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6. Juli 2022

2022. 07. 06. Über die Holzriese im Heindlgraben auf den Rainstock 1296m

Filed under: Bergwelten - Wanderungen und Ausflüge — Benzin @ 22:02

Strecke: Gaming Filzmoossattel 525m – Schwarzenberg Forststraße – Haindlgraben bei ca. 600Hm Eingang zur Holzriese – Holzschlag – Gföhlsattel 939m – Gföhler Alm 1110m – Rainstock 1296m – Gföhler Alm 1110m – Gföhler Almspitze 1170m – Gföhlsattel 939m – Forststraße durch den Bichlwald – Filzmoossattel 525m
Wegstrecke rund 16.5km
Dauer mit allen Pausen: rund 7 Stunden 30 Minunten

Mittwoch, 19. November 2003

Diese heutige Tour durch den Heindlgraben hat eine Vorgeschichte, die ins Jahr 2003 zurück reicht:
“Rund um den Naskogel” steht in meinem Tourenbuch. Ich hatte das Auto am Filzmoossattel (Pkt. 525) abgestellt und war unterwegs zum Heindlgraben, um den Weg bei der Holzriese zu suchen. Auf die Idee mit der Holzriese kam ich durch den Wanderführer “Wandererlebnis Ötscher – Baumgartner/Tippelt” aus dem Jahr 1998. Ich hatte alle Wanderführer unserer engeren und weiteren Umgebung inklusive alter Alpenvereinsbücher aus der Jahrhundertwende (19. zum 20. Jahrhundert) massenhaft angesammelt und las dies alles mit Genuß. Und dadurch kam ich immer wieder auf Ideen, auf die ich ohne diese Bücher nie gekommen wäre. Insgesamt haben sich, Literatur über Höhenbergsteigen inbegriffen, fast 500 Bände angesammelt, die eine ganze Wand füllen. Werner Tippelt, Autor der (modernen) Ötscherbibel und weiterer Werke, war immer ein Garant für interessante Unternehmungen und als ich las, daß es im Raum Gaming diese alte Holzriese gäbe (die mich wiederum durch die Bücher übers Reichraminger Hintergebirge interessierte) und einen Steig dazu, wollte ich das sehen.

“Links dem Forstweg folgend bis zur Brücke beim Heindlgraben dann am linken Hang (orographisch rechts – ha – ha – ha ) einer undeutlichen Wegspur folgend bis zu einem Felsen. Dort, so glaube ich, hat der Tippelt geschrieben, soll man rauf, um den Naskogel zu ersteigen. Nur, viel Laub, naß und dadurch weicher Dreck. Nein, da rutsche ich zu viel. Habe nur die Turnschuhe mit dem Stollenprofil an. Weiter im Graben rauf – Bäume liegen hier kreuz und quer wild umher. Bei einem Felsen, eine ca. 3m hohe Stufe, ist Schluß. Nur auf der steilen, schmierigen Leitn zu umgehen. Na ja, umdrehen. Runter zur Brücke.”

Ich wollte da direkt über den Waldgrat zum Naskogel rauf und schauen, ob ich die Hütte finde, die bei “Holzschlag” in der Karte eingezeichnet ist. Nachdem ich bei der Felsstufe angestanden bin, hab ich den ganzen Naskogel mitsamt dem Wieskogel im Uhrzeigersinn umrundet und bin dann von oben zur Hütte bei Hochschlag gekommen.

“Weiter auf Forststraße, bei Abzweig rechts und über zwei Kehren rauf über die Schlaglmäuer. Sehr schöne Ausblicke zu den Tormäuern, auf den Urmannsberg und nach Gaming. Dann immer rechts haltend um den Wieskogel bis Holzschlag. Dort ist rechts eine Jagdhütte. Links vorbei an dieser, in einen Graben absteigen und unten einem alten Steig entlang einer verfallenen Holzriese in zt. sehr steilem Gelände nach unten. Hier ist der Heindlgraben sehr steil und teif. Alte Eisensicherungen im Fels und Drahtgeländer oder so. Toller Abschnitt. Unten angelangt auf Forststraße direkt zum Auto. Tolles Gelände im Heindlgraben. Ca. 3 Std.”

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Das war am 19. November 2003 meine erste Begegnung mit der alten Holzriese im Heindlgraben bei Gaming.

Im August 2021 bin ich im weltweiten Web beim Stöbern auf ein Foto einer Pyramide gestoßen, die sich am Nebengipfel eines Berges in der Gegend von Hollenstein befinden sollte. “Eine Steinpyramide auf einem Gipfel bei Hollenstein?” fragte ich mich, hab aber schnell herausgefunden, worum es sich handelte. Und so hab ich erfahren, was der Hegerberg ist, an dem ich in meinem Leben was weiß ich wie oft mit Auto und Motorrad vorbeigefahren bin und daß es da oben einen Nebengipfel gibt, der sich Kühlhauskopf nennt und auf dem sich tatsächlich eine steinerne Pyramide befindet. Und auch den Grund dafür hab ich herausgefunden. Dann war ich natürlich nicht mehr zu halten und wollte das mit eigenen Augen sehen und mit eigenen Händen berühren. Am 27. August 2021 bin ich mit Sonja und Eddie auf den 1343m hohen Kühlhauskopf gestiegen und hab mir die Pyramide angeschaut. Bei den Gesprächen, die sich durch diese Besteigung ergaben, ist mir die alte Holzriese in Gaming wieder eingefallen und ich hab mit Sonja ausgemacht, daß wir ihr bei passender Gelegenheit einen Besuch abstatten.

Nachdem das Wetter in den letzten Tagen recht unstabil war, beschlossen wir, auf die Suche nach der alten Holzriese zu gehen. Eigentlich hätte ich nicht suchen müssen. Ich wusste, wo sie ist. Aber wie vor zwanzig Jahren wurde trotzdem eine Suche draus, und es war eine lustige Suche.

4. Juli 2022

Gegen 10 Uhr fahren wir nach Gaming und um 10:20 Uhr sind wir am Filzmoossattel und abmarschbereit. Da das ja keine Tour, sondern nur eine Erkundung werden soll, hab ich zwei Halbliterflaschen Wasser mitgenommen, eine für Eddie und eine für mich. Und in der Tasche, die ich mir über die Schulter hängte, hatte ich noch sicherheitshalber eine GoreTex Jacke. Sonst nix. Sonja hatte ihren Rucksack dabei.

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10:20 Uhr. Wir stehen in Fahrtrichtung, aus der wir gekommen sind, am linken Parkplatz und müssen daher auf den rechten Parkplatz herüber wechseln, der auch als Holzladeplatz verwendet wird, und da ich mich ja auskenne, stapfen wir sofort auf der Foststraße in den Bichlwald und zur zweiten Kehre, wo der Steig zur Holzriese beginnt.

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Im Zuge der langen Querung, die uns zur ersten Linkskehre bringt, kommen wir an diesem Abzweig mit Schild vorbei. “Gaming” steht drauf, nach rechts abbiegen.

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Nach der langen Querung bietet sich uns an der ersten Linkskehre ein wunderbarer Ausblick auf Gaming und den Zürnerberg. Mir kommen zwar erste Zweifel, aber noch fällt mir nicht auf, daß man aus der Straße, auf der wir sein sollten, nie und nimmer auf Gaming und auf den Zürner schauen kann!

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10:55 Uhr. Wir sind an der ersten Rechtskehre. Hier beginnt der Steig zur Holzriese (ja, ne, ist klar). Irgendwie hatte ich das zwar anders in Erinnerung, aber ja, mein Gott. Inzwischen sind zwanzig Jahre vergangen, da kann sich eine Menge ändern. In zwanzig Jahren kann sogar ein breiter Weg schrumpfen. Alles ist möglich.

Wir, also ich, Sonja und Eddie, kriechen da rein und schauen uns um. Irgendwie ist das alles ganz anders, als ich das in Erinnerung hab. Gleich am Eingang dieses Weges eine steile, nasse, mit Baumstämmen und Zeug überzogene, sehr steile Leiten, in der ich mir im ersten Moment kein Weiterkommen vorstellen kann. “Da muß ein Erdrutsch oder sowas alles verschüttet haben, denk ich mir”, aber Sonja ist so neugierig, und wir sind ja jetzt hier, daß wir einfach weiter suchen nach einer Mögichkeit, wenigstens die ersten Meter irgendwie zu überwinden. Wir krabbeln da rein, queren den Hang ein Stück, kriechen dann auf allen vieren über einen dicken, modrigen, nassen Baumstamm von dem ich Angst hab, daß der abreißt und mit uns in die Tiefe stürzt, dann tasten wir uns vorsichtig weiter hoch und nach links. Nach wenigen Minuten schau ich aus wie Sau, aber schon bald danach wird die Sache angenehmer, denn wir erreichen eine Abbruchkante. Links fällt der Hang äußerst steil in die Tiefe, rechts ist die Steigung relativ moderat und jetzt sind sogar Steigspuren zu erkennen. Aber nicht nur das.

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Da sind Markierungen an Bäumen und Grenzsteine. Wir haben keine Ahnung, was diese Markierungen hier markieren oder was die Grenzsteine bedeuten, aber wir steigen diesen Spuren menschlicher Zivilisation neugierig nach und finden immer Bemerkenswerteres. Ein Baumstamm ist ganz klar mit Absicht an der Abbruchkante als Abstützung in die Stümpfe umgeschnittener Bäume geklemmt worden und einmal sind dünnere Stämme sogar als Aufstiegshilfen treppenartig platziert worden. Das beginnt uns zu gefallen und ich frag mich jetzt, wo den da die Holzriese hingekommen ist? Wir schauen links in den Abgrund, können aber nichts Riesartiges erkennen.

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Diese Geländeformation kann man auf der Karte sogar erkennen und es gefällt uns hier, nur von einer Holzriese ist weit und breit nichts zu sehen und ich hab auch schon einen Verdacht, den ich sogar begründen kann. “Wir sind auf der falschen Straße! Das ist die serpentinenreiche Straße, an der auch die Kartäuserhöhle liegt und auf der ich schon zumindest einmal gegangen bin, lang, lang ist es her. Wenn es hier eine Holzriese gibt, dann müsste das schon mit dem Teufel zugehen!”
Ja, ich bin mir sicher, wir sind hier komplett falsch. Trotzdem finden wir das hier jetzt lustig und wollen weiter.

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Das ist nicht immer ganz so einfach.

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Noch so ein Grenzstein oder was immer das ist.

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“Ja leck mich doch am Arsch” entfährt es mir bei diesem Anblick. “Ich glaub, ich weiß, was das ist!” Sonja nickt. Auch sie kann sich schon denken, was das ist. Es ist der Rand einer Kehre, und zwar einer Kehre der Forststraße, auf der wir vorhin ins Dickicht abgebogen sind. Wir sind genau eine Rechtskehre weiter heroben aus dem Busch gebrochen und so, wie wir dreckig sind, müssen wir froh sein, wenn da kein Jäger daher kommt und uns mit einer Sau verwechselt. Mein Eddie ist kaum noch als Yorkie zu erkennen. Irgendwie hatte ich heute schon einige Male das Gefühl, daß sich Eddie, wenn er uns anschaute dachte “Irgendwie werden die Zwei in letzter Zeit immer seltsamer. Wir krabbeln nur mehr im Dreck herum!”

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Netter Ausblick ungefähr so wie eine Etage weiter unten.

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Hier beim Hochstand hab ich einmal auf der Karte nachgeschaut, wo wir da genau sind und stellte fest, wir befinden uns zwischen Schwarzenberg 1049m und Kappenkogel 1001m. Daß der Kappenkogel ein knapper Tausender ist, wussten wir da nicht, weil das nicht auf meiner Karte vermerkt ist, aber weil er grade da war und uns nix besseres eingefallen ist – wir waren hier ja sowieso falsch – haben wir ihn bestiegen. Wobei Besteigung ein etwas hochtrabender Begriff ist für das, was wir  da tun mußten, um da rauf zu kommen. Eigentlich hat der Kappenkogel nur wie ein großer, grasiger Mugel ausgeschaut, nur daß sich das Kraut an seinen Hängen als brusthohe Brennnesseln herausstellten, teilweise mit Dornen durchsetzt. Noch am nächsten Tag haben mich meine Arme gejuckt. Aber wir waren oben!

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Gipfel Kappenkogel 1001m

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Besonders toll ist, wenn du weißt, du mußt da durch die Brennnessel wieder runter und noch toller war, daß es mir beim Raufsteigen eine Stich im rechten Knie gegeben hat, daß ich im ersten Moment dachte, der Tag ist gelaufen. Sonja hat mir dann einen Kniestrumpf gegeben, den ich über die Hose gezogen hab und der im restlichen Verlauf der Erkundung mein Knie unterstützt hat. Danke Sonja.

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Es gab am Kappenkogel aber nicht nur Brennnessel

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Wir sind dann bis zu dieser Hütte gelatscht, fanden auch den Abzweig ins Ebertal, aber den Abzweig nach Schlag, den fanden wir nicht. Irgendwie hatte ich da abgeschaltet und mir kam alles nur mehr spanisch vor. War es der Schmerz im Knie oder Wassermangel, weil meine bescheidenen Flüssigkeitsvorräte zur Neige gingen? Ich weiß es nicht. Ich wollte da wieder runter, weil wir von hier aus die Holzriese sowieso nie finden! Basta! Und außerdem hatte ich Durst, als hätte ich die Sahara durchquert. Ein paar hundert Meter hätten gefehlt, dann wären wir am richtigen Platz gewesen, aber da war an diesem Tag nix mehr zu machen.

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Am Weg nach unten nochmals ein wunderschöner Ausblick auf Gaming und Zürnerberg.

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Wir sind dann der Foststraße wieder ganz nach unten zum Parkplatz gefolgt, haben noch den kleinen Steinbruch, der auf der Karte neben der Straße eingezeichnet ist, erkundet und sind dann auf der Forststraße, ich meine jetzt auf der richtigen Forststraße, zum Schwarzenberg bzw. zur ersten Rechtskehre aufgestiegen, und dort haben wir dann den Eingang zur verfallenen Holzriese des Heindlgraben gefunden.

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Grade als wir bei Zusammenpacken waren und zur Tankstelle nach Gaming aufbrechen wollten, um uns zu stärken (ich hätte nicht einmal mehr einen grünen Politiker anspucken können, so ausgetrocknet war ich) ist uns noch diese Sitzgarnitur aufgefallen, und ich hab mich gefragt “Wie lange ist hier schon keiner mehr gesessen?” Und nach der Stärkung in Gaming, bei der Heimfahrt, haben wir uns gefragt, “Wann werden wir die Holzriese im Heindlgraben bei Gaming nun wirklich besuchen?” Dann haben wir uns ausgemacht, daß wir am Mittwoch um halb sieben wieder zurück kommen und dann die richtige Straße nehmen. Und es sollte gut so sein.

6. Juli 2022

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6:10 Uhr Neuhofner Hochkogel, Blickrichtung Ötscher. Ein schöner Tag kündigt sich an. Wir sind mit zwei Autos unterwegs. Ich, Sonja und Eddie sowie Fred, der uns begleitet. Drei Erwachsene, ein Hund und drei Rucksäcke haben in meinem kleinen Opel keinen Platz. Wir sind mit Fred schon einige schöne Motorradtouren gefahren und wir kennen uns genau genommen seit Jahrzehnten, aber wir haben noch nie zusammen eine Bergtour gemacht. Als ich ihm von der Holzriese in Gaming erzählte, zeigte er Interesse und dann kam es halt so, daß wir die Tour zusammen starteten.

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Unser Startpunkt ist der Filzmoossattel in der Urmannsau – Haindlgraben – Holzschlag – Rainstock

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7:08 Uhr Parkplatz Filzmoossattel. Wir sind vorher noch zur Tankstelle gefahren, um einen Kaffee zu trinken und daher wurde es etwas später, als geplant. Spielt aber keine Rolle. So eine riesige Tour soll das heute nicht werden. Wenn wir die Holzriese gleich finden und alles passt, könnten wir, vielleicht, noch auf den Rainstock steigen. Das müssen wir aber noch sehen. Sicher ist das nicht. Wir sind gut aufgelegt und starten los.

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Wir müssen wieder auf die anders Staßenseite und gehen dort gleich in die Forststraße zur Linken und nicht zur Rechten. Das hatten wir ja erst vorgestern.

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Beim ersten Abzweig folgen wir rechts einer etwas verwachseneren Forststraße bis zur ersten Rechtskehre in die Hänge des Schwarzenberg.

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7:26 Uhr. Der Eingang zum Steig in den Heindlgraben ist breit und schaut gut besucht aus. Ich kenn das zwar noch von vorgestern, aber wie das vor 20 Jahren ausgeschaut hat, daran kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern und Fotoapparat hatte ich damals offenbar nicht mit. Also keine Bilder von damals, nur die Erinnerung.

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Der Steig wir sehr rasch schmäler. Rechts ist das Gelände felsig, links ein nicht all zu steiler Abbruch und ein paar Meter unter uns die Trasse der ehemaligen Holzriese. Ich weiß nicht, wie viele heute noch wissen, was eine Holzriese ist oder war, wie sie beschaffen war und wozu sie diente. Ich hab, wie schon einmal gesagt, sehr viel über die Holzbringung in den letzten beiden Jahrhunderten gelesen, vor allem im Reichraminger Hintergebirge, hab viele alte Aufnahmen (ja, die Fotografie ist eine alte Technik!) gesehen und stell mir bei Holzbringung immer diesen unglaublichen Arbeitsaufwand vor, der damals getrieben werden mußte, um ans Holz aus den Wäldern zu kommen. Du mußt die Arbeiter, das Werkzeug, die Verpflegung, alles, was sie hier brauchen, her bringen, Wege schaffen, die den Bau der technischen Anlage erst ermöglichen und dann in ausgeklügelter Weise die Rutsche bauen, daß das Holz auch wirklich unten ankommt und sich nicht irgendwo dazwischen verspreizt und verkeilt und nicht mehr vorwärts will. Dem Ideenreichtum der Männer (es waren in der Regel immer Männer, die das erdachten und die das durchzogen, niemals Frauen!), die das alles erdachten und dem Fleiß und Schweiß der Männer, die das verwirklichten, haben wir in nicht geringer Weise unseren heutigen Wohlstand zu verdanken. Sie waren es, die das zu schmiedenden Eisen der Hammerwerke zum Glühen brachten und sie waren es, die die Kessel der Dampfmaschinen befeuerten. Sie waren es, die den Weg ins Heute bereiteten mit unserer Technik, mit unserem Komfort und mit unserem Wohlstand. Es waren nicht die Grünen, die noch nie etwas geschaffen haben, sondern nur zerstören wollen. Es waren Männer wie die, die diese Holzriese erdachten und erbauten. Und jetzt geh ma!

Ich bin hierher nicht mit leeren Händen oder nur mit einer Landkarte aufgebrochen, sondern ich hatte einen Ausdruck eines Artikels mitgebracht, den ich im weltweiten Web fand. Da steht zwar nicht viel drauf, aber man hat Anhaltspunkte. Mehr hab ich in diesem Fall leider nicht.

Artikel in HKM 5/1999:

Objekte bei der ehemaligen Holzriese im Heindlgraben (Katastergruppe 1824)

von Reinhard und Walter Fischer

Der Heindlgraben, in älteren Ausgaben der ÖK 50/72 auch als Hendlgraben bezeichnet, liegt rund 2 km südlich von Kienberg bzw. 2,5 km östlich von Gaming und entwässert die Gföhler Alm nach Norden. Westlich vom Heindlgraben erhebt sich der Schwarzenberg (1049 m), östlich der Naskogel (899 m). An der orographisch linken (westlichen) Grabenseite zeugen Reste einer aufwendigen Holzriese von der wirtschaftlichen Bedeutung der Holzbringung in dieser Region in früherer Zeit. Neben den zwei Kleinhöhlen, die im folgenden beschrieben werden, wurde von den Verfassern auch ein Stollen vermessen, der ebenfalls zur Holzbringung erforderlich gewesen war.
Man erreicht die Objekte am besten vom zwischen Gaming und der Urmannsau gelegenen Filzmoossattel (525 m). Die ostsüdöstlich ansetzende Steinwandstraße ein kurzes Stück verfolgend, erreicht man die rechterhand abzweigende Braunschlagstraße (ÖBF), die den Nordhang des Schwarzenberges durchzieht. Von der zweiten Kehre leitet ein in der ÖK eingezeichneter Fußweg in den Heindlgraben und führt an der orographisch linken Grabenseite, immer etwas oberhalb der Holzriese hinauf zum "Holzschlag", einer Lichtung mit Hütte (ca. 840 m). In etwa 650 m Seehöhe zweigt linkerhand ein Steiglein ab, das direkt zum Einstieg a) des
Holzriese-Stollens (K1824/1 ab, Sh 640 m, L 32 m, H 8 m) führt.
Der anfangs 4 m hohe Stollen führt mit durchschnittlich 2 m Breite geradlinig in annähernd nördliche Richtung zum Eingang b) abwärts. Im Mittelteil nimmt die Raumhöhe bis auf 1,5 m ab, um danach wieder bis auf 3 m anzusteigen. Der Boden besteht aus Schuttmaterial, im Mittelteil an einer Stelle auch aus Holzpfosten. Im Bereich der Eingänge befinden sich an der Raumbegrenzung 1,5 m hohe Holzbrüstungen aus mächtigem, bis 7 m langem Rundholz. Die Vermessung durch die Verfasser erfolgte am 7.12.1998.
Den Steig zum "Holzschlag" weiterverfolgend, erreicht man rechts oberhalb befindliche Felsbildungen. In einer pfeilerartigen Felsformation, 30 Höhenmeter über dem Steig befindet sich die
Heindlgrabenfuge (1824/70 ab, Sh 730 m, L 9 m, H +2 m).
Vom bis 2 m hohen und 6 m breiten, am Fuß der Nordwestseite des Pfeilers befindlichen Eingang a) führt eine Strecke bei abnehmender Raumhöhe über kleine Felsstufen aufwärts in eine niedere Kammer mit Schuttboden. Von hier zieht eine durchschnittlich 0,3 m hohe und 2 m breite Schichtfuge in östliche Richtung zum 1 m hohen Eingang b) abwärts.
Von der Ostseite des Pfeilers kann man wieder zum Fußweg absteigen, der im weiteren, teilweise mit alten Drahtseilen versichert, ausgesetzt durch felsiges Gelände aufwärts führt. In etwa 790 m Seehöhe verflacht sich das Gelände etwas, und es wird möglich, die Holzriese überquerend, rund 30 Höhenmeter zur Grabensohle abzusteigen. An der orographisch rechten Grabenseite, nur wenige Meter oberhalb der Tiefenlinie liegt am Fuß von Felsbildungen die
Heindlgrabenhöhle (1824/71, Sh 760 m, L 12 m, H 4 m).
In der Nordostecke einer 10 m breiten, bis 5 m hohen und 4,5 m tiefen, westschauenden Halbhöhle setzt ein anfangs Schlüssellochprofil aufweisender, 2,5 m hoher und 1 m breiter Gang an. Nach einer 1 m hohen Stufe verjüngt sich die Strecke auf 1 m Raumhöhe und endet nach 5 m. Der Boden besteht in der Halbhöhle überwiegend aus Laub und Sedimenten, im Gangstück zuerst aus Blockwerk, oberhalb der Stufe aus Schutt und Sedimenten. Am Vermessungstag, den 29.11.1998 schmückten imposante, bis 3 m lange Eisstalaktiten die Trauflinie.

Quelle

Der oben wiedergegebene Artikel beinhaltet leider keine Jahreszahlen zur Holzriese. Andere Artikel über diese Holzriese sind mir unbekannt, ich weiß also nichts über die Zeit, in der dieses Bauwerk hier entstand und betrieben wurde. Hilfreich waren allerdings die Höhenangaben. Auf 650m zweigt links ein Steig ab…………..

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650m Seehöhe, das ist gar nicht so weit vom Anfang des Steiges entfernt und wir finden ihn auch recht einfach. Übrigens wäre der Stollen auch ohne Beschreibung mit etwas Aufmerksamkeit zu finden gewesen.

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7:34 Uhr. Dieser auffällige Graben, die Trasse der Riese und ihre Unterbrechung, die keine Verschüttung ist, müssten einem aufmerksamen Wanderer auch ohne Beschreibung vom Weg oben ins Auge stechen. Wir folgen dem nicht all zu steil abfallendem Pfad und sehen dann den bergseitigen (höher gelegenen) Eingang. Sofort legen wir unsere Rucksäcke ab, Fred wird (vorerst) zum Wachdienst für Eddie abkommandiert und ich steig mit Sonja, jeweils mit Stirnlampen bewaffnet, in die Unterwelt.

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Und schon sind wir auf der anderen Seite (talseitig) des Stollen. Unterm Waldboden ist massiver Fels, der sich hier offenbar nicht so einfach aus dem Weg räumen ließ, und daher mußte man einen Stollen durch den Fels hindurch graben. Jetzt hätte ich gerne eine Zeitmaschine.

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Als nächstes verschwinden Sonja und Fred im Stollen und ich bleib bei Eddie.
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Weiter geht’s mit unserer Wanderung. Man sieht schön, daß sich jemand um den Weg kümmert. Die umgefallenen Bäume sind hier noch gut ausgeschnitten und ermöglichen ein problemloses Vorwärtskommen.

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Die Trasse der Riese dient als Auffangbecken für alles, was am Hang umfällt.

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Das sollten die Felsen sein, in denen sich die sogenannte Heindlgrabenfuge befindet. Wir haben uns einen Platz gesucht, an dem wir gefahrlos (Steinschlag!) Unterstand (für Gepäck) fanden und sind dann etwas da droben herum geklettert. Wirklich gefunden haben wir ……

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… nur das da. Dieser Spalt reicht einige Meter hinein, soweit man das von hier beurteilen kann. Für weitere Erkundungen hätten wir allerdings mit Umwegen auf die andere Seite des Pfeilers krabbeln müssen, sonst wäre die Absturzgefahr zu groß gewesen. Diese Formationen befinden sich einige Meter über dem Weg, das Gelände ist nicht all zu fest und rutschig.

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Wir gehen weiter und steigen immer höher und höher. Der Weg ist schmal, aber das Gelände links von uns ist nicht all zu steil.

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Das ändert sich mit zunehmender Höhe. Das Gelände wird felsiger, der Weg wird zu einer Rampe und der Hang links neben uns wir stetig immer steiler und steiler, während der Abgrund immer tiefer und tiefer wird.

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Den optischen Eindruck, den man hier gewinnt, kann kein Bild wiedergeben. Hier heroben denkt man sich immer wieder, “Wenn du hier ausrutscht, bist du im Eimer!” In wesentlich ausgesetzterem Gelände im Fels hatte ich nie dieses schaurige Gefühl wie hier im Wald.

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Waldorf, Statler & Gonzo

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Es wird noch ein wenig schmaler….

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aber keine Sorge, es gibt tolle Sicherungen hier. Daran konnte ich mich noch gut erinnern.

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Die stecken noch heute bumfest im Fels, da wackelt nix.

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Auch daran konnte ich mich noch erinnern.

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Der kleine Kerl wohnt hier.

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Zum Abschluß noch ein paar Sicherungen……….

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dann sind wir aus dem steilen, felsigen Gelände heraußen. Ab jetzt wird es mühsam.

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So weit wollte die Motorsäge offenbar noch keiner tragen.

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Das ist noch harmlos.

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Hier bildet sich ein Stau………..

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So geht das eine ganze Weile. Rucksack abschnallen, unten durch oder, sofern möglich, oben drüber. So sind wir über eine schöne Strecke immer beschäftigt. Dreckig sind wir sowieso schon, also egal.

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Jetzt kommt uns der Grund des Heindlgrabens plötzlich mitsamt dem Bächlein (Heindlgrabenbach, der nicht weit von hier in die Erlauf fließt) entgegen und im weiteren Verlauf wird dieser Talgrund unser Steig nach oben zum Holzschlag.

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Aus einer felsigen Schlucht wird Dschungel.

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Klares Wasser zu unseren Füßen

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8:58 Uhr. Wir sind durch und sitzen in der Wiese bei Holzschlag. Nur die Jagdhütte, die ich vor 20 Jahren gesehen hab, die steht hier nicht. Weit können wir nicht davon entfernt sein, denke ich. Aber wir suchen gar nicht. Wir haben hier und jetzt entschieden, daß wir nach diesem schönen Ausflug in die Vergangenheit zum Rainstock hoch steigen und dann auch noch die Gföhler Almspitze mitnehmen. Weil wir grade da sind.

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Da spazieren wir auf der Forststraße von der frisch gemähten Wiese bei Holzschlag zum Gföhlsattel.

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Genau hier waren wir vorgestern auch, dann haben wir umgedreht. Ein Stück weiter nur, dann………, aber was. Ist doch wurscht. Wären wir heute nicht hier. (Der Weg aus dem Ebertal hierher ist auch nicht zu verachten)

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Da geht’s jetzt rauf zur Gföhler Alm.

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Das steht auf diesem Schild.

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Ist das schön!

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He du, sag nicht mu zu mir!

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Die sind jung und beachten Eddie gar nicht. Fressen ist wichtiger.

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Die Gföhler Alm

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Wir haben nicht mehr weit. Keine 200 Höhenmeter.

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Der Rainstock ist ein Blumenberg.

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10:45 Uhr. Gipfel Rainstock 1296m. Dieses Gipfelkreuz am Baum wird das Gipfelkreuz bleiben, so viele Gipfelkreuze aus Eisen können die gar nicht auf die Wiese stellen.

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Fred was here………

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Der Ötscher im Südosten

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Pop Art Gipfelkreuz

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Pffff………….

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In Original sieht man hier zum Buchstein und ins Gesäuse.

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Hinterm Fred ist der Stierhaltkogel und das Reit-Ahorn.

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Wir gehen grad wieder zur Gföhler Alm runter und kommen an diesem schönen Hochstand vorbei.

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Blick zur Gföhler Almspitze. Mit 1170m erhebt sich dieser bewaldete Mugel nur 60m über die Gföhler Alm. Hinten auf der anderen Seite fällt sie (die Gföhler Almspitze) gut 200m mit einem scharfen, felsigen, bewaldeten und wunderschönen Grat Richtung Gföhlsattel ab.

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Wir gehen bis ans Ende der Wiese, wo sich im Kraut und Holz ein schöner, runder aber recht verwachsener Kamm versteckt, dem wir zum höchsten Punkt folgen. Am Verlauf dieses versteckten Kammes finden wir solche markierten Steine. Dürfte sich um Steine einer Reviergrenze handeln.

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Das hier ist noch relativ harmlos.

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Neben uns fällt das Gelände hier sehr steil ab. Glaub man gar nicht, wenn man diesen runden Mugel von der Alm aus sieht.

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Ein Männlein steht im Walde, ganz ………

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Wir sind noch immer auf diesem runden, unscheinbaren Mugel zum höchsten Punkt unterwegs.

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Gipfel Gföhler Almspitze 1170m

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Gleich neben uns ist ein Baum mit einer Markierung. Diese spärlichen Zeichen und Wegspuren, die alt, aber deutlich sind, zeigen uns den Weg über den steilen Grat nach unten.

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“Wandle ich auch im finsteren Tal, so fürchte ich mich nicht, denn ich bin der schrecklichste hier”. Ich weiß nicht mehr, steht das in der Bibel oder in einem Buch vom Krieg in Vietnam? Na, egal.

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Der da gehört einmal richtig gereinigt, damit man sieht, was da wirklich drauf steht. Sonst nehm ich ihn das nächste Mal mit nach Hause.

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Los geht’s nach unten.

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Da ist wieder eine alte, blasse Markierung am Baum. Das beruhigt ein wenig die Nerven. Links und rechts ist es sehr steil, vorne kommt hoffentlich kein senkrechter Abbruch, sonst sind wir im Arsch.

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Eigentlich ist der Grat sehr, sehr schön, nur ist halt da immer ein bissl Ungewissheit über den weiteren Verlauf, wenn man den Hang nicht kennt.

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Erinnert ein wenig an der Waldgrat vom Dreiecker runter.

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Da müsste sich noch der Eddie dazu stellen, dann wäre das Kasperltheater fertig. Ist immer recht unterhaltsam mit denen.

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Rundumsicherung.

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Schwarzenberg voraus. Mit 1049m wäre auch der ein Tausender, aber ich hab heute keinen Bock mehr drauf.

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Auch hier ein wenig Gestrüpp, aber nicht schlimm. Der Weg da runter wird jedenfalls mit Sicherheit nicht mehr häufig begangen.

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Jetzt kann praktisch nix mehr passieren. Da unten ist die Forststraße vorm Gföhlersattel. Aber genau jetzt, weil wir da grad rasten, packt Fred noch einmal die Trickkiste aus.

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Der hat Pfirsich mit! So fressen wir am Schlußstück des Waldgrat vom Gföhler Almspitz jeder einen Pfirsich. Mahlzeit. Danke Fred. Immer für Überraschungen gut.

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Im weiteren Verlauf unseres Weges kommen wir wieder, wie vorgestern, beim Kappenkogel vorbei und wollen Fred aufstacheln, den Brennnesselhügel zu besteigen. Er lehnt aber entschieden ab.

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Noch einmal liegt uns Gaming zu Füßen.

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14:34 Uhr. Nach rund siebeneinhalb Stunden und knapp unter siebzehn Kilometer sind wir wieder am Parkplatz. Das Wetter war toll, angenehm kühl am Morgen und nicht zu warm unter Tags, die Begleitung unterhaltsam und die Wanderung wunderschön. Dann auf ein neues und bis zum nächsten Mal.

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Das ist die Karte, mit der ich schon vor 20 Jahren unterwegs war. Schaut auch dementsprechend aus, aber funzt noch immer. Keine Kabelschäden, keine Update-Schwierigkeiten, kein Stromausfall.

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Bei opentopomap ist der alte Steig über die Gföhler Almspitze noch eingezeichnet, der Steig durch den Hendlgraben nicht.

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Weil der Fred eine top Ausrüstung mit hatte, kann ich heute ausnahmsweise sogar ein paar verschiedene Arten der graphischen Darstellung der Strecke, des Geländes und des Profils zeigen. Danke Fred. Hier der Track auf einer topographischen Karte

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Und hier mit Höhenprofil. Ist ganz lustig, das hinterher so zu sehen.

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