Benzins Motorradseiten Erlebnisse mit dem Motorrad

25. Dezember 2014

2014. 12. 24. – Gedanken zu einer wunderschönen Weihnachtstour durch’s Mostviertel

Filed under: Touren und Ausflüge in Österreich — Benzin @ 15:37
Amstetten – Kematen/Ybbs – St.Georgen an der Klaus – Seitenstetten – Kürnberg – Behamberg – Steyr – Ternberg – Laussa – Windpark Laussa – Pechgraben – Großraming – Waidhofen – Zell an der Ybbs – Windhaag – St.Leonhard am Walde – Sonntagberger Höhenstraße – Sonntagberg – Rosenau – Kematen – Amstetten
Strecke: 168km Fahrzeit: 10 Uhr bis 14 Uhr

20141224_weihnachtsrunde_xjr_01„Ist es nicht etwas kalt?“ frug mich ein Herr vor der Kirche in Großraming. Ich stand dort, glücklich strahlend, und rauchte eine Zigarette. „Heuer kommt das Christkind mit dem Motorrad, weil die Renntiere krank sind“ meinte ich lachend. Auch er und seine Frau lachten. Ich hatte aber auch allen Grund, fröhlich zu sein. Das Wetter war schön, es war nicht zu kalt, und vor allem, ich war gesund und wohlauf. Ich konnte mich einfach auf’s Motorrad setzen und drauflos fahren. Herz, was willst du mehr? Noch dazu, wo das heuer auch schon einmal ganz anders war!

Die ganze Zeit schon hatte ich mich gefragt, ob ich heuer am Heiligen Abend wieder eine Runde drehen konnte. „Würde das Wetter mitspielen?“ fragte ich mich. Falls ja, würde mich nichts in der Welt davon abhalten können, mit dem Motorrad wenigstens eine kleine Runde zu drehen, so quasi als Jahresabschluß. Dass es auch am 31. Dezember oder am 1. Jänner schön sein würde, wäre fast schon ein Wunder. Aber mal sehen. 20141224_weihnachtsrunde_xjr_02

Als ich gegen halb acht aus dem Schlafzimmerfenster schaute, war ich mir gar nicht sicher, ob das was werden würde. Das Auto vor dem Haus war dick in eine Eiskruste gehüllt. Das war heuer erst einmal der Fall, so weit ich mich erinnern kann. Aber ausgerechnet an diesem Tag? Wo doch der Wetterbericht ausgesprochen schön angesagt hatte?

Ich zog mich an, packte den Hund auf den Beifahrersitz und fuhr zum Sonntagberg. Dort oben sieht man weit in die Runde, kann das Wetter besser beurteilen, und außerdem braucht mein kleiner Schlumpfhund sowieso seinen Auslauf, also was soll’s. „Vielleicht wird’s ja inzwischen wärmer“, dachte ich und fuhr los. Die Außentemperatur betrug erfrischende -2C°. Brrrrrrr…………….
20141224_weihnachtsrunde_xjr_03Gleich nach der ersten Steigung zum Sonntagberg rauf dachte ich, die Temperaturanzeige sei kaputt. +8C° zeigte das Ding plötzlich an. Und je höher ich kam, desto wärmer schien es zu werden. Ich drehte die Seitenscheibe runter und griff raus, boaaaa, war das warm. Schon über 10C° ganz oben, Tendenz offenbar steigend. So drehte ich mit meinem Schlumpfhund eine Morgenrunde, packte wieder zusammen, fuhr Heim und zog die Lederkombi an. Dass die XJR anspringen würde, wusste ich, weil ich das am Vortag, sicher ist sicher, getestet hatte. Wäre nicht zum ersten Mal, dass mir eine leere Batterie einen Strich durch die Rechnung macht!

Um ziemlich genau 10 Uhr ging’s los. Zuerst tanken und einen Kaffee trinken, dann nach Kematen und am großen Sägespänehaufen des Zellstoffwerkes vorbei auf die erste Hügelkette rauf, die mich am oder knapp unterhalb des Kammes entlang nach St. Georgen an der Klaus führte. Dort eine kurze Rast und den Tiefblick ins Ybbstal genossen, dann weiter zur Wieserhöhe und auf die sogenannte Mosthöhenstraße Richtung Seitenstetten. Stückweise blies der Wind recht lebhaft, aber kalt war es dort oben, in rund 500 – 700m nicht. 20141224_weihnachtsrunde_xjr_04

Von Seitenstetten gings auf der Bundesstraße bis zum Gasthaus am Zauchasteg, wo ich die Bergrennstrecke nach Kürnberg hoch fuhr. Überall gibt’s einen richtig schönen Ausblick, entweder nach Norden ins Waldviertel, nach Süden in die Steiermarkt oder nach Westen bis ins Tote Gebirge zum Großen Priel, nur nach Osten sieht man kaum was, weil diese Richtung durch Hügel abgedeckt ist, und hohe Berge, die drüber ragen würden, gibt’s dort nicht. Ich war so fröhlich wie schon sehr lange nicht mehr, fühlte mich unglaublich wohl am Motorrad und war einfach nur glücklich, unterwegs zu sein. Anfang Juli dieses Jahres hatte ich eine absolut andere Erfahrung gemacht. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich schwer erkrankt. Der Anfang der Misere fiel mit einer Motorradtour zusammen.

Ich war am 4. Juli um 5 Uhr zum Glockner aufgebrochen. Es war kühl, aber nicht kalt. Fröhlich fuhr ich ins Ennstal und hatte bald Admont erreicht, wo ich mich bei einem Kaffee von der kalten Fahrt über den Buchauersattel erwärmte. Irgendwann am frühen Vormittag kam ich totmüde bei der Mautstelle in Ferleiten an. Ich wusste nicht, wie mir geschah. 230km, und ich war so müde wie noch nie zuvor. Wobei müde irgendwie ein Hilfsausdruck schien. Ich hatte einfach keine Kraft mehr, fühlte mich wie ausgelaufen. Die jährliche Glocknerfahrt entwickelte sich diesmal zu einer Tour des Schreckens. Fröhlich und fitt wechselte sich in rasender Folge mit totmüde ab. Ich hatte keine Ahnung, was da los war. Nach 12 Stunden war ich wieder daheim und legte mich ins Bett, ein paar Tage später lag ich im Krankenhaus, unfähig zu gehen, zu sprechen und bar jeglicher motorischen Fähigkeiten, sprich, ich konnte nichts mehr angreifen, was nicht mehr in der Lage, Messer, Gabel oder Löffel anzufassen, geschweige zu essen. Diagnose: Hirnhautentzündung!

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Was ich da erlebte, werde ich mit Sicherheit nie im Leben vergessen. Wäre ich gestorben, es wäre mir scheißegal gewesen. Ich hätte es zwar bewusst mitbekommen, wie auch sonst alles rund um mich herum, ich hätte aber nicht begriffen, was passiert. Ich hab alles bewusst mitbekommen, aber irgendwie war ich nur Zuschauer. Es war mir alles egal, ich machte mir um nichts Gedanken, ich hatte keine Sorgen von wegen Zukunft oder sonst was, ich ließ alles mit mir geschehen. Hätte man mich ohne Narkose aufgeschnitten, es wäre mir egal gewesen. Ich atmete und schleppte mich auf die Toilette, was alleine schon ein unglaublicher Kraftakt auf wackeligen Beinen war, aber sonst schlief ich 22 oder 23 Stunden am Tag. Ich bemerkte nicht einmal mehr die Schwester, wenn sie die Infusionen wechselte. Nicht einmal mehr da wurde ich wach. Noch nie im Leben war ich so kraftlos, ausgelaugt, hilflos, wie diese eineinhalb Wochen im Krankenhaus. Ohne Hilfe hätte ich diese Zeit wohl nicht überstanden. Der Weg zurück ins normale Leben dauerte zwei Monate, dann konnte ich auch wieder voll kontrolliert gehen, ohne Angst zu haben, umzufallen. Wieder gehen lernen dauerte am längsten. Irgendwie war mir der Gleichgewichtssinn abhanden gekommen. Erst nach zwei Monaten hatte ich wieder die volle Kontrolle über meinen Körper, nach weiteren zwei Wochen saß ich aber auch schon wieder erstmals am Motorrad, um eine Runde zu rollen. Vorsichtig, mit der Angst im Nacken, es könnte etwas geblieben sein, das meine Reaktion verlangsamt und dadurch mein Leben und das anderer Leute in Gefahr bringen könnte. Die Angst war unbegründet, alles ist wieder in bester Ordnung, und genau das genoss ich bei dieser weihnachtlichen Motorradtour am meisten. Wieder völlig gesund zu sein und wieder die Freuden des Lebens genießen zu können. Es war Dank dieses Umstandes die schönste Motorradtour des Jahres.

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Ich bin allen dankbar, die mir in dieser schweren Zeit geholfen haben, und dem Schicksal bin ich dankbar, dass alles einen guten Ausgang fand.
Nicht Reichtum und Macht sind das Wichtigste auf der Welt, sondern Frieden und Gesundheit. Ohne Gesundheit ist alles Andere nichts Wert.
Ich wünsche allen Frohe Weihnachten und eine guten Rutsch ins neue Jahr.

4 Comments »

  1. Hallo Hannes !
    Ich schreibe dir heute das erste Mal, obwohl ich deine Seite schon sehr lange verfolge und deine Berichte immer wieder mit großer Freude lese. Kaum jemand beschreibt die Faszination Motorrad treffender als du. Ich hatte auch schon einige Male das Glück, von dir bei diversen Oldtimer-Veranstaltungen (z.B. Großraming und Schwanenstadt) abgelichtet zu werden und deine Beiträge zu diesen Rennen sind einfach nur klasse. Da ich jetzt weiß, warum man schon länger nichts mehr von dir gehört hat, freut es mich um so mehr, dass es dir anscheinend wieder gut geht. Welcher „Verrückte“ würde sonst am 24. Dezember mit dem Bike durch die Gegend düsen 😉 Ich wünsche dir auf jeden Fall noch viele schöne Erlebnisse auf deinen Motorrädern und dass du uns noch lange mit deinen Geschichten erfreust.

    Lg Andi (ein Gleichgesinnter)

    Kommentar von Andi Wimmer — 26. Dezember 2014 @ 9:41

  2. Danke, Andi
    Ja, es geht mir wieder gut.
    Och, so verrückt muß man gar nicht sein, um am 24.Dezember eine Runde zu fahren. Es war ja warm. 🙂
    Dann bis nächstes Jahr bei irgend einer Veranstaltung.
    Guten Rutsch ins neue Jahr
    Hannes

    Kommentar von Benzin — 26. Dezember 2014 @ 11:01

  3. Hallo Hannes,

    alles Gute fürs neue Jahr, möge es ein besseres für Dich werden!

    Gruß Rocco

    Kommentar von Rocco — 30. Dezember 2014 @ 17:11

  4. Danke Rocco
    Ich wünsch Dir ebenfalls ein wunderbares, glückliches und vor allem gesundes neues Jahr.

    Schöne Grüße Hannes

    Kommentar von Benzin — 31. Dezember 2014 @ 7:05

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