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6. April 2021

2021. 04. 05. Rapoldeck 1195m–Schrabachauer Kogel 1321m Überschreitung

Filed under: Bergwelten - Wanderungen und Ausflüge — Benzin @ 12:52

Strecke: Weyer Eckerbauer Ende Asphaltstraße/Beginn Güterweg – Gratweg – Rapoldeck 1195m – Schrabachauer Kogel 1321m – Sautalriedel – Schwarzkogel 994m – Hirtner Riedel – B115 – Kleinreifling – Mooswirt – Großloiben – Hangl – Weyer Rapoldeck 110 – Mit Auto zurück zum Ausgangspunkt.
Dauer: Rund 9 Std. 20 min. mit vielen Pausen und schauen

Erstens kommt es anders zweitens als man denkt. Ich hab das immer für ein blödes Sprichwort gehalten. Bis zum Ostermontag.
Der Name Schrabachauer Kogel war mir bis vor kurzem genau so wenig ein Begriff wie der Name Rapoldeck. Wie ich schon beim Aufstieg zum “
Weißes Kreuz” bei Oberland sagte, war ich an diesen Bergen ich weiß nicht wie oft, auf jeden Fall seit über 40 Jahren vorbei gefahren und hab sie mehr oder weniger nie beachtet. Es waren bewaldete Hügel und Bergketten am Rand der Straße, nicht mehr. Daß eine Wanderung durch diese Wälder wunderschön sein könnte, daß eine Wanderung am Kamm dieser Berge wunderschön sein könnte, daran dachte ich gar nicht. Diese Hügel, diese Berge waren einfach zu klein, um bei mir Interesse zu wecken. Das soll man jetzt bitte nicht falsch verstehen. Ich war und bin nicht größenwahnsinnig. Ich hatte nur zu wenig Zeit für alle Berge in der Umgebung. Ich mußte mir aussuchen, was ich in meiner Freizeit machen konnte, und da gehörten diese bewaldeten Berge einfach nicht dazu. Leider. Heute weiß ich genau diese bewaldeten Berge zu schätzen, oder nein, heute liebe ich sie. Ich hab mich geändert und meine Sicht auf alles rund um mich herum hat sich verändert. Das ist alles.
Nach einer langjährigen Pause, nach über einem Jahrzehnt Pause, erwachte allerdings durch seltsame Umstände meine Leidenschaft für’s Wandern wieder, und da ich ja nicht mehr die Kondition und vor allem die Kraft hatte, wie früher, begann ich mit kleineren Besteigungen und Wanderungen, und hier erst erkannte ich die Schönheit dieser Kleinode. Und diese meist von den Touristenmassen verschmähten Berge liegen noch dazu, fast, vor meiner Heimat. Ich meine, Amstetten liegt ja nicht unbedingt am anderen Ende der Welt. Und als ich vor kurzem mit Eddie am Falkenstein saß und ins Ennstal schaute, fand ich diesen breiten Klotz gegenüber so anziehend wie einen Magnet. “Diesem Schrabachauer Kogel werd ich demnächst aufs Dach steigen”, dachte ich mir, und dieser Gedanke ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich las im www. über diesen Kamm, schaute mir die Karte an und plante, und als der Gedanke reif war, frug zufällig Sonja, ob ich am Ostermontag Zeit und Lust auf eine Tour hätte. “Ja”, antwortete ich, “ um 8 Uhr Abfahrt zum Schrabachauer Kogel”. Einen Tag nach dieser Tour sanken die Temperaturen wieder zum Nullpunkt, es schneit und alles hat sich wieder in eine Winterlandschaft verwandelt. Es war genau der richtige Tag für so eine schöne Tour.

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Wer will, kann gleich am Anfang eine Rast einlegen.

Um halb neun hatten wir das Auto in Weyer oberhalb der Kirche am Ende der Zufahrtstraße Eckerbauer abgestellt, die Wanderschuhe angezogen, den Rucksack umgeschnallt und den Hund an die Leine genommen. Abmarsch zu einer netten Wanderung, und damit wir nicht zu Mittag schon wieder zurück sein würden, gingen wir die Sache von Anfang an gemütlich an und nahmen uns genug Zeit, um uns alles genau anzuschauen. Ich hab mich ehrlich gesagt noch selten dermaßen verschätzt, aber, wie ich ja schon sagte, ich bin auch etwas aus der Übung mit solchen Sachen.

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Zuerst geht’s auf einer Güterstraße durch den Wald zu einem Haus und zu einer Hütte, die praktisch bei keinem Wanderbericht im Internet über diese Tour fehlt. Was dort die Aufmerksamkeit auf sich zieht, sind die Totempfähle nach Indianerart, die hier in Weyer etwas skurril wirken. Wesentlich schräger fand ich persönlich die Warnhinweise auf kreuzende Elche oder gar kreuzende Kamele, die an einen Pflock und an einen Baum am Wegrand genagelt sind. Dann geht’s in den Wald und bergauf. Relativ steil bergauf, aber nicht so steil, wie ich nach den Erzählungen anderer Wanderer erwartet hatte. Vor allem weiter oben, wo sich der Weg kurz teilt mit dem Hinweis, rechts würde es sich um den Wadelbeißer-Steig und links um den Pensionisten-Steig handeln, mußte ich lachen. Auch diese Wegteilung war wesentlich kürzer als gedacht.

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Mein Schlumpf freut sich wie verrückt. Jetzt gehts loooooos…………

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Mit zunehmender Höhe wird der erste Restschnee sichtbar. Es hatte ja am Samstag, glaub ich war’s, recht überraschend nochmals geschneit.
(Ps.: Seit Dienstag ist wieder tiefster Winter!)
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Zwei Schlümpfe
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Etwas länger als gedacht zog sich der Marsch zum Marterl hin, das in der Karte eingezeichnet ist. Es liegt genau an der Kreuzung eines Forstweges, wie auf der Karte eingezeichnet. Dafür war die erste Wegkreuzung in der Karte nicht vorhanden und daher war ich erstmals etwas verwirrt. Aber gut, egal. Das Marterl war da, Forststraße auch, die Orientierung somit wieder hergestellt und es ging weiter. Bis hierhin war es recht angenehm warm und ich hatte meine Gore-Fleece Jacke schon im Rucksack verstaut, aber je höher wir stiegen, desto häufiger waren Restschneefelder anzutreffen und dann war sogar der Boden im Wald mit Schnee bedeckt. Nicht tief und schon gar nicht unangenehm, aber doch eher überraschend nach den letzten warmen Tagen. Hier empfand ich diese Wanderung auch schon wirklich wunderbar und Freude breitete sich aus. Es ist kein besonders dichter Wald, der absolut keine Ausblicke bietet. Es ist ein recht lockerer Wald und die Farben sind bunt wie im Herbst. Immer wieder sieht man zwischen den Baumstämme in die umliegende Landschaft, und Weyer liegt immer weiter unter uns.

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Das Marterl bei der Wegquerung.
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Es wird tatsächlich auch einmal ein wenig flacher.
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Ein hübscher Ausblick auf Gaflenz
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Tu mir nichts, ich tu dir auch nichts.
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Es wird wieder steiler
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Und noch ein bissl steiler
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Und dann noch ein bissl steiler, aber oben ist schon das Gipfelkreuz zu sehen.

Dann kommt ein recht heftiger, steiniger Steilanstieg und plötzlich ist zwischen den Bäumen das Gipfelkreuz vom Rapoldeck zu sehen. Wir haben unser erstes Ziel auf 1195m erreicht. Es folgt eine kurze Rast, natürlich ist auch Zeit für einige Fotos und ein wenig in die Gegend geschaut, dann geht die Wanderung am Kamm zum Hauptziel, dem Schrabachauer Kogel weiter. 45 Minuten sollen es von hier aus noch sein. Aber nicht, ohne vorher das naß geschwitzte Unterleibchen zu wechseln und wieder die Fleece-Gore Jacke anzuziehen, denn hier heroben ist es kalt. Hier heroben ist auch reichlich Schnee zu finden, und er wird mit dem weiteren Verlauf unserer Wanderung immer mehr. Das Gute an der Sache ist, daß dieser Schnee offenbar schon öfters aufgetaut und wieder gefroren ist und dieser Firn nun hart ist und uns trägt. Das Schlechte an der Sache ist, daß man Wegspuren praktisch nicht mehr sieht, weil alles unter der Schneedecke begraben liegt. Allerdings ist hier schon vor uns jemand heroben gewesen und hat seine Spuren hinterlassen, denen wir folgen können und uns damit recht oft die Suche nach dem Weg ersparen. Nein, es ist nicht wirklich schwierig, einem Kamm zu folgen. Dieser Kamm ist allerdings nicht so einfach, wie zum Beispiel der Kamm zwischen Weißes Kreuz und Sonnbergspitzl. Dieser Kamm ist mit Baumbewachsenen Hügeln und Felsen durchsetzt und daher ist es nicht oder kaum möglich, immer genau am Kamm zu bleiben. Aber das Gelände ist trotzdem immer wunderschön. Zumindest empfinde ich es so.

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Die letzten Meter zum ersten Ziel. Eddie führt, Sonja steigt nach und ich wurschtle mich halt irgendwie hinterher.

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Rapoldeck 1195m
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Die Aussicht kann sich durchaus sehen lassen.
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Dann kommt die Wegtafel, die den Weg zum Schrabachauer Kogel weist und zum Abstieg, der auch in der Karte eingezeichnet ist. 20 Minuten noch bis zum Ziel, sagt die Tafel. Diese Angaben sind bei Schnee natürlich relativ zu sehen. Ohne diese Spuren des einsamen Wanderers vor uns, der bis zum höchsten Punkt ging und dann wieder umdrehte, hätte das vermutlich erheblich länger gedauert, weil hier durch den Schnee absolut keine Wegspuren mehr zu erkennen waren und das Gelände hier nicht nur verwachsener wird, sondern ein Stück weiter vorne auch recht felsig und steil. Felsig und steil ist der Punkt, wo man weiß, jetzt nähern wir uns dem Ziel der Wanderung.

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Weitert geht’s am Kamm dem höchsten Punkt entgegen. Der Schnee wird immer tiefer, aber er trägt.
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Jetzt, am breiten Rücken, helfen uns die Spuren eines Wanderers, die Orientierung nicht zu verlieren.
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Dem Specht, der diese Löcher gehämmert hat, wollen wir lieber nicht begegnen.
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Die Gegend wirkt immer abgeschiedener, aber auch immer märchenhafter.
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Mein Schlumpf fühlt sich yorkiewohl. Unglaublich, welche Ausdauer der kleine Kerl heute wieder zeigt. Ist ja auch mein Goldschlumpf.
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Jetzt geht’s zum felsigen Grat hoch und Eddie führt. Manchmal muß ich ihn allerdings bremsen und umlenken, weil das, was er sich vorgenommen hat, geht nicht immer. Hier sollte man nicht ausrutschen.
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Jetzt wird’s cool. Das Ziel naht. Man spürt es direkt schon.
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Durch den Schnee ist der Aufstieg über die Felsstücke mit etwas Vorsicht zu genießen. Man kann nicht steil und tief abstürzen, aber man kann sich doch weh tun, wenn man sich blöd anstellt. Vor allem hab ich ja auch noch meinen Hund an der Leine. Eddie ist ein Yorkshire Terrier. Nein, keiner von der winzigen Sorte. Mein Eddie wog bei der letzten Abwaage 6kg. 3.2kg steht in der Züchterverordnung als Höchstgewicht. Eddie wusste das nicht und ist einfach weiter gewachsen. Dafür ist er mit einigem und vorsichtigem Training, das immer Spaß machen muß, eine richtige Bergsau geworden. Egal, ob Schnee oder Eis, ob Sonne oder Sturm, er will vorwärts und hinauf, da ist er nicht zu halten. Und dieser kleine Schlumpf war nicht nur der erste beim Gipfelbuch, daß am mittleren der drei Felsbuckel zu finden ist, sondern er war auch der erste am Gipfel des Schrabachauer Kogels. Berg Heil, mein Schlumpfhund.

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Jetzt muß ich schon sehr aufpassen, weil das für meinen kleinen Schlumpf schon sehr steil wird. Aber Eddie kann das.

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Meine Pflegerin von “Betreutes Wandern” am Grat. Gottlob sichert mich mein Hund mit der Leine.
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Unterwegs in steiler Höh, Hollarei Hoiduuliööööö………..
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Na? Is des Cool?
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Rückblick zum bewaldeten Rapoldeck
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Nach drei Stunden haben wir um halb zwölf bei Kaiserwetter den höchsten Punkt am Schrabachauer Kogel erreicht. Und noch ein Punkt war hier erreicht. Jetzt hatten wir an diesem Mugel einen Narren gefressen.
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Einmal ehrlich. Ist das cool?
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Ich hatte ja bei der Anreise davon geredet, daß wir entweder vom Gipfel zurück zum Abstiegsweg auf der Panoramastraße gehen könnten, oder wir überschreiten den ganzen Höhenzug, steigen dann komplett ab und gehen zum Bahnhof in Kleinreifling, um mit der Bahn zurück nach Weyer zu fahren. Dann müssten wir nur mehr den Ort durchqueren, zur Kirche hoch gehen und dann weiter bis ans Ende der Straße, wo unser Auto stehen sollte. Da hatten wir aber noch keine Ahnung, wie weit das wirklich ist. Aber im Grunde machten wir uns gar keine Gedanken. Das wird sich schon irgendwie ergeben, was wir machen, war unsere Devise. Und wie gesagt, jetzt hatten wir an diesem Mugel schon einen Narren gefressen und achteten gar nicht mehr auf viel, außer, daß es jetzt schön ist. Und so gingen wir in dieser schönen Landschaft einfach gen Süden weiter. Irgendwo hört der Berg ja auch einmal auf.
20210405_113601Weiter geht’s, noch immer am Grat entlang, sofern möglich.
20210405_114016Dann wird das Gelände nicht mehr wanderbar und wir müssen ein Stück runter.
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20210405_114028Noch ein schöner Tiefblick
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20210405_114940Hier hätten wir wohl rechts runter müssen, aber durch den tiefen Schnee waren keine Steigspuren zu sehen und es war auch im steilen Gelände, daß ein Stück weiter vorne begann, sehr unangenehm. Drum hab ich dort wieder umgedreht und wir gingen oben weiter.
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Perspektive eines kleinen Hundes.
20210405_120650Das soll angeblich eine Kerze werden, sagt Madam. Für mich Botanik-Niete schaut das mehr nach Salat aus. Plüschsalat.
20210405_120716Wieder oben am Kamm, liegt alles wild kreuz und quer in der Gegend herum. Da hat wohl nicht nur so manche Kettensäge, sondern auch so mancher Sturm gewütet.
20210405_121054Nochmals eine happige Steilstufe. Vor allem, wenn man kurze Beinchen hat.

Das, was da in der Karte 1.25 000 eingezeichnet ist, kann man in der Realität und bei diesen Bedingungen als Anhaltspunkt verwenden, verlassen kann man sich nicht. Wegspuren sind keine sichtbar. Forststraßen tauchen unvermittelt aus dem Nichts auf, als wären sie grade genau vor dir entstanden, um gar nicht weit entfernt wieder im Nichts zu verschwinden. Die Straße, die plötzlich vor dir angefangen hat, endet einfach irgendwo zwischen den Bäumen und du fragst dich, wie das möglich ist. Haben die die Baumaschinen, mit denen diese Wege gemacht wurden, mit dem Hubschrauber eingeflogen? Oder sind die Wege teilweise so alt, daß sie vom Wald “gefressen” wurden?

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Dort, wo der Berg langsam zu Ende geht, finden wir noch ein traumhaftes Plätzchen für die Mittagsrast.
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Ende im Gelände
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Mahlzeit
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Bei dieser Aussicht schmeckt das Essen gleich viel besser.

Weil es rechts vom Kamm, zum Ennstal zu immer sehr steil war oder weiter hinten, wo es nicht so steil war, der Hang sehr tief mit Schnee gefüllt war, zog ich es vor, mich eher links zu halten, denn bei Opentopomap.org hatte ich gesehen, daß es eigentich egal sein müsste, wo man absteigt, man würde immer auf eine Forststraße treffen, die den hinteren Teil des Berges umfasst und die uns irgendwie zur Schwarzkogelhütte führen müsste. Die Frage war, ob diese Karten mit der Realität übereinstimmen. Meine Karte aus Mitte der 90er Jahre zeigt mir, daß wir spätestens beim Sautalriedel runter zur Forststraße mußten, weil dann keine mehr kam, die uns um den Berg herum zum Ausgangspunkt zurückführen würde.

Blöd war nur, daß uns der Kamm, der nun schon schön über uns lag, nochmals zu einem Aufstieg verleitete, um zu sehen, wie der Ausblick von dort ausschaut. Das sind so Anfälle von Neugier, die uns immer wieder überwältigen. Ja, und das war halt so eine Idee, weil wir grade nichts besseres zu tun hatten und weil es auch noch nicht spät war. “Gehen wir da nocheinmal rauf und schauen wir runter”, sagten wir. Es war grade so gegen halb eins, als wir wieder oben am Kamm ankamen und eines der schönsten Plätzchen fanden, die man sich im Ennstal vorstellen kann. Und hier hielten wir eine ordentliche Mittagsrast mit Speck, Käse, Eiern und Brot, und Eddie schnorrte sich wieder eine Cabanossi und stillte seinen Durst. Dann saßen wir dort oben und waren glücklich. Jetzt, hinterher, denke ich, dieser schöne Aussichtsplatz war am Schwarzkogel auf 994m, ziemlich genau am südlichen Ende des Berges. Und im Nachhinein muß ich sagen, gottlob war hier der Berg zu Ende, sonst wären wir wohl in unserer Begeisterung bis Altenmarkt im Ennstal weiter gegangen. Es ist halt so. Wenn wir einmal richtig warm gegangen sind, dann sind wir halt schwer wieder zu bremsen.

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Ein schöner Rückblick auf unseren Wanderweg.

Beim Abstieg von unserem Aussichtsplatz sahen wir auch weiter unten eine Forstraße und ich dachte, daß wäre der Weg, der uns jetzt mit einigen Abzweigungen um den Berg herum zum Ausgangspunkt zurück bringen würde. Das war ein Irrtum. Ich wusste ja noch nicht, daß wir uns bis raus zum Schwarzkogel bewegt hatten. Dazu hätte man ja einmal den Verlauf der Enns neben und unter uns mit der Karte vergleichen müssen, und dazu war noch keine Zeit, weil wir gehen und schauen und fotografieren mussten. Eine Feststellung des Standortes war nicht so wichtig. Außerdem konnten wir ja auch schon sehen, daß hier der Berg zu Ende ging. Aber auf solche Kleinigkeiten hatten wir jetzt nicht mehr geachtet.

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Jetzt wird’s wieder steil.
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Blick durch den Wald ins Ennstal
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Da, ein schönes Stück unten, schimmert die Forstraße zwischen den Baumstämmen durch.
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Noch immer ist alles recht lustig. Es ist auch erst 13 Uhr. Noch fünf Stunden, aber das wissen wir hier noch nicht.

Wir folgen dem Forstweg und bogen bei einer Kehre rechts ab, um einem wesentlich schmälerem Weg zu folgen. Wenn ich jetzt unsere genaue Position gewusst hätte, wäre mir auch klar gewesen, daß dieser Weg in eine Sackgasse führt. Aber wir stiefelten dahin, der Weg ging leicht bergab, dann leicht wieder bergauf und wurde immer schmäler. Links von uns ging es sehr steil in den Wald hinunter, rechts von uns sehr steil bergauf, und wir dachten, zumindest ich dachte, wir wären am richtigen Weg und diese tiefe Rinne, die an uns vorbei führte, wäre die Rinne beim Sautalriedel. Was sich gleich hinter der nächsten Ecke als Irrtum herausstellte. “Dieser Weg wird ja jetzt direkt romantisch!” meinte ich noch eine Kurve zuvor mit einem ungutem Gefühl, als hätte ich eine Vorahnung. Dann bogen wir um ein Eck und der Weg war vor einer Felswand einfach zu Ende. Nur mehr sehr steiles, felsiges Gelände, das nicht begehbar war.

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Der Weg ins Nirvana
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Schöner Ausblick
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Zuerst direkt schon romantisch und immer schmäler, dann “rien ne va plus”
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Das war sie, die saublöde Sackgasse

Jetzt fischte ich die Karte aus der Hosentasche und schaute nach. Aha. Wir befanden uns offenbar genau dort, wo auf der Karte “Hirtner Alm” steht. Da ist eine Sackgasse eingezeichnet. Und wenn dem so ist, dann war auch klar, auf welcher Forstraße wir uns befanden. Wir waren am Weg zu diesem Betonwerk oder was das ist, in der langen Linkskurve bei der Anfahrt zum Kraftwerk, wo ich mit dem Motorrad oft sehr schnell unterwegs war. Ich meine, als ich noch jünger war, vor vielen Jahren. Ist sicher schon verjährt.

Ja, und so folgen wir halt dann zwangsweise der sehr langen Forststraße, kamen an einer recht schönen, direkt feudalen Jagdhütte vorbei, deren Besitzer offenbar grade mit seinem Geländewagen eintraf, und stiegen dann bis zur Bundesstraße ab. Hier, auf dieser Forststraße, hing auch Eddie zum ersten Mal die Zunge heraus, so lange zog sich das dahin.

Und dann standen wir bei der Bundesstraße und schauten etwas ratlos aus der Wäsche. Na klar, es war uns ja egal. Mußte uns auch egal sein. Aber wir fragten uns, wie wir in so kurzer Zeit so weit nach Süden gekommen waren. Wir waren fast beim Kraftwerk! Uns war einfach nicht aufgefallen, wie weit wir schon Richtung Süden gegangen waren. Wir waren diese Strecke, auf der Bundesstraße natürlich, schon öfters zusammen mit dem Motorrad gefahren und wir wussten, wie weit es von hier nach Weyer war. Wir waren echt sprachlos. Dann schaute ich auf die Uhr. “Eine dreiviertel Stunde noch, dann geht aus Kleinreifling ein Zug nach Weyer” sagte ich. “Wenn wir den erwischen, ersparen wir uns einige Kilometer”. Dann stapften wir los. Auf der linken Seite der Bundesstraße am Straßenrand stromabwärts gen Kleinreifling.

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Wir hätten es zweifellos bis zur Abfahrt des Zuges nach Kleinreifling geschafft, aber irgendwie hatte ich plötzlich keinen Bock mehr. Ich hatte keinen Bock, gegen den Fahrplan um die Wette zu laufen. Ich setzte mich an den Straßenrand und zog die Schuhe aus. “Ich mag nicht mehr!” meinte ich trotzig. “Jetzt rasten wir einmal, dann schauen wir auf die Karte und gehen dann zu Fuß zurück zum Auto”. Das war der Plan. Eddie war schon sehr müde, hatte ich beim Abstieg bemerkt. Ich gab ihm das Wasser, daß wir noch hatten, Sonja hat dann auch schon ausgeholfen, dann legte sich Eddie in die Wiese und wir taten es ihm nach. Rasten! Ein Haufen Motorradfahrer fuhren an uns vorbei und ich wünschte mir ein Motorrad, mit dem wir nach Weyer fahren konnten. Oder ein Fahrrad. Wäre auch Recht gewesen. Besser schlecht gefahren als gut gegangen, haben wir beim Bundesheer gelernt. Motorräder hätte ich ja gehabt. Daheim in der Garage. Und ein Fahrrad hätte uns zu dritt nicht geholfen. Pfffffff………..

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Der lange, aber nicht langweilige Weg nach unten.

Aber es nützt ja nichts. Wir mußten weiter, ob wir wollten oder nicht. So stapften wir weiter an Kleinreifling vorbei, bis zum Abzweig “Mooswirt” auf der Karte. Wir folgten einem Wegweiser, der den Weg nach Weyer weisen sollte, bis wir im Wald nicht mehr wussten wo wir genau waren, weil nichts mehr mit der Karte überein stimmte. Wir stiegen dann der Nase nach einen Hang hoch zu einem Gehöft, dann über einen Hang weiter hoch, weil ich dachte, wir müssten ohnehin rüber zum Auto queren. Theoretisch war die Idee gut, in der Praxis allerdings nicht realisierbar, weil ………..Na, die Topographie des Geländes halt etwas anders war als erwartet.

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Ich fahr seit  über 40 Jahre durch Weyer, wenn ich im Ennstal nach Süden fahre. Nach so einer langen Zeit glaubt man, die Gegend zu kennen. In Wahrheit kennt man die Straße, auf der man immer fährt, die Gegend kennt man nicht. Am Hang oben hinter der Kirche folgt Graben auf Graben und Hang auf Hang, und nirgends kann man als Ortsunkundiger einfach queren, weil dort die Flächen von Zäunen eingehegt werden, Gräben oder dicht verwachsene Böschungen das Weiterkommen verhindern. Es ist einfach zum verrückt werden.

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Wir kamen zum Anfang einer Asphaltstraße und ich schaltete das Navi am Mobiltelefon ein. Wo sind wir und wie weit ist es noch bis zum Auto waren die Fragen. Laut Navi waren wir vom Auto noch 75min. entfernt. Dann kam eine Frau des Weges. Ich frug, ob sie wüsste, wo das ist, wo unser Auto steht und erklärte, wo ich es abgestellt hatte. Sie dachte nach, schüttelte dann den Kopf und meinte “Das ist aber noch sehr weit”. Dann sagte sie, wir sollten ihr folgen, ihr Haus wäre gleich da vorne und falls ein Auto daheim steht, dann würde sie uns rüber zu unserem Fahrzeug bringen. Na bumm…….

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Nicht weit von diesem Marterl hat unser Leidensweg durch Weyer ein Ende und freundliche Menschen haben uns mit dem Auto zum Ausgangspunkt zurück gebracht. Herzliches Danke dafür.

Wir folgten der Dame, sie besprach sich offenbar mit ihrem Mann, einem sportlichen Typ, der sich sofort ins Auto setzte und mich rüber zu meinem Fahrzeug brachte. Nachdem wir vorher an einem falschen Platz waren, weil, wie er meinte, “Es führen sehr viele Wege zum Schrabacher Kogel!” Es erzählte mir noch, sie, er und seine Frau, kannten am Anfang ebenfalls nur einen Aufstieg und der war schwer zu finden, weil es kaum oder keine Markierungen gab. Erst über die Jahre lernten sie die Gegen besser kennen und nun wissen sie sehr viele Aufstiegsmöglichkeiten zum Hausberg der Weyerer. Er wartete dann noch, bis ich die Bergschuhe gegen die Halbschuhe getauscht hatte und dann folge ich ihm mit meinem Auto bis zu seinem Haus, wo Sonja und Eddie auf mich warteten. Und nach rund neuneinhalb Stunden war unser Abendteuer “Überschreitung des Schrabachauer Kogels” beendet.

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Unsere Fahrt zum Auto. Das Navi am Mob.Tel. war mit dieser Darstellung aber nicht identisch.

Herzlichen Dank nochmals an die nette Familie, die unseren Wandertag zu so einem schönen Abschluß brachten.
Danke auch an meine gute Fee, die Sonja, die nicht nur immer wieder auf Eddie aufpasst, wenn ich fotografiere, sondern die ihn auch immer wieder mit Cabanossi verwöhnt und die verhindert, daß ich die Wanderungen ohne Stock, ohne Rucksack und ohne Brillen beende, weil ich das alles irgendwo liegen gelassen hätte. Es geht nichts über betreutes Wandern mit einer guten Fee.

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Die Karte zur Tour

Einen schönen Tag noch……………..

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