Benzins Motorradseiten Erlebnisse mit dem Motorrad

16. Mai 2014

2014 – Sonntagberg Classic

Es ist eine Schande. Was anderes fällt mir dazu einfach nicht ein.
1965 wurde das Sonntagberg Rennen erstmals ausgetragen. Da spricht natürlich zu meinen Gunsten, dass ich damals erst fünf Jahre alt war und somit nichts dafür kann, nicht dabei gewesen zu sein. Diese Veranstaltung muß es bis in die späten 70er, wenn nicht sogar in die frühen 80er Jahre des letzten Jahrhundert gegeben haben. Jedenfalls hatte die Gendarmerie, wie das damals noch so schön auf französisch hieß, die Honda CB360 als Dienstfahrzeug. Das weiß ich deshalb, weil mir ein damals diensthabender Gendarm erzählt hat, wie es war, als er sich mit seiner Dienstmaschine bei einer dieser Veranstaltungen den zahlreichen Zuschauern zu Füßen geschmissen hatte. „Was war das für ein Gefühl, vor all den Leuten auf die Pfeife zu fliegen?“, frug ich. Franz antwortete lachend, aber ehrlich, „Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie ich mich geschämt hab. Aber der Applaus war gewaltig!“
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Dieser Zwischenfall hat aber nichts mit der eingangs erwähnten Schande zu tun. Die Schande, die ich meine, ist die, dass ich dieser Veranstaltung, die offenbar bis in die frühen 80er Jahre durchgeführt wurde, nie beigewohnt hatte. Obwohl ich nur knapp 10km vom Sonntagberg entfernt wohne. Ja, ich hatte nicht einmal gewusst, dass es diese Veranstaltung je gab! Nur durch zufällige Gespräche, wie das mit dem unglücklichen Gendarmen, führte mich auf die Spur des Rennens am Sonntagberg. Ich sah 1970 (natürlich im Fernsehen) Jack Brabham in die Strohballen von Monaco einschlagen (Rind gewann), war 1973 und 74 beim Formel 1 Rennen in Zeltweg live dabei, hatte im gleichen Jahr Sarinnens Sieg am Salzburgring (ebenfalls im Fernsehen) gesehen und war ab 1975 bei den Straßenrennen in Ludwigsdorf/Zeillern (keine 5km von Daheim entfernt) und sonst wo in Österreich dabei, aber das Sonntagberg Rennen kannte ich nicht. Wenn das keine Schande ist, was dann?

20140426_sonntagbergclassic_035Es wurde aber fast noch schlimmer. Vor einigen Jahren, also schon im 21. Jahrhundert, war ich an einem Freitag irgendwo hin unterwegs und stand an der Kreuzung zur Hauptstraße, die nördlich in die Stadt Amstetten und südlich, am Sonntagberg vorbei, nach Waidhofen führt. Ich traute meinen Augen nicht, denn da kam aus Richtung Amstetten ein blau/weißer Ford Capri daher. Nicht irgend ein Ford Capri, sondern ein richtig breiter, blau/weiß lackierter 2600RS Renncapri von 1973. Der stand auf keinem Anhänger, der fuhr auf eigenen Rädern (kann natürlich ein Nachbau gewesen sein) und trug deutsche Kennzeichen. Genau so hatte ich meinen eigenen Ford Capri 1979 lackiert und umgebaut, wobei meiner natürlich nicht so breit und vor allem nicht so leistungsstark war. Meiner war ja bloß ein 1600XL. Aber schön war meiner allemal, und weit und breit bekannt sowieso. Ein paar Tage später erzähle ich einem Freund, dass ich so einen Ford Capri fahren sah, und der erzählte mir eiskalt, „Ja, den hab ich auch gesehen. Der ist beim Sonntagberg Rennen mitgefahren“. „Wie bitte? Wo ist der mitgefahren?“ frug ich entsetzt. „Na, beim Sonntagbergrennen!“ Wieder hatte ich keine Ahnung. Ich wusste nicht, dass es eine Neuauflage dieser Veranstaltung gab. Seitdem zogen wieder einige Jahre durchs Land, ohne das Sonntagberg Rennen gesehen zu haben. Entweder aus beruflichen Gründen keine Zeit, oder den Termin nicht gepeilt. Irgendwas war immer. Bis heuer.

Heuer war alles anders. Ich kannte den Termin, ich hatte frei, ich war bereit. Nach einer fast 50jährigen Geschichte dieses Rennens – freilich mit Unterbrechungen – sollte ich endlich auch einmal, keine 10km von meiner Haustür entfernt, dabei sein. Und so war es. Stückweise wenigstens. Irgendwas ist ja immer.20140426_sonntagbergclassic_036

Am Freitag Nachmittag fuhr ich mit meinem blauen dicken Bär (Kosenamen für einen E34-535i) zum Sonntagberg, drehte mit meinem kleinen Schlumpfhund eine Runde um die Basilika, sah die ersten Teilnehmer im Fahrerlager (am oberen Parkplatz beim Hospitz) eintreffen, die Wakolbingers bauten ihr Zelt auf, verschiedene ältere Fahrzeuge tauchten auf und verschwanden wieder, es begann ein buntes Treiben. Das Wetter war schön, Herz, was willst du mehr? Dann drehte ich noch eine Runde auf der Höhenstraßen, fuhr über St. Leonhard nach Waidhofen und wieder Heim.

20140426_sonntagbergclassic_039Samstag in der Früh war es zappenduster. „So ein Schmarrn“, dachte ich, „das schaut nach Regen aus!“ Andererseits, „wer weiß? Vielleicht ist es am Sonntagberg ja schön?“ Ich hatte, zur Veranstaltung passend, wie ich meinte, und vor allem, weil es eine meiner Leidenschaften ist, eine Canon F1 (1976) und ein paar zeitgenössische Objektive in die Tasche gepackt, den Hund auf den Beifahrersitz gesetzt und zog los gen Süden. Und tatsächlich, oben. in knapp 700m Höhe war es nicht nur trocken, sondern sogar insgesamt recht annehmbar. Zwar nicht gerade zu warm, aber auch nicht unbedingt zu kalt. Nur rundherum schaute es verdammt düster aus. Aber das war egal. Hauptsache, es war trocken. Im nassen ist der Sonntagberg eine noch viel größere (pardon) Scheißstrecke, als sie schon im trockenen ist. Es gibt da nämlich nur Vollgas auf den Geraden, hartes Bremsen, um die Ecke eiern und dann wieder Vollgas. Und eine schöne steinerne Mauer gibt es auch in der zweiten Rechtskehre, in der man schön Blech verformen und Knochen brechen kann, wenn´s dumm läuft. Allerdings, bei diesen Gedanken wusste ich noch nicht, dass sich diese Veranstaltung gravierend von den bisher besuchten Oldtimer-Veranstaltungen unterscheiden sollte. Und zwar im absolut positiven Sinne! Was ich damit meine, ist folgendes, und ich finde, das sollte einmal groß herausgestrichen werden, im Sinne erfolgreicher und unfallfreier Veranstaltungen.20140426_sonntagbergclassic_041

Was ich am Sonntagberg (eigentlich nicht) vermisste, waren zahllose Ordnerkräfte, die dich dort und da (aus Sicherheitsgründen) verjagen. Ich vermisste (irgendwie überhaupt nicht, wie schon gesagt) die Absperrungen, die sonst allgegenwärtig sind. Keine Sperrzonen! Da war ein Fahrerlager, eine Zeitnehmung, und zu gegebener Zeit eine gesperrte Bergstraße. Das war´s eigentlich. Natürlich gab´s zahlreiche Helfer der Organisation, und zwar in Form der Feuerwehr. Ganz ohne Helfer geht einfach nichts. Die waren allerdings helfend tätig und wenig ordnend. Es war irgendwie nicht nötig. Was hier fehlte, das war der Anschein, dass das, was hier dargeboten wird, saugefährlich sei. Dass hier in irgend einer Form Gefahr für Leib und Leben, entweder für die Teilnehmer oder für die Zuschauer bestünde. Mit Ausnahme der Zeitnehmung war an der Strecke alles nicht viel anders als am Tag davor oder danach. Wie das organisatorisch geht, weiß ich nicht. Offenbar geht´s und funktioniert. Das waren die großen Unterschiede zu praktisch allen Veranstaltungen, die ich bisher besuchte. Es war mehr ein gemütliches Zusammentreffen mit Fahrbetrieb als ein Rennen, und das fand ich schön. Einen Unterschied machte offenbar auch, so zumindest mein Eindruck aufgrund meiner Beobachtung, dass sich keiner der Teilnehmer vorgenommen hatte, einen imaginären Rekord zu brechen oder aufzustellen. Die Helmpflicht für Motorradfahrer wurde natürlich, wie auch im Straßenverkehr üblich, eingehalten, aber ob mit oder ohne Handschuhe, mit Rennkombi oder in Jeans und Turnschuhen, das blieb scheinbar den Teilnehmern vorbehalten, und die verhielten sich auch dementsprechend. Es schien jedem Spaß zu machen, und keinen Streß. Wobei der eine oder andere bestimmt gerne öfters als zweimal rauf gefahren wäre, da bin ich mir sicher. Das hat jedoch der Veranstalter zu entscheiden. Nur der weiß, was geht.

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Auch ich wusste schnell, was geht, und was nicht geht. Ich konnte überall fotografieren, was immer und wen immer ich wollte. Ohne Barrieren. Das war schön. Ich fand bei der Zielkurve auch einen schönen Platz für Aufnahmen, wobei ich leider auf die dumme Idee kam, meinen kleinen zottligen Hund in die Wiese zu setzten, und die war naß. Womit auch mein Hündchen pitschnaß war. Das geht gar nicht! Mein kleiner Schlumpf ist immerhin 16 Jahre alt und hat sowas nicht verdient. Sie könnte sich erkälten. Ja, mein Schlumpfhund ist eine Dame.

20140426_sonntagbergclassic_134Weniger Dame war die Person, die meinte „Hier können sie aber nicht stehen bleiben!“ „Nein. Hier können sie nicht stehen bleiben!“ keifte auch gleich die, öh, Dame des Hauses, in deren Einfahrt ich zufällig stehen geblieben war, um mir ein Bild vom Abschnitt um den Zielbereich zu machen. „Die Dame ist von der Presse, die will hier fotografieren!“ „Keine Sorge“, meinte ich zur Dame von der Presse, „ich stell mich schon nicht in ihre Schußlinie“. „Hier können sie aber nicht stehen bleiben!“ ging das schon wieder los. Ich schüttelte den Kopf. Niemand war auf der Strecke. Die Teilnehmer waren noch alle im Fahrerlager. Kein einziger war noch nach unten zum Start gefahren! Es ging doch noch gar nicht los, verdammt noch einmal. „Hier können sie nicht stehen bleiben!!“ „Was will diese Dumpfbacke von mir?“, fragte ich mich langsam. Ganz aufgeregt waren die beiden zänkischen Weiber, die Dame von der Presse und die Dame des Hauses. Mochten die meinen kleinen Hund nicht? Oder mich? Weil ich ein Mann war? Oder weil meine Knipse fast 40 Jahre alt war? Na, sei´s wie´s sei, ich verzog mich langsam wieder, nicht ohne noch ein paar Bilder der nach unten fahrenden Teilnehmer zu schießen. Dann ging ich zum Auto und brachte den Hund Heim. Die Gesundheit meiner kleinen Maus geht mir über alles.

Bei dieser Gelegenheit wechselte ich auch gleich das Gerät, ließ den „Oldtimer“ daheim und packte das schwere Geschütz ein. Ein paar Eindrücke dieses Tages gibt´s anschließend unten zu sehen. Das Material ist nicht all zu umfangreich, vermittelt aber doch, so hoffe ich, einen kleinen Eindruck meines ersten (und bestimmt nicht letzten) Besuches eines Rennen am Sonntagberg.

Wie immer sollte man die Bilder, egal welches, anklicken, und kann sie dann erst in annehmbarer Größe und Schärfe (wegen der Kompression….äh, Komprimierung natürlich) betrachten. Mit einem Klick am linken oder rechten Bildrand (wo der Pfeil sichtbar wird) kann man dann wie in einer Diashow nach vorne oder rückwärts blättern. Über Kommentare würde ich mich natürlich freuen. Bis zum nächsten Rennen, Euer Benzin.

Ach ja. Was ich noch sagen wollte.
Natürlich kenne ich inzwischen einige der Teilnehmer, oder besser gesagt, ich kenne ihre Namen. Ich treib mich ja doch schon eine Weile bei den Alteisen herum. Einen Großteil der Fahrer kannte ich allerdings nicht. Es gibt auch kein Programm, aus dem ich Namen oder Fahrzeugdaten entnehmen könnte. Ergo gibt´s hier nur Bilder. Ich bitte um Verständnis.

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2 Comments »

  1. Hallo
    Schöner Komentar,super Bilder,wir haben auch teilgenommen Fiat 128 und meine bessere Hälfte mit dem A112 Abarth.
    War eine tolle Veranstaltung.
    LG vom Chiemsee

    Kommentar von Mario Lang — 26. Dezember 2014 @ 0:31

  2. Danke.
    Ja, war in der Tat eine sehr schöne Veranstaltung.
    Ich freu mich schon auf die Nächste.

    Schöne Grüße Hannes

    Kommentar von Benzin — 26. Dezember 2014 @ 7:28

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