Benzins Motorradseiten Erlebnisse mit dem Motorrad

15. Mai 2018

2018.05.10. Salzburg, Kärnten, Friaul und Steiermark – Vier Tage in Anekdoten

Filed under: Touren und Ausflüge in Österreich — Benzin @ 13:15

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Donnerstag, 10. Mai
Amstetten – B121 Waidhofen an der Ybbs – Weyer Markt – B115 Altenmarkt – B117 Buchauersattel – Admont – B146 Liezen – B320 Radstadt – B163 Altenmarkt im Pongau – St. Johann im Pongau – B311 Bruck an der Glocknerstraße – B107 Großglockner Hochalpenstraße – Edelweißspitze 2572m – Winklern – Iselsberg 1118m – Dölsach – B100 Oberdrauburg – B110 Kötschach – Mauten – B111 Lesachtal – St. Lorenzen im Lesachtal Gasthof Post
Etappe: 362km

Wenn sich harte Männer auf ihre Eisen schwingen, um Wind und Wetter ausgesetzt durch die Lande zu ziehen . So, oder so ähnlich stellt sich oft der kleine (oder große) Maxi Motorradfahrer vor. Ob ich zu dieser Sorte gehöre? Ich weiß es nicht. Der Horst hatte vor einer Woche geschrieben, ob ich Lust und Zeit hätte, übers Wochenende eine Tour zu fahren? Klar hatte ich Lust, und Zeit sowieso. Bin ja seit einem Jahr in Pension. Nachdem er noch nichts geplant hatte, setzte ich mich zur Karte und stöpselte eine Runde zusammen, die, so stellte ich mir vor, schön sein müsste. Sollte auch Horst etwas planen, dachte ich, dann fahren wir das, was uns am meisten zusagt. Besser zwei Pläne, als keinen. Dann kam der Donnerstag näher, der Tag der Abfahrt, und der Abschied fiel mir immer schwerer. Wenn ich nicht grade am Motorrad sitze, ist Eddie, mein Hund, ständig bei mir. Den mußte ich jetzt ein paar Tage alleine lassen. Mann, das fiel mir schwer. Am liebsten hätte ich Eddie mitgenommen. Geht aber nicht. Schade.

Für fünf Uhr hatte ich den Wecker gestellt, um dreiviertel fünf war ich schon mit Eddie unterwegs. Wenigstens noch einen ordentlichen Abschiedsspaziergang, dachte ich mir. Das schlimmste war, daß er mich immer so komisch anschaute. Der wusste, daß da etwas im Busch ist. Der spürte wohl auch, daß ich mich auch nicht wohl fühlte. Als wir wieder zurück waren, bepackte ich das Motorrad, zog mich um und fuhr gegen dreiviertel sieben los. Ohne großen Abschied. Einmal fest knuddeln, streicheln, und dann weg. Hätte grade noch gefehlt, daß ich auch noch zu heulen beginne.

Treffpunkt mit Horst, der aus München anreiste, war die Edelweißspitze auf der Großglockner Hochalpenstraße. Mit zwei Kaffee-Stopp, einer in Admont und der zweite beim Posauner mit Tanken, erreichte ich den Glockner, und gleich darauf Horst am Telefon. Das ging sich ja wieder einmal perfekt aus. Während ich gemütlich, mit zahlreichen Pausen, nach oben fuhr, holte mich Horst ein und wir fuhren zusammen zur Edelweißspitze zum Mittagessen. Also bei schönem Wetter dort oben im Freien zu Mittag zu Essen, bei diesem sagenhaften Panorama, das hat schon etwas. Da gibt es nichts zu meckern. Satt und ausgeruht ging es am Nachmittag weiter, ins Kärntner Lesachtal.

Aufs Lesachtal freu ich mich immer. Relativ eng, dafür sehr kurvenreich und mit griffigem Asphalt schlängelt sich die Straße einmal weiter oben, dann wieder weiter unten durchs Tal und bietet wunderbare Ausblicke. Beim Kalvarienberg in St. Jakob blieben wir stehen, und wieder erklomm ich die steile Höhe. Beim ersten Mal mit Udo, diesmal mit Horst. Gut. Wollen wir nicht übertreiben. Der Anstieg ist weder steil noch lang. Aber schön. Eigenartig, wie anders sich die Aussicht nach diesen paar Höhenmetern darstellt. Und es ist eine willkommene, kleine Abwechslung während so einer Motorradtour. Ein paar Meter gehen schadet nicht. Wenig später erreichten wir St. Lorenzen im Lesachtal und den Gasthof zur Post.

Ich hatte angerufen und nach einem Zimmer gefragt. Leo meinte nach einigem Hin und Her, das klappt. Die Hütte ist zwar voll, aber ein Zimmer hat er noch. Ein Zimmer ohne Komfort, meinte er. Was immer das bedeuten mag. Ich hatte nicht nachgefragt. Der Parkplatz vor dem Gasthof war gerammelt voll, aber für unsere Motorräder fand sich noch Platz. “Ich geh einmal schauen, ob das mit dem Zimmer eh passt”, meinte ich zu Horst und stapfte los. Die Stufen rauf, durch die große Holztür ins Haus und durch die Holztür zur Rechten in die Gaststube. Leo war leicht zu erkennen. Das ist der mit dem Stirnband. “Ah, da ist ja eh der Chef. Servus”, grüßte ich, “wir haben wegen dem Zimmer telefoniert. Benzin aus Amstetten”. “Ach ja”, meinte Leo, dann dachte er nach, sagte etwas von “ich quartiere euch woanders ein”, dachte wieder nach und meinte dann “oder nein, das passt schon, ihr bleibt bei mir da”. “Wie jetzt?”, meinte ich, “quartierst du uns wieder um zum Gruber oder was?” “Nein, ihr bleibt da. Ein Zimmer hab ich noch. Es ist aber kein Komfortzimmer! Das Zimmer hat kein Scheißhaus!” (Originalton Leo) “Aber im Haus ist schon eines?” frug ich. “Ja, natürlich. Aber am Gang”. “Ist ok” meinte ich und dachte mir im stillen “Besser Zimmer ohne Scheißhaus, als er hätte gesagt, er habe kein Zimmer, wir sollen scheißen gehen”.

Ja, das Holzhotel im Lesachtal. Das hat es nicht nur mir angetan. 2009 hatten wir im Zuge unserer zweiten Pässetour dort erstmals übernachtet. Seitdem braucht man die Ortschaft St. Lorenzen oder Gasthof Post nicht mehr erwähnen. “Das Holzhotel” reicht, und jeder aus der Truppe weiß, was und wo gemeint ist. Der Leo trug damals wie heute ein Stirnband, damals wie heute war die Hütte randvoll, damals wie heute war es ur-gemütlich und das Essen ausgezeichnet. So eine Atmosphäre wird heute nur mehr selten geboten. Man hat dort auch nie das Gefühl, man müsste das Zimmer zusperren. Man fühlt sich einfach pudel wohl. Nach einem deftigen Zwiebelrostbraten, viel und gut, bestiegen wir noch den Hügel neben der Kirche und schauten ins Tal, dann ging es ab in die Heia. Der nächste Tag sollte anstrengend werden.

Freitag, 11. Mai
St.Lorenzen im Lesachtal – B111 – B100 Sillian – Italien – Innichen – SS52 Sexten – Kreuzbergpaß 1636m – Campitello – SP6 – Danta di Cadore 1398m – SP532 – Auronzo di Cadore – SS52 – SP619 – Laggio di Cadore – Sella Ciampigotto 1797m – SS465 – Val Pesarina – Prato Carnico – Cercivento – SS52 Paluzza – SP24 Paularo –
Passo del Cason di Lanza 1552m – Pontebba – SP110 – Naßfeld 1552m – B90 – Töpolach – B111 – St. Stefan im Gailtal – L33 Kreuzner Landstraße – Windische Höhe 1110m – Spital an der Drau – B99 – Gmünd in Kärnten Hotel Platzer

Etappe: 305km

Frühstück ab halb acht, weil dann die Semmeln kommen. Abfahrt gegen halb neun. Kein Regen, die Straßen teilweise naß. Erstmals fuhr ich den Kreuzbergpaß im Trockenen. Erstmals sah ich die Gegend um den Kreuzbergpaß und die Sextener Dolomiten. Und dieses Mal fuhren wir nicht durch St. Stefano di Cadore. Bei der Planung hatte ich eine Straße gefunden, die kurz vor St. Stefano rechts nach Danta abzweigt. Der Name sagte mir nichts, aber die Strecke sollte zum Stausee nach Auronzo hinunter führen. Es ist nur eine kleine Veränderung der Route, aber mit großen Auswirkungen. Was ich nicht bedacht hatte war, St. Stefano di Cadore liegt auf 907m Seehöhe, Danta di Cadore, so der ganze Name, liegt auf 1398m. Es geht da nicht weiter runter zum See, sondern zuerst einmal rauf. Steil und kurvenreich rauf! Die Strecke führt durch Wald, daher keine Aussicht. Wenn man aber oben bei der Ortseinfahrt angekommen ist, bietet sich eine tolle Aussicht. Mit 455 Einwohnern ist die Ortschaft klein, aber wunderschön. Typisch Italienisch, etwas anderes fällt mir dazu nicht ein. Und was dann von weitem auffällt, ist der Turm mit der Uhr. Da muß man einfach hin. Und gleich daneben, wo man bequem ein paar Motorräder abstellen kann, befindet sich ein Kaffeehaus, wo man vor dem Haus gemütlich einen Kaffee schlürfen kann. Ebenfalls typisch Italienisch.

Nach der Abfahrt bewunderten wir noch die Staumauer des Stausee, dann ging es ein paar Kilometer gen Süden, bis zum Abzweig zur ehemaligen “Strada Statale 619 di Vigo di Cadore” (SS619) und heutigen SP (Strada Provinziale) 619, die nach Laggio di Cadore, durchs Val Piova zur Sella Ciampigotto auf 1797m und in weiter Folge als SP73 zum Lago di Sauris führt. Genau diese Strecke waren wir 2009 gefahren und hatten wegen furchtbar schlechtem Wetter nichts von der Umgebung gesehen. Ich konnte mich nicht einmal an die Straße oder Dinge am Wegesrand erinnern, weil ich mich vollkommen aufs fahren konzentrieren mußte. Neben Regen war damals auch dichter Nebel. Diesmal war weder Regen noch Nebel, so daß wird die wilde Gegend voll genießen konnten. Zumindest bis zur Paßhöhe. Dort stehen ein paar Hütten. Wir hielten an und wollten uns umsehen, da begann es zu regnen. Es begann so stark zu regnen, daß wir unsere Regenkleidung anzogen. Dann fuhren wir weiter und mußten beim Abzweig, wo sich die Straße zum Lago di Sauris und ins Val Pesarina teilt feststellen, daß die SP73 zum See gesperrt war. Wird wohl ein Unwetter wieder einmal die Strecke unpassierbar gemacht haben, was oft vor kommt. Als wir damals am See waren, was das Wetter nicht gar so übel. Wir wussten zumindest, wie die Staumauer aussah. Das Val Pesarina, durch das die SS465 führt, kannten wir hingegen nicht. Also auf nach links und zum Abzweig, wo sich SP619 und SS465 gabeln.

Zu versuchen, die Strecke zu beschreiben, glaub ich, geht schlicht und einfach nicht. Es ist dort urig und schön, aber mit Worten nicht wieder zu geben. Man muß es gesehen haben. Auf nasser Straße, wie an diesem Tag, ist allerdings Vorsicht geboten. Bis dort eine Rettung kommt, vergeht viel Zeit. Am Ende des Tales erwartete uns noch der “Schiefe Glockenturm von Prato”. Was dieser Turm genau darstellt, weiß ich nicht, aber er steht sehr schief. In Paularo lagen dann wir beide, der Host und ich, schief. Und zwar mit einem Abzweig. Die Anfahrt zum Lanzenpaß ist eigentlich nicht schwer zu finden. Vor allem mit einem Navi. Aber dieses Navi nützt an diesem Abzweig wenig, weil man nicht auf die Idee kommt, man müßte den kleinen Weg rechts über die steile Böschung hinunter wählen, statt dem linken, breiteren Weg. Ein Herr, der in seinem Garten stand, machte uns auf unseren Irrtum aufmerksam. Irgend etwas rief er und bedeutete uns, anzuhalten. Dann zeigte er nach hinten und unten. “Aha”, dachte ich, “also doch da rechts runter”. Das Navi hatte sich nicht geirrt, sondern ich hatte es nicht glauben wollen. “Da runter? Quatsch!” dachte ich. Falsch. Kein Quatsch. Da runter! Ich meine, es ist keinesfalls so, daß man den Lanzenpaß nicht finden würde. Der ist mit Tafeln angeschrieben. Aber auf die Idee, da runter zu fahren, käme man nur schwer. Und das weiß dieser Herr im Garten wohl am besten. Möchte gar nicht wissen, wie viele Motorradfahrer der schon auf den richtigen Weg geleitet hat.

Mit 1552m Scheitelhöhe ist der Paso del Cason di Lanza, so der italienische Name des Lanzenpaß, kein großer Übergang, aber von der Art der Strecke gehört er zu den ganz großen. Er verbindet Paularo mit Pontebba und führt oft nah an der österreichischen Grenze entlang. Es ist eine wilde Strecke. Schmal und kurvenreich windet sich die Staße, ein Auto breit, an Abgründen entlang und regt die Phantasie an. “Wie mag das damals gewesen sein, als diese Straße gebaut wurde?”, fragte ich mich mehrmals. Es müssen gewaltige Anstrengungen gewesen sein, Maschinen, Menschen und Material hier her zu bringen, in diese wilde Gegend.

Eigentlich hatte ich erwartet, der Paß wäre gesperrt. Hätte ja sein können, daß dort noch viel Schnee lag. Schnee lag auch, aber das war nicht das Problem. Wir hatten schon die Stelle passiert, wo die Wegzeiger stehen. Österreich 2km, Pontebba 17km, Paularo 12.5km, also ungefähr die Mitte der Strecke. Die 2km nach Österreich sind aber eher symbolisch gemeint. Es schaut zwar so aus, als würde dort ein Schotterweg in den Wald führen, es schaut aber auch so aus, als würde dieser Schotterweg in sehr steiles Gelände führen. Also eher für Schmuggler in früheren Zeiten, als für Motorradfahrer gedacht. Bei der Weiterfahrt nach Pontebba kamen wir nicht weit, dann versperrte eine Fahrverbotstafel auf einem Gestell den Weg, mit einer Aufschrift in italienisch, die wir nicht lesen konnten. Jedenfalls gesperrt. “Aber die Gummikuh-Fahrer?” dachte ich. Die waren uns doch entgegen gekommen! Wir waren eine Weile bei den Wegzeigern gestanden, also hätten wir die doch sehen müssen, wenn die umgedreht hätten. “Nein, die sind nicht hier gefahren”, dachte ich, “die kamen von der anderen Seite!” Ergo müsste es weiter gehen. Wir schauten uns an und fuhren weiter.

Schnee. Mehr Schnee. Dann umgestürzte Bäume, Schleifspuren, ein Bagger. Es wurde wilder, noch wilder, noch mehr umgestürzte Bäume, das Gelände wurde steiler und steiler. Dann dort, wo es bergab geht, ein weiterer Bagger, der sich seinen Weg nach heroben bahnte. Wir mussten waren, weil der die ganze Breite der Straße ausfüllte. Langsam kam er auf seiner Kette raufgerasselt. Wir deuteten nach unten, der Baggerfahrer lehnte sich heraus und nickte, dann sagte er “Langsam!”. Wir verstanden.

Die Straße war dreckig. Sehr dreckig. Hier wurde viel gearbeitet. Aufräumarbeiten von Unwetterschäden, die nicht zu übersehen waren. Überall lag Holz und Dreck, oft konnte man die Straßen nur schwer vom restlichen Gelände unterscheiden. Noch dazu war die Strecke hier teilweise steil abschüssig. Was mich am meisten beunruhigte war die steile Fläche seitlich von uns, wo am oberen Rand riesige Felsblöcke und Geröll lagen. Ein Teil davon war wohl runter gefallen und wurde von den Baggern weggeschoben. Fall da etwas nachrutschen sollte, waren wir in Gefahr. Diese Gegend dort oben ist sehr steinschlaggefährdet!

Langsam, vorsichtig fuhren wir weiter und weiter runter. So lange wir da oben im freien Gelände waren, hatte ich ein etwas ungutes Gefühl. “Alter, wenn das runter fällt, sind wir verschwunden” dachte ich öfters. Es fiel aber nichts runter. Bald waren wir auch wieder unten im Wald und dann noch weiter unten beim Bach angelangt. Entlang des breiten Bettes des Pontebbana erreichten wir nach einer kurzen Pause Pontebba und erklommen zügig das Naßfeld bei der österreichischen Grenze. Wir waren praktisch wieder daheim. Ich jedenfalls. Host ist ja aus München.

Die Fahrt nach Gmünd verlief ohne Probleme und bei schönem Wetter. Selbst über die “Windische Höhe” war es schön. Wenige Kilometer vor Gmünd begann es doch zu regnen. Wie könnte es auch anders sein. Vom Regen in Italien waren wir längst wieder trocken, jetzt waren wir wieder naß. Da Gmünd praktisch in Sichtweite war, zogen wir auch die Regenkleidung nicht wieder an, stellten uns aber kurz vor der Ortschaft bei einer Tankstelle unter. Nach kurzer Wartezeit meinte ich zu Horst, “Komm, fahren wir weiter. Jetzt regnet es, das hilft vielleicht bei der Herberg Suche”. “Wie das?” frug Horst. “Na ja. Wenn jetzt noch ein paar fahren, die eine Herberge suchen, stellen die sich vielleicht unter, weil sie das selbe denken wie wir. Sie wollen so kurz vor dem Ziel nicht naß werden. Wenn wir jetzt fahren und die stehen bleiben, bekommen wir die Zimmer und nicht die!” So fuhren wir los, beim Kreisel links, dann bei der nächsten Tankstelle rechts und schon waren wir bei einem Hotel. Wir stellten die Geräte ab, ich ging hinein und frug, ob ein Zimmer frei sei. “Ja, eines ist noch frei”, meinte die Dame an der Rezeption. Ein sehr großes, aber wenn wir nur zwei Betten benützen, können wir es haben. €50.- pro Nase. “Geht klar, wir nehmen es” meinte ich und deutete dem Horst, “wir haben ein Zimmer”.

Als ich raus ging, um mein Gepäck zu holen, hielt eine Gummikuh aus Frankreich mit Sozia. Wir nickten uns zu, die beiden gingen rein, redeten und kamen etwas betrübt wieder raus. Kein Zimmer. Das letzte wurde grade vergeben. Das waren wir. “Siehst du?”, sagte ich zu Horst. “Wären wir an der Tankstelle stehen geblieben, stünden jetzt wir ohne Zimmer im Regen. So stehen die Franzmänner im Regen”. Der Grillteller am Abend war recht gut. Später saßen wir noch am Balkon und fühlten uns fast wie beim Ruetz in Sankt Siegmund. Der Unterschied war, hier saßen wir mit Blick über den Malta Bach und die Kirche war oben, beim Ruetz schaut man zur Kirche hinunter. Und in Sankt Sigmund bimmelt die Glocke. In Gmünd bimmelt nichts. Ob die keine Glocke haben?

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Samstag, 12. Mai
Gmünd in Kärnten – Kremsbrücke – L19 Innerkrems – Nockalmstraße 2042m – B95 – Ebene Reichenau – L65 Hochrindel 1561m – B93 – L63 Glödnitz – L62 Metnitz – Zwatzdorf – Prekover Landstraße – Straßburg Stadt – B93 – B83 – Althofen – Guttaring – L91 Löllinggraben – Klippitztörl 1644m – B78 – Twimberg – B70 Packsattel – Köflach – B72 – Gaberl 1547m – Kleinlobming – Großlobming – St. Lorenzen bei Knittelfeld – St. Michael – Trofaiach – B115 – Vordernberg – Bräbichl – Eisenerz – Hieflau – Landl – B25 Gams – Palfau – Göstling – B31 St. Georgen am Reith – Große Gripp – Opponitz – Waidhofen an der Ybbs – Abetzdorf Gasthof Bachler
Etappe: 432km

“Der frühe Vogel…………” meinte der Hüttenwirt auf der Eisenthalhöhe mit einem breiten Grinsen. “Ja, genau!” meinte ich und grinste zurück. Es war neun Uhr und wir waren fast alleine auf der Nockalmstraße unterwegs. Wir hatten noch einen weiten Weg vor uns. Über den Hochrindel führte uns der Weg ins Gurktal, dann über Landesstraßen nach Metnitz und über die Höhenstraßen nach Straßburg ins Gurktal zurück. Dann rüber nach Althofen und zum Klippitztörl, im Lavanttal nach Twimberg und zur Pack, wo ein deutscher Fighter-Fahrer wissen wollte, wer den Längeren hat. Ja, guter Mann, Pech gehabt. Dabei hab ich extra auf dich Rücksicht genommen und bin langsam gefahren. Dann nach Köflach zum Mittagessen bei einem Chinesen, und in weiterer Folge über Gaberl und Präbichl ins Ennstal. Dort mußte ich mich entscheiden. Ennstal bis Weyer oder Mooslandl, Gams, Palfau und Ybbstal. Egal, in welche Richtung wir schauten, überall war es schwarz. Richtung Ybbstal schien es etwas heller, also ab über Mooslandl. (Ich halt mich hier mit der Beschreibung kurz, weil das alles trotz über 200km Entfernung zu meinen Hausstrecken gehörte, Hier war für mich nichts neu.)

Wieder zogen wir keine Regenkleidung an, wieder regnete es nicht so stark, daß wir wirklich naß wurden. So erreichten wir gegen 18 Uhr nach rund 10 Stunden und 432km meine Heimat. Horst war mitgekommen. Eigentlich hätte ich geplant, er sollte seine Suzuki bei mir in der Garage abstellen und dann mit mir und Auto zum Bachlerhof fahren, was sich als umständlich herausstellte. Also mit Auto und Motorrad zum Bachler. Vorher natürlich noch Eddie begrüßen. Meine Güte. Als wir die Motorräder vor der Garage abstellten, hörte ich Eddie schon bellen. Und was für ein Gebell! Der wusste genau, Herrchen ist Heim gekommen. Ich ließ das Gepäck am Motorrad und eilte zu meinem Hund. Was für eine Freude! Was für ein Wiedersehen! Einen ganzen Tag lang hatten wir uns nicht gesehen! Schlimmer noch. Zwei Nächte lang hatten wir uns nicht gesehen! Ich glaub, ich werd alt. Umgezogen, Eddie an die Leine und ab, mit Horst im Schlepptau, zum Bachler Hof, einen herrlichen Schweinsbraten genießen. Man konnte sogar im Gastgarten sitzen. Hier regnete es nicht. Na, wie schon ein altes Sprichwort sagt, “Wo gute Leute wohnen, ist auch das Wetter gut!”

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Sonntag, 13. Mai
Abetzdorf GH Bachler – Kematen – Sonntagberg – Gleiß – St.Georgen an der Klaus – Ertl – Glasenberg – Großraming – Pechgraben – Laussa – Ternberg – Steinbach an der Steyr – Untergrünburg – Oberschlierbach – Scharnstein – Kriminalmuseum – Gmunden – A1 – Amstetten
Etappe: 257km

Der letzte Tag der Tour. Normal der Tag der Heimreise. Ich war aber schon daheim, und ich wollte Horst nicht einfach so abfahren lassen. Außerdem hatte er noch den ganzen Tag Zeit, also genug Spielraum, um noch etwas zu unternehmen. Kurz vor acht war ich beim Bachlerhof. Ohne Hund, dafür mit Motorrad. Dann nochmals zum tanken nach Kematen, hoch zum Sonntagberg und einen Rundblick nach Norden und Süden genossen. Wir hatten während der Tour drüber geredet, wie unterschiedlich die Gegend ist, wo ich wohne. Nördlich, aber vor allem in nordwestlicher Richtung Linz eher flacher, keine Berge im Sinne von Berg sondern eher Hügel, dafür hinter der Kette des Sonntagberges wirklich Berge. Und genau deshalb waren wir am Sonntagberg. Von dort aus folgen wir größtenteils Nebenstraßen und Güterwegen bis Großraming, umrundeten einmal die Rennstrecke, um dann über Laussa, Ternberg, Steinbach an der Steyr und Oberschlierbach unser Ziel, Scharnstein, zu erreichen. Was ist in Scharnstein besonderes? Das Kriminalmuseum im Schloß Scharnstein!

Zuerst im Gastgarten einen Kaffee und ein Cola, dann das Museum. Hier wird die Geschichte der österreichischen Gendarmarie und Polizei anhand von Gegenständen und Bildern gezeigt sowie Kriminalfälle geschildert, die sich in der Wirklichkeit abgespielt haben. Mit Tatwerkzeugen, Fotos und anderen Gegenständen. Auch Art des Verhörs (peinliche Befragung oder Folter) und der Bestrafungen wird behandelt, die bis zur Hinrichtung reichen. Gruslig, aber auch informativ und absolut eine Reise Wert. Bei der Abfahrt meinte die Dame von der Kassa noch, “Ich bin früher auch Motorrad gefahren. In meiner Jugend”. “Ich bin auch in meiner Jugend gefahren, aber ich fahr noch immer”, meinte ich lächelnd. “Du bist ja noch jung” meinte sie. “Ja”, sagte ich, “mit 58 ist man ja noch jung”. “Oha, dann bist du ja so alt wie ich?” Nö. Ich war älter. Sie ist im Mai geboren, ich im Februar. Komische Weiber. Wenn sie jung sind, wollen sie immer jünger sein und wenn sie alt sind, wollen sie ständig älter sein.

Anschließend begleitete ich Horst noch bis Gmunden, wo wir uns verabschiedeten, dann fuhr ich Heim und Horst nach München. Die Tour war nach 1356km für mich zu Ende.
Es war eine tolle Tour, wir hatten Glück mit dem Wetter, besser hätte es nicht laufen können. Jetzt war ich aber müde und schlief sehr lange. Es war meine erste Tour in diesem Jahr, von Spazierfahrten abgesehen. Das schlaucht.

Horst, ich freu mich auf die nächste Tour.

Gesamtlänge der Tour: 1356km
Benzin: 88 Liter
Verbrauch Durchschnitt ungefähr 6.5 Liter

2 Comments »

  1. Wider mal Sehr schönes bericht
    Ich freu mich immer wenn was neues von dir zu lesen gibt hatte schon sorge das nichts mehr kommt
    Lg
    Ps
    Sag mal wie viele kilometer hast du den jetzt auf deiner xjr drauf ?

    Kommentar von Micha — 25. Mai 2018 @ 5:39

  2. Danke.
    Sorgen, daß nichts mehr kommt? Ach nein. Da kommt schon was. Ich fahr nur halt sehr viele Strecken so oft, daß es da nichts zu erzählen gibt. Ich fahr gerne Motorrad, aber ich will nicht alles nach außen tragen, was ich so treibe. Ich könnte mein Geld nicht mit schreiben verdienen, weil ich nicht kann, wenn ich nicht will. LOL
    Die XJR hat jetzt knapp unter 130 000km drauf. Ohne Probleme. Ich kontrolliere das Öl, obwohl ich weiß, sie braucht keines, ich reinige die Kette, damit sie gülgen glänzt und schmiere sie, aber sonst setz ich mich drauf und fahre. Ich glaub, die gehört zu den besten Motorrädern, die je gebaut wurden.
    Schöne Grüße Hannes

    Kommentar von Benzin — 26. Mai 2018 @ 7:36

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