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4. August 2010

Militärluftfahrt-Ausstellung Hangar 8 in Zeltweg

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20100803_zeltweg_ausstellung_milluftfahrt_03_2 Das Fliegerass:
„Guten Morgen, Sir“, sagt der Wachposten, als ich an der Schranke halte. „Freut mich, dass 20100803_zeltweg_ausstellung_milluftfahrt_07sie wieder einmal hier bei uns sind“. Ich steck ihm eine meiner dicken Havannas zu, die sofort in einer Uniformtasche verschwindet. „Danke, Sir. Und viel Spaß noch!“ Spaß werde ich heute wohl haben, denke ich, während ich zum Hangar 8 fahr´. In meinen Privatgemächern (eines der Privilegien eines Fliegerasses) zieh ich mich gemütlich um, dann stapf ich zum Hangartor. Auch hier wünscht man mir zackig einen guten Morgen. „Sir, nehmen sie heute die Rote, oder die Schwarze?“, fragt der Diensthabende. „Hm, weiß auch nicht so genau. In den Wölzer Bergen regnet es, da wird die Schwarze wieder recht schmuddelig aussehen, wenn ich zurück bin. Ich nehm´ die Rote!“ Dachte ich mir, Sir“, meint der Vize. „Sie ist betankt, durchgecheckt und startklar“. Mein guter Vize. Immer ist alles bestens vorbereitet. Ich würde wetten, dass auch die Schwarze betankt und startklar ist.

Kaum hat mich die Crew angeschnallt, höre ich ein Knacken im Funk. „Eagle One, der Luftraum gehört ihnen“. „Oh“, entfährt es mir, „ihr seid aber fix“. „Wie immer, Sir. Wir haben sie ja reinfahren gesehen“. Meine Jungs. Auf die ist Verlass. „Danke, dann werf ich jetzt das Triebwerk an“. „Viel Spaß, Sir“. „Ja, werd´ ich bestimmt haben“. Langsam roll ich zur Startbahn, tipp kurz in die Bremsen, dann Schub. Volle Pulle, mit Nachbrenner. GEIL!

20100803_zeltweg_ausstellung_milluftfahrt_09Am 15. Februar 1958 startete die erste Maschine der Saab J35 A Draken Serie zum Jungfernflug. 1960, also im Jahr meiner Geburt, wurde sie in Dienst gestellt. 606 Stück wurden gebaut, bevor die Saab J37 Viggen den Drachen ablöste. Von 1987 bis 2005 schützten 24 Saab J35OE Draken den Österreichischen Luftraum. Nun sind sie Museumsstücke.

Böse fauchend beschleunigt die Kiste bis zur Startgeschwindigkeit, dann zieh ich den Knüppel nach hinten und steig fast senkrecht in den Himmel. „Yeeeaaaa……“, schrei ich vor Begeisterung. Ein wohliger Schauer durchläuft meinen Körper. Das ist Leben! Brutal reiss ich den Ofen auf den Rücken und im nächsten Augenblick mit einer halben Rolle in Normallage. Das rockt! 20100803_zeltweg_ausstellung_milluftfahrt_10

„Eagle One, hier Viper. Fliegen wir zum Sölkpass?“ „Herrgott sakra, wo kommst du den her?“, frag ich im Funk. „Ach, ich hörte, dass du in der Luft bist. Und da ich gerade in der Nähe war, bin ich herüber gedüst, um dir Gesellschaft zu leisten“. Viper, dieser Spinner, mit seinem Eurofighter. Der hat mir gerade noch gefehlt. „Ok, auf zum Sölkpass. Der Letzte bezahlt ein Bier!“ „Arschloch“, war die kurze Antwort. Was will er den, der Penner? Er hat zwei Triebwerke, ich nur eines.

Volles Rohr donnern wir mit glühenden Nachbrennern zu den Wölzer Bergen rüber. Schon von weitem kann ich die Einsattelung sehen und die kleine Kapelle. Noch bin ich in Führung, denn ich brauch´ ja nicht Rechenschaft über den Verbrauch ablegen. Ich bin ein Fliegerass! Im 45° Winkel stürzte ich mich dem Pass entgegen, da fällt mir ein Fahrzeug auf, das genau am Sattel steht. „Eine Harley“, schrei ich in den Funk. „Lass das“, kommt die Antwort. „Den Kauf ich mir!“, knurre ich zurück. Das Raketensystem hochgefahren, die Waffen scharf gemacht, warten. Piiiiip. Das System hat aufgeschaltet. „Lass den Scheiß, du Narr!“, hör ich wieder, aber ich bin voll in meinem Element. „Die, you motherfucker“, brüll ich, und drück auf´s Knöpfchen……………………..

20100803_zeltweg_ausstellung_milluftfahrt_11 „Hören sie Mal, jetzt reichts aber. Kommen sie da sofort heraus. Eine halbe Stunde warten wir jetzt schon. Mein Sohn will sich auch hineinsetzen!“ Was? Wie? Ach so. „Entschuldigung, ich war ganz im Gedanken versunken“, brumm ich verlegen. „Das haben wir gesehen“, sagt er. „Und vor allem gehört!“, sagt sie naserümpfend. „Leben sie ihre kranke Phantasie wo anders aus!“, setzt sie nach. Noch etwas benommen von den Erlebnissen klettere ich aus dem Draken. „Was will den der kleine Knilch im Flugzeug? Der versteht doch gar nix davon!“, schimpfe ich zurück, dann verschwinde ich Richtung Parkplatz. Der Kleine streckt mir die Zunge entgegen. „Na warte, wenn ich dich in meinem Luftraum erwische! Ich bin ein Fliegerass, du kleiner……“, denk ich mir.

Na ja, so war es natürlich nicht. Allerdings, wenn man im Draken sitzt, könnte schon die Phantasie mit einem durchgehen.
Es war ein tolles Erlebnis, einmal in einem echten Kampfflugzeug zu sitzen. Das es nicht funktionstüchtig war, spielt dabei keine Rolle, war sogar beruhigend. Konnte wenigstens nichts passieren, wenn man irrtümlich ein falsches Knöpfchen drückt. 20100803_zeltweg_ausstellung_milluftfahrt_12

Alle diese Luftfahrzeuge, Fahrzeuge und Geräte, die hier im Hangar 8 des Hinterstoisser Militärflugplatz in Zeltweg ausgestellt sind, taten einmal bei der Österreichischen Luftwaffe ihren Dienst. Der Saab Draken, der 18 Jahre den Österreichischen Luftraum überwachte, ist das absolute Prunkstück der Ausstellung. Zumindest in meinen Augen. Fliegen sah ich ihn oft genug, aber so nahe wie hier war ich ihm nie. „Ihm“ ist eigentlich untertrieben, denn gleich vier Stück stehen dort zur Ansicht! Wobei meine absoluten Favoriten die beiden mit den Sonderlackierungen sind. Ein Traum, wenn man nicht daran denkt, dass es sich um Kampfflugzeuge handelt.

20100803_zeltweg_ausstellung_milluftfahrt_05 Unglaublich, diese Ausstrahlung. Etwas auf die Art eines fliegenden Formel 1 haben diese Flugzeuge an sich. Fast filigran, mit den dünnen Deltaflügeln, dem schlanken Körper, und doch gleichzeitig so mächtig und vor allem schnell. Zumindest damals, als er das Hauptkampfflugzeug Schwedens war. Heute gibts natürlich besseres, stärkeres, kampfkräftigeres – schrecklicheres. Aber vielleicht haben diese schrecklichen Waffensysteme tatsächlich ihren Beitrag geleistet, dass wir in Frieden leben. Ich glaub daran.20100803_zeltweg_ausstellung_milluftfahrt_02

All die zahlreichen Ausstellungsobjekte, bis auf den Draken, in den man sich hineinsetzen kann, stehen im Hangar 8, also ist es auch ein schöner Ausflug bei Schlechtwetter. Alles ist sehr liebevoll gestaltet. Man sieht sofort, dass sich hier jemand sehr um das Aussehen, um den Gesamteindruck, aber auch um kleine Details bemüht hat. Ein riesiges Kompliment an diejenigen, die alles so lebendig gestaltet haben. Danke für diesen schönen Tag. Es wird bestimmt nicht mein letzter Besuch gewesen sein. Heuer ist die Ausstellung noch bis 17. Oktober von Dienstag bis Sonntag zwischen 9:00 und 17:00 Uhr zu sehen.

Link zu weiterführenden Infos über die Ausstellung und zur Militärgeschichte:
GFL – Gesellschaft zur Förderung der Österreichischen Luftstreitkräft – Militärluftfahrtausstellung 2010

Doppeladler.com – Plattform für Österreichs Militärgeschichte

2 Comments »

  1. Sehr schöner Bericht , Hannes ! Wennst eh noch mal runterfährst zur Austellung, dann kannst dich ja fürs nächste Foto im Jet passender adjustieren, und vor allem auch das da berücksichtigen: http://de.wikipedia.org/wiki/Haarerlass
    Grüsse Hans
    ( War da grad ein paralelltal nördlicher unterwegs )

    Kommentar von Herr Heizer — 5. August 2010 @ 0:47

  2. Hans, wir könnten ja mit den Motorrädern zusammen runter fahren. Eine zünftige XJR Tour mit den Schwergewichten.
    Würde dich bestimmt auch interessieren.

    Ja, ich weiß. Die 7km zwischen Kematen und hier sind eine beinahe unüberwindliche Distanz. 🙂

    Kommentar von Benzin — 5. August 2010 @ 10:17

  3. Sehr schöner Bericht , Hannes ! Wennst eh noch mal runterfährst zur Austellung, dann kannst dich ja fürs nächste Foto im Jet passender adjustieren, und vor allem auch das da berücksichtigen: http://de.wikipedia.org/wiki/Haarerlass
    Grüsse Hans
    ( War da grad ein paralelltal nördlicher unterwegs )

    Kommentar von Herr Heizer — 5. August 2010 @ 0:47

  4. Hans, wir könnten ja mit den Motorrädern zusammen runter fahren. Eine zünftige XJR Tour mit den Schwergewichten.
    Würde dich bestimmt auch interessieren.

    Ja, ich weiß. Die 7km zwischen Kematen und hier sind eine beinahe unüberwindliche Distanz. 🙂

    Kommentar von Benzin — 5. August 2010 @ 10:17

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