich ankam. „Mal sehen, ob ich den Hubert finde“, war mein erster Gedanke, und „hoffentlich wird´s nicht zu heiß“ der Zweite, den es sah nach Kaiserwetter aus. Stunden im Leder in der prallen Sonne stehen finde ich nicht gerade lustig. Vielleicht werd´ ich alt, denn früher war mir das „Wurscht“.

Ob´s warm, heiß oder sonst was wird, das war bald nebensächlich. In kürzester Zeit hatte mich wieder das Oldtimer-Fieber gepackt. Herrliche Geräte standen zuhauf herum. Zuerst wollte ich ja nur schauen, einfach nur Zuschauer sein und das Geschehen beobachten, aber ab dem Moment, wo ich erstmals die Kamera aus der Tasche nahm, war´s vorbei. Stehend, kniehend oder halb liegend, wie es die Situation gerade erforderte, schoß ich Bild um Bild und versank in die Welt der Alteisen.

Jetzt ist es ja nicht mehr grade so, dass ich dastehe wie die Kuh vorm neuen Tor. Viele Typen und Modelle erkenne ich schon auf den ersten Blick, einige Fahrzeug hab ich bei anderen Veranstaltungen gesehen, und selbst den Wakolbinger Klan kann ich schon ganz gut auseinander halten. „Der Bärtige ist der Karl, der da drüben der Manuel….., oder wart mal, ist´s der Martin?“ Jedenfalls wird´s jedes Mal besser, und die Anni erkenn´ ich am Fahrgestell, äh, der Honda natürlich, wenn sie drauf sitzt. Der Walter Nusterer ist einfach zu erkennen. Wenn einer ausschaut, als wäre er in Woodstock dabei gewesen, dann ist er es. Vor allem, wenn eine blaue, etwas seltsame Gitterrohe Kawa dabei steht. „Aber wo ist der Hubert?“ „Ist die Norton noch immer kaputt?“ Als ich sie letztmals sah, stand sie zerlegt auf der Montagebühne. Ein grausiges Schicksal hatte sie ereilt. Zuerst Nockenwellenschaden, dann auch noch Kolbenfresser! Ich fand ihn den ganzen Tag nicht und war der Meinung, er sitzt angefressen daheim. Was für ein Irrtum! Aber ein lustiger.

Nach der ersten Besichtigungsfahrt war ich wie geplant abgehauen, hatte schnell, weil grad´ Zeit war, eine kleine 200km Runde über den Hengstpass gedreht und war pünktlich zur ersten Wertungsfahrt wieder vor Ort. Allerdings mit Glück.
Ich war vom Hengstpass über Altenmarkt nach Großraming gefahren, von dort durch den Neustiftgraben nach Maria Neustift und weiter auf den Höhenstraßen rüber nach Kürnberg, wo ich auf der Rennstrecke, falls sie noch nicht gesperrt wäre, runter ins Fahrerlager gelangen konnte. Wenn nicht, würde es kritisch werden, denn ich kenn mich dort nicht gut aus. Die Kirchenuhr in Neustift zeigte dreiviertel eins, also sollte sich das ausgehen, in Kürnberg war´s eins, die Strecke war gesperrt. Grumpf. Über Behamberg fand ich dann doch runter zur Hauptstraße und war rechtzeitig vor dem Start zurück.

Es folgten wieder Bilder, Gespräche, der eine oder andere Kaffee im Fahrerlagerwirtshaus (Ja, sowas gibts dort. Und was für eines! Das hat nicht einmal der Salzburgring zu bieten!), und vor allem Rennluft schnuppern. Dann, nach den letzten Motorrädern die Heimfahrt, Fotos auf den Rechner laden und begutachten. „Gar nicht so übel für den ersten Tag“, dachte ich und freute mich auf den nächsten. Auf den Bildern war mir natürlich nichts aufgefallen.

Sonntag gegen 8:30 Uhr. Ich war mit dem Auto gekommen, hatte zwei Kameras nebst Akkus dabei, sicher ist sicher, und saß im Gastgarten des „Fahrerlagerbeisl“ bei einem Kaffee. Herrlich diese Ruhe. Dann wurde der erste Motor angeworfen. „Wum, wum, wum, wuummm, wuuuummmm!“ „Herrlich, dieser Klang“. Wie das leise Vogelgezwitscher für den Naturfreund Musik ist, ist es das Donnern eines offenen 4Takt Motors für den Motorsportfreund. Da schmeckt der Kaffee gleich nochmals so gut. Dann wird´s immer lauter, Zweitaktgekreische mischt sich dazu, und das Gewusel immer dichter, ein sicheres Anzeichen, dass die Startzeit naht. Als dann wieder Manfred „Jimmy“ Rieglers Stimme ertönt, ohne den im Österreichischen Motorsport ohnehin seit Jahrzehnten überhaupt nichts geht, steht fest …….

„Its Racing Time!“


Nr.61Karl Sengstbratl/Honda CB350 Bj.71 Nr.22 Teetz Jürgen mit seiner Simson Bj.58


Leopold Öfferls BSA500 Bj. 1967

Zwei deutsche Yamaha TZ. Die gelbe gehört den Reichgrubers, die blau/weiße kann nur vom F.J.Weidacher aus Bayern sein


Kawasaki Z900 Z1 RS24 von Walter Nusterer

Links: Nr.87 + 80 Honda CB500 von Willi Strasser und Harlad Höglinger, Nr.46 Herbert Springers Spristo Rotax Eigenbau
Mitte: Karl Wakolbinger wärmt die Hondas der Familie auf. Rechts: Die Reichgrubers mit ihren Yamaha TZ

Mitte: Sepp Asbeck braucht Hilfe vom Rennleiter, seine Triumph Bonneville TT Racing gottlob nicht. Nr.52 ist Helmut Hafner mit einer Yamaha 250RD/R

Links: Herbert Springer beim Start – Mitte und Rechts: Weltklasse-Fahrer Heinz Rosner mit der Werks MZ

Mitte: Laverda 1200 SC von Völsner Walter – Rechts: Leimer/Lichtenauer auf Triumph Kneeler Bj.63


Die blaue Honda der bildhübschen Petra Gutenbrunner – Mitte bei einem mißglückten Startversuch,  rechts beim erfolgreichen Zweiten.

Links Petra richtig in Fahrt – Rechts: Laverda 1200SC von W.Völserer

Mitte: Die Furtner Norton, von einer jüngeren und einer älteren Artgenossin flankiert

Links: Franz Josef Weidacher am Start – Mitte: Bahn frei für Anni Wakolbinger – Rechts: Leimer/Lichtenauer

Links: Ducati 400 Super Light Bj.94 von Moises

Links: Peter Langer kontrolliert die Yamaha R5TL Bj.70 – Mitte: Triton 750 von Max Kolar

Nr.50 – Suzuki RT250 Bj.69 des „Classic Racing Team Langer“

Links und Mitte: Johann Wiedlacks Norton International Bj.1935 – Rechts Föttinger/Walz mit einem BMW R69S Gespann aus 1960

Hubert Furtner mit seiner Norton Inter Racing.

Die Initiative einiger weniger, darunter der „IG-Formel Classic“ von Wolfgang Stropek, macht es möglich, so interessante Veranstaltungen wie das „Goldberg-Classic“, das „Rupert Hollaus Gedächtnis-Rennen“ oder das „Motorrad Revival Großraming“ zu sehen. Als Zuschauer bedanke ich mich bei den Organisatoren für dieses schöne Wochenende. Ohne euren Unternehmungsgeist und Ausdauer im Kampf mit den Behörden wäre die Motorsportwelt Österreichs um einiges ärmer. Bei den Teilnehmern bedanke ich mich für die gute Show, die ihr geboten habt und wünsche euch weiterhin viel Spaß bei eurem Treiben. Mir macht es immer wieder Spaß, euch zuzusehen.

Bis zum nächsten Mal, wenn´s wieder heißt: „Geh ma Motorradlrennen schau´n!“

Ergebnislisten zum Goldberg-Classic

6 Comments »

  1. Hallo Hannes!Habe soeben deine Seiten inhaliert,schmackhaft und gut verdaulich,besonders die Sprechblasen sind sehr bekömmlich.Freue mich schon auf deine nächsten Berichte.Weiter so!! Freundliche Grüße Hubert Furtner

    Kommentar von Furtner Hubert — 2. Juni 2011 @ 20:19

  2. Hubert, freut mich, dass dir diese Aufmachung gefällt.
    Ich probier halt ein wenig herum, versuch was anderes, neues, und bin über jede Kritik, positiv wie negativ, froh.
    Vielleicht nützt und bringt es was, vielleicht auch nicht.
    Weiß man nie so genau.

    Schöne Grüße nach Ottensheim

    Hannes

    Kommentar von Benzin — 2. Juni 2011 @ 20:29

  3. Hallo Hannes!Habe soeben deine Seiten inhaliert,schmackhaft und gut verdaulich,besonders die Sprechblasen sind sehr bekömmlich.Freue mich schon auf deine nächsten Berichte.Weiter so!! Freundliche Grüße Hubert Furtner

    Kommentar von Furtner Hubert — 2. Juni 2011 @ 20:19

  4. Hubert, freut mich, dass dir diese Aufmachung gefällt.
    Ich probier halt ein wenig herum, versuch was anderes, neues, und bin über jede Kritik, positiv wie negativ, froh.
    Vielleicht nützt und bringt es was, vielleicht auch nicht.
    Weiß man nie so genau.

    Schöne Grüße nach Ottensheim

    Hannes

    Kommentar von Benzin — 2. Juni 2011 @ 20:29

  5. eine tolle seite!
    vielen dank für den bericht – ich habe mir erlaubt das mal bei facebook zu verlinken! (ich hoffe es stört nicht)

    liebe grüsse martin „waki“ wakolbinger (únd nein – kinder haben wir NICHT geplant)

    Kommentar von der martin — 6. Juni 2011 @ 23:24

  6. War mir ein Vergnügen.
    Nein, der Link stört nicht. Ich freu mich drüber. Danke.

    Och, Kinder sind keine Schande. Die Gedanken bei Rieglers „Ansage“ waren aber leicht zu erraten. 🙂
    Ich freu mich schon auf die nächste Veranstaltung.

    MfG Hannes

    Kommentar von Benzin — 7. Juni 2011 @ 6:06

  7. eine tolle seite!
    vielen dank für den bericht – ich habe mir erlaubt das mal bei facebook zu verlinken! (ich hoffe es stört nicht)

    liebe grüsse martin „waki“ wakolbinger (únd nein – kinder haben wir NICHT geplant)

    Kommentar von der martin — 6. Juni 2011 @ 23:24

  8. War mir ein Vergnügen.
    Nein, der Link stört nicht. Ich freu mich drüber. Danke.

    Och, Kinder sind keine Schande. Die Gedanken bei Rieglers „Ansage“ waren aber leicht zu erraten. 🙂
    Ich freu mich schon auf die nächste Veranstaltung.

    MfG Hannes

    Kommentar von Benzin — 7. Juni 2011 @ 6:06

  9. Wir d`Wirtsleut vom Fahrerlagerwirtshaus möchten uns auf diesem Wege herzlich für Dein dickes Lob bedanken.

    Hoffentlich bald wieder in da Zaucha Alm.

    lg

    Gerrit & Regine Eglseer

    Kommentar von Gerrit Eglseer — 13. Juni 2011 @ 19:46

  10. Aber bitteschön. Ehre, wem Ehre gebührt.

    MfG Hannes

    Kommentar von Benzin — 18. Juni 2011 @ 13:00

  11. Wir d`Wirtsleut vom Fahrerlagerwirtshaus möchten uns auf diesem Wege herzlich für Dein dickes Lob bedanken.

    Hoffentlich bald wieder in da Zaucha Alm.

    lg

    Gerrit & Regine Eglseer

    Kommentar von Gerrit Eglseer — 13. Juni 2011 @ 19:46

  12. Aber bitteschön. Ehre, wem Ehre gebührt.

    MfG Hannes

    Kommentar von Benzin — 18. Juni 2011 @ 13:00

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