Benzins Motorradseiten Erlebnisse mit dem Motorrad

10. Februar 2008

2007.09.14. – 16. Zwei Friesen in Austria

Filed under: Touren International — Benzin @ 20:54

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Freitag, 14. September

2007_friesen_austria_21 Gegen 15 Uhr hatte das Telefon geläutet. Michael war am Apparat und ließ mich wissen, dass er sich mit Jann im Gefolge der 2007_friesen_austria_20 Österreichischen Grenze näherte. So konnte ich einigermaßen abschätzen, wann die beiden im Linzer Raum eintreffen würden, wo ich sie erwarten wollte. Zu diesem Zeitpunkt waren sie schon viele Stunden und gut 900km unterwegs. Ihr Ziel war die nähere Umgebung von Amstetten in Niederösterreich, denn sie hatten sich zum Gegenbesuch aufgemacht, der bald nach meinem Besuch im Mai beschlossen war.

Irgendwann gegen 16 Uhr stand ich dann auch am Parkplatz der Autobahnraststätte Ansfelden, die Autobahn gottlob in Sichtweite, und brauchte nur mehr, wie ausgemacht, auf das Eintreffen meiner beiden Friesischen Kumpel zu warten. Beim Anzünden der dritten Zigarette vernahm ich von der Autobahn kommend ein verhaltenes Röhren, was sehr nach 4 in 1 und Motorräder klang. Ich drehte den Kopf zur Seite und sah gerade noch, wie zwei vollverkleidete Motorräder gemütlich vorbeizogen. Ob das erste eine FZR1000 war oder nicht, dass konnte ich nicht mit Sicherheit sagen, aber dass das zweite Motorrad eine 1000er Suzuki war und darauf der Michael saß, dass wusste ich sofort! Warum? Das ist recht einfach. Ich kenne nur einen, der dermaßen gelangweilt auf einem Motorrad sitzen kann, und der ist aus Friesland. Die rechte Hand am Gas, die Linke leicht in die Hüfte gestützt oder am Tank liegend, so erkennt man den Michael schon von weitem, wenn die Strecke nichts besonderes hergibt. Die Autobahn gibt von Passau bis Linz nichts besonderes her. Unglaublich überwältigend waren die anderen 850km Autobahn bestimmt auch nicht gerade.

Ach du verdammte Scheiße, schoß es mir durch den Kopf. Für einen Zuschauer muß das folgende kurios ausgeschaut haben. Die frisch angezündete Zigarette weggeschmissen, den Helm über die Birne gestülpt, schnell noch die Handschuhe angezogen und mit Vollgas auf die Autobahn. Trotzdem waren beide verschwunden. Bei Asten fuhr ich wieder ab und rief den Michael am Handy an, er solle sich SOFORT melden, wenn er die Mitteilung hörte. Wenn ich mich nicht geirrt hatte, dann waren die Zwei in Linz nach Norden abgebogen, Richtung Tschechei. Das wäre blöd gewesen. Dann steckte ich mir wieder eine Zigarette an und wartete. Gottlob hatte ich mich geirrt.

2007_friesen_austria_03 „Servus Hannes. Wir sind jetzt von der Autobahn abgefahren, können aber die Raststätte Amstetten nicht finden“, meinte Michael, als endlich das Telefon läutete. Aha, sie konnten also die Autobahnraststätte Amstetten nicht finden. „Wie schauts den dort aus, wo ihr seid?“, frug ich. Der Beschreibung nach standen sie 14km zu weit östlich meiner heimatlichen Abfahrt und etwa 60km von meinem momentanen Standpunkt entfernt. Das war nicht so schlimm, wie es hätte sein können. Etwa eine halbe Stunde später traf ich bei der Tankstelle an der Abfahrt Amstetten West ein, wo Jann und  Michael schon eine Zigarette pafften. Endlich konnten wir uns begrüßen. Hätten sie mich nicht angerufen, wer weiß, wann und wo wir uns dann getroffen hätten. Es gibt keine Raststätte Amstetten. Das war ein Missverständnis!

Das dieser Tag noch eine weitere Überraschung zu bieten hat, damit hätte ich jetzt schon rechnen können. Ich hatte beim Bachlerhof einen Tisch reserviert, um mit Jann und Michael gemütlich zu Abend zu essen und den Tag ausklingen zu lassen. Fahren brauchten sie nach dieser Ochsentour über knapp 1100km nicht mehr. Ich chauffierte sie mit dem Auto. Als wir beim Gasthof ankamen, stand kein einziges Auto davor! Ich dachte schon, es wäre etwas passiert, doch das war nicht der Fall. Nur, das einfach kein einziger weiterer Gast anwesend war. Trotzdem war die Bedienung wie auch das Essen, wie immer, ausgezeichnet. Am Freitag eine Woche später konnte man dafür wieder kaum bei der Tür hinein, so voll war die Hütte! Bild links: Es dämmerte schon gegen 18:30 Uhr, als wir uns endlich trafen. So trudelte ich an der Tankstelle in Amstetten ein, wo die beiden Friesen auf mich warteten.

Samstag, 15. September: Ulmerfeld – B121 Kematen/Ybbs – Gleis – Sonntagberg – Sonntagberger Höhenstrasse – St.Leonhardt/Forst – Waidhofen an der Ybbs – B121 Gaflenz – Weyer – B115 Altenmarkt bei St.Gallen – Buchauersattel 861m – Weng im Gesäuse – B146 Gesäuse Bundesstrasse – Johnsbach Gasthof Ödsteinblick (Rast) – Hieflau – B115 Eisenerz – Präbichl (Aussichtsparkplatz/Rast) – B115 Eisenerz – Hieflau – B25 Mooslandl – Gams bei Hieflau – Palfau – B24 Hochschwab Bundesstrasse – Wildalpen – Weichselboden – Gußwerk – B20 Rasing – B71 Zellerain (Mittagessen) – Erlaufsee – Mariazell – Mitterbach – B20 Josefsberg 1020m – Wienerbruck – Langseitenrotte Abzweig Erlaufboden – Trübenbach – Ötscher Panoramastrasse – Puchenstuben – B28 St.Anton an der Jesnitz – Neubruck – B25 Scheibbs – B22 Gresten – Randegg – Schliefau – Hochkogel – Neuhofen – Ulmerfeld

Streckenlänge: ca. 350km Streckenplan auf Google Maps

Zum Vergrößern auf die Bilder klicken.

Blick von der Sonntagberger Panoramastrasse nach Süden. Diese Aufnahme entstand 2 Tage vor der Tour.

Kurze Rast bei Weng am Gesäuseeingang. Rechts Alf aus Linz, der uns begleitete.

Oben und unten: Kaffeepause Gasthof Ödsteinblick bei Johnsbach im Gesäuse

Unten: Präbichl und seine Umgebung

Die Strasse zum Präbichl hängt großteils in der Luft – Im Tal liegt uns  Eisenerz zu Füßen

Links: Die Erhebung des Pfaffenstein 1871m – Rechts: Hoch über Eisenerz
Entlang der B24, der Hochschwab Bundesstrasse

Die Prescenyklause, die um 1839 – 1843 gebaut wurde, ist heute noch erhalten. Ihr Stauvolumen beträgt 648 000m³

Mehr Informationen über die Holzflösserei auf der Salza. Zu einem wunderbaren Panoramabild von der Umgebung der Klause gehts HIER

Kurzer Aufenthalt und Besuch der neu renovierten Basilika in Mariazell. Genau eine Woche zuvor war Papst Benedikt XVI zu Besuch.

Leider gab es auf der Ötscher Panoramastrasse nicht gerade die beste Fernsicht. Der Ötscher und die Gegend um die Tormäuer, die sich hier normal prächtig präsentieren, waren in dichte Wolken und Dunst gehüllt.

 Auf unserer Strecke von Puchenstuben auf dem Weg von St.Anton an der Jeßnitz nach Neubruck durchquert man dieses Bauwerk, welches man aufgrund seines Aussehens für eine normale Strassen- oder Eisenbahnbrücke halten könnte, was aber nicht der Fall ist. Wasser überquert hier am 271m langen und 22m hohen „Dr. Lueger Aquädukt“die Strasse. Es ist ein Teil einer Wasserleitung aus der Kaiserzeit, die die Kaiserliche Hauptstadt und heute die Bundeshauptstadt mit Trinkwasser aus dem Hochschwabgebiet versorgt. Eröffnet wurde diese 170km lange 2. Wiener Hochquellenwasserleitung am 2. Dezember 1910. Quelle des Kunststich-Bildes

Das war unmittelbar nach der Tour, und ich hab das lange nicht kappiert. Wir kamen am späten Nachmittag von der Tour zurück, und was machen die Friesen als erstes? Sie waschen ihre Motorräder! Meine Kilo hatte ich schon in die Garage geschoben, die wollte ich erst am nächsten Tag reinigen, wenn Michael und Jann wieder auf der Autobahn nach Norden unterwegs waren. Die beiden hatten noch über 1000km Heimfahrt vor sich, aber sie reinigten die Motorräder, als blieben sie hier für den Rest des Wochenendes unbenutzt stehen. Jedoch, sie hatten nicht unrecht mit dieser Aktion.

Seit meine Kilo überholt ist, wird auch sie, wie die XJR, nach jeder Tour gereinigt. Das hab ich damals, nach beinahe 30 Jahren Motorradfahren, im September 2007 beim Besuch der beiden Friesen Michael und Jann gelernt.

Für euch ist jederezeit wieder ein Platz frei.

 

2 Comments »

  1. Ja Hannes so ist das nun mal mit den Friesen. Wenn Friesen reisen, fangen die Möwen an zu schei.en!
    Toller Tourenbericht.

    Kommentar von Blue Fighter — 11. Februar 2010 @ 15:13

  2. Klaus, ich sehe in der Reise der Beiden, also mich zu besuchen, die wunderbare Weiterführung einer Entwicklung, die durch meine Tour in den Norden begann. Wenn ich schaue, wie viele ich jetzt schon persönlich kenne, dich eingeschlossen, dann kann ich mir ein freudiges Lächeln einfach nicht verkneifen und wenn ich daran denke, wie viele tausend Kilometer ich seitdem mit dem Michael unterwegs war, dann kannst selbst du dir vorstellen wie breit mein Grinsen jetzt ist. Darum hat diese Tour unbedingt hier her gehört. Sie war einfach cool.
    Heute fahren wir weit über 1000km auf einer Backe herunter und fragen uns, was wir am Nachmittag machen. 🙂

    Schöne Grüße auch an Anke.

    Kommentar von Benzin — 11. Februar 2010 @ 19:18

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