Benzins Motorradseiten Erlebnisse mit dem Motorrad

8. Juni 2021

2021. 06. 08. Nockalmstraße–Neun Pässe an einem Tag

Filed under: Touren und Ausflüge in Österreich — Benzin @ 20:57

Strecke: Amstetten – B121 – Waidhofen an der Ybbs – Weyer – B115 Altenmarkt – Buchauersattel 861m – B117 Admont – Kaiserau 1100m – Trieben – B114 Hohentauern 1274m – Möderbrugg – Pöls – B114a – St. George ob Judenburg – Scheifling – Murau – Stadl an der Mur – Predlitz – B95 Turracher Straße – Turracher Höhe 1269m – Nockalmstraße (Mautstraße) – Schiestelscharte 2027m – Eisentalhöhe 2049m – Innerkrems – L19 Bundschuh – Thomatal – Madling – Tamsweg – B96 – Tratten (Kirchturm im See) – L501 Schöder – Sölktalstraße – Sölkpaß 1788m – Stein an der Enns – Öblarn – Espang – B146 Liezen – B138 Pyhrnpaß 954m – Spital am Pyhrn – Oberweng – Mitterweng – Rosenau am Hengstpaß – Hengstpaß 964m – Altenmarkt – Weyer – Waidhofen an der Ybbs – Amstetten
Streckenlänge: rund 500km

Start um 6 Uhr bei mir mit der Yamaha YZF1000R Thunderace und Sonja hinten drauf. Heute kommt der Tschobber nicht zum Einsatz, sondern bleibt in der Garage neben der Guzzi stehen. Wir machen uns ein wenig Sorgen. Könnte ja sein, daß eine kleine Vespa neben Tschobber und Guzzi stehen, wenn wir zurück kommen. Man weiß ja nie. Nächster Halt beim Fred. Der ist fertig und abfahrbereit, als wir ankommen. Noch ein paar tränenreiche Worte mit der Frau gewechselt, man ist ja doch den ganzen Tag unterwegs, dann aufsteigen und anwerfen. Los geht’s.

20210608_070052
Der erste Halt wird durch diesen Anblick kurz vor Admont erzwungen. Ich fahr diese Strecke über den Buchauersattel seit Jahrzehnten bei jedem Wetter, zu jeder Tages- und Jahreszeit, aber in der weit überwiegender Anzahl der Fahrten bleib ich hier stehen und mach ein Bild. Der Eingang des Gesäuse ist immer ein paar Minuten Wert.

20210608_071105
Bei der Tankstelle in Admont ein obligatorischer Kaffee, ohne den man hier, so erzählten mir die Einheimischen, gar nicht durchfahren darf. Früher wurden man von Steirischen Straßenräubern überfallen, heute bleibt man weitgehend unbelästigt, sofern man sich an der Tankstelle in Admont einen Kaffee kauft. Dabei kann man auch gleich den Ausblick auf die Haller Mauer bewundern.

20210608_071117
Fred und Sonja

Die kurvenreiche Kaiserau haben wir schnell und problemlos überwunden und streben nun hurtig dem nächsten Höhepunkt unserer Fahrt entgegen. Hohentauern. Jetzt bin ich auch schon ganz gut mit dem Fahrverhalten meiner Ace vertraut, wenn Sonja drauf sitzt. Alleine kann ich die Ace herum pfeffern, daß es nur eine Freude ist, aber zu zweit hab ich nicht viel Erfahrung. Da Sonja aber so gut und präzise reagiert, hab ich anfangs fast Probleme, die richtige Linie zu fahren, weil ich eigentlich mit einer kleinen Verzögerung in der Reaktion von Beifahrerin und damit Motorrad gerechnet hätte, die nicht da war. Sonja reagiert gefühlsmäßig und instinktiv richtig und so macht das Fahren zu zweit auch Freude. Wer jemals jemand hinten drauf sitzen hatte, der (er, sie, es) Angst hat oder sich den Bewegungsablauf anders vorstellt und somit ständig in die Fahrerei reinpfuscht, der weiß, wovon ich rede. Horror! Das gibt’s bei Sonja nicht, und das ist gut so.

Also rauf nach Hohentauern und bei der Abfahrt die schönen, bis zu fast 2500m hohen Berge um den Bösenstein herum bewundert. Die Fahrt nach Möderbrugg gestaltet sich auch besser als gedacht, weil die Baustellen, in die Fred und ich letzte Woche kamen, schon weitestgehend fertig sind. Langsam, aber sicher hat die gesamte Strecke eine neue Asphaltdecke. Dann kurz überlegt, ob ich über Oberzeiring und Oberwölz-Stadt rüber nach Murau fahren soll, was ich aber gleich wieder verwerfe. Ja, das wäre recht schön zu fahren und die Kilometer werden vermutlich ziemlich die selben sein. Kilometer wären nicht das Problem gewesen. Mehr die Uhrzeit. Auf einer geplanten Fahrt, die mit Garantie nicht unter 500km lang sein wird und bei der man nie wirklich freie Fahrt haben wird, (Schnellstraße oder Autobahn) kommt es auch auf Zeit an. Und was auch nicht zu unterschätzen ist, die Kondition des Fahrers. Ja, ich geh wandern und bin praktisch täglich zumindest 5 bis 10km zu Fuß unterwegs. Ich fahr aber nicht so viel Motorrad wie früher, als Tagesetappen von 500km ein Halbtagsausflug waren und auch mehr als 1000km keine Mordspartie war. Diese Zeiten sind vorbei. Alleine mein blöder Ischias-Nerv spielt mir immer einen Streich. Aber damit muß ich halt leben und somit berechne ich die Distanzen halt ein wenig anders als noch vor einigen Jahren. Ich werd halt nicht jünger.

Über die Strecke Scheifling – Murau braucht man, glaub ich, nicht reden. Die Landschaft ist ja schön aber die Straße ist  fad. Dann kommt dort noch die ewige Baustelle dazu, die einmal eine Autobahn werden soll. Oder sowas. Du fährst so auf der Straße dahin, auf der du seit Jahrzehnten unterwegs bist und plötzlich ist da ein Kreisverkehr (der war nicht die Überraschung) und am Abzweig, den du auf dieser Strecke immer gefahren bist, hast du plötzlich eine Maut-Tafel vor der Nase. Schnellstraße, Mautpflichtig. Ich schüttle den Kopf, schau in den Spiegel, sehe, daß Fred mir folgt und fahr weiter. “Habt’s mich gern” denk ich mir. Ich hatte ja eigentlich immer eine Vignette. Vor allem, seit es die auch in digitaler Version gibt, hatte ich große Freude damit, weil ich mit einmal kaufen das ganze Jahr über mit drei verschiedenen Motorrädern notfalls (oder geplant) auf der Autobahn fahren kann, ohne mir Sorgen zu machen. Ohne Vignette erwischt zu werden kostet 120.- wenn man sofort bezahlt. Ich hab jetzt aber keine Vignette. Auch keine elektronische. Einfach deshalb, weil es unter normalen Umständen keinen Anlaß mehr gibt, auf eine Autobahn zu fahren. Ausgenommen, man ist plötzlich auf einer, ohne das zu wissen, so wie jetzt. Aber was sollte ich jetzt machen? War ja, soviel ich weiß, keine andere Straße da!

Die Hofer Tankstelle in Scheifling war auch noch einen Lacher Wert. Die Tankstelle, an der ich sonst tanke, hatte ich übersehen und keine Lust, umzudrehen. Dann seh ich die Tankstelle beim Hofer und bieg ab. Die erste Säule gibt kein Benzin her, die zweite keinen Beleg. Irgendwas hat es halt immer.

Von Murau bis Predlitz geht’s dann wieder ohne Aufregung  weiter und bald haben wir den Abzweig zur Turrach erreicht. Ich kann mich noch an einige Fahrten hier erinnern, da mußte ich bewusst um die 80 Ka Em Ha fahren, weil die Straße so schlecht war, daß es dir die Plomben aus dem Mund gehauten hat. So schlimm ist das heute nicht mehr, aber im oberen Bereich zur Turrach haben die noch immer eine Geschwindigkeitsbeschränkung aufgestellt, damit die Fahrzeuge nicht auseinander fallen. Da sind Löcher in der Straße, da könnte sich fast mein Hund verstecken.

20210608_094143
Unvermeidliches Foto von der Turracher Höhe. Tausendmal fotografiert, immer wieder sehenswert.

fred_01

Gemütlich fahren wir dann an der Südrampe der Turrach runter und freuen uns schon auf die Nockalm, dem Höhepunkt des Tages.

fred_02
Anstellen an der Mautstelle der Nockalm-Straße. Kostet €14.- pro Krad. Und jetzt schau ma uns die Bilder von der Nockalm an.

20210608_101014
10:10 Uhr. “In de Berg bin i gern. Und do gfreit si mei Gmiat. Wo de Oimresaaal wo-oxn, und da Enzian bliad!”

20210608_101359 20210608_101641
Apropos Enzian blühen…………..

20210608_101029
20210608_101200

20210608_101208

20210608_101614

20210608_102450
Bei der Schistlscharte bleiben wir nicht stehen, sondern fahren gleich auf der anderen Seite wieder runter bis zu einer Stelle, an der man schön stehenbleiben und schauen kann. Die gibt’s auf der Nockalmstraße reichlich. Hier ist so ein Platzerl. Wir halten und nehmen die Helme ab. Fred geht hinten zum Motorrad und öffnet das kleine Köfferchen. Was der zum Vorschein bringt, kann man mit Fug und Recht extravagant nennen.

20210608_102719
Eine ordentliche Thermoskanne mit heißem, schwarzen Kaffee und Kaffee-Häferl aus Glas. Das hat Stil! Jetzt hätte nur mehr eine dicke Zigarre aus Kuba oder von mir aus eine Großglockner gefehlt. Aber ich rauch ja seit eineinhalb Jahren nicht mehr. Leider. Andererseits, wir hatten ja eh keine Zigarren. Also doch eher gottlob.

fred_04

fred_05
Kaffee aus echten Glashäferl, dazu Manner und dahinter die Berge der Nockalm. Herz, was willst du mehr? Das ist auf der Nockalm sowieso eine eher rhetorische Frage. Guckst du unten.

20210608_105922
20210608_110717

20210608_110749
Das ist die Aussicht von der Eisentalhöhe nach Nordwesten, wenn ich mich nicht komplett irre.

20210608_110850

20210608_111150

20210608_111319
Da ist was Wahres dran. Das ist das Motto, nach dem wir leben.

20210608_113519

Wir haben die Nockberge verlassen und gelangen auf der Landesstraße 19 Salzburg zurück ins Steirische. Das ist hier Almgebiet, hier laufen die Kühe frei herum und haben Vorrang. Einmal ein Blick in beide Richtungen von hier aus. Oben Richtung Bundschuh und unten zurück nach Innerkrems.

20210608_113528
Die Bergln hier haben alle so um die 2000m und waren früher alle von einem brutalem Kahlschlag betroffen, den man wegen der Eisenproduktion für die Erzeugung von Holzkohle durchführte.

20210608_113535
Der Großteil der Kühe ist vor uns auf die Weide an der anderen Straßenseite marschiert. Drum sind wir ja stehen geblieben. Nur ein paar Jungstiere und Mädels blieben zurück und schauen uns verwundert an. Ich, alter Kuh-Experte, der ich bin, hab mich an den Straßenrand gesetzt und mit denen so lange geredet, bis sie neugierig wurden und zu mir kamen. Das geht bei den vierbeinigen Rindsviechern genau so einfach wie bei den Zweibeinigen. Die haben ja keine Ahnung. “Kuhlie, ich hab dich zum Fressen gerne”, und im Rucksack wartet schon die Bratpfanne.

fred_06
Hier sehen Sie den großen Kuhflüsterer aus Amstetten am Werk.

20210608_113806
Der junge Bursche hier zeigte Interesse, aber als ich ihm die Hand hin hielt, zog er es vor zu kneifen.

20210608_114753
Nächster Stopp Hochofenmuseum Bundschuh. Lesenswertes kann man HIER finden. Kurz gesagt gibt es hier seit 1903 keine Eisenverarbeitung mehr, aber gottlob finden sich immer wieder Leute, die solche Relikte aus vergangenen Zeiten restaurieren und erhalten, damit nicht vergessen wird, wie wir zum Wohlstand kamen, den wir heute genießen und den uns dumpfe Kräfte, Sekten der Dummheit und der Ignoranz wie die Grünen, madig machen wollen.

20210608_114853 20210608_115052 20210608_115101

20210608_115122 20210608_115140

Als wir bei Ramingstein wieder auf die Hauptstraße zurück kehrten, schien die Welt noch tadellos in Ordnung zu sein, aber es kündigte sich Ungemach an. Ungemach für mich in einer Art, wie ich es in 40 Jahren Motorradfahren noch nie erlebt hatte. Zurück wollte ich eine andere Strecke wählen als bei der Hinfahrt und darum bogen wir links nach Tamsweg ab. Irgendwie hätte uns gejuckt, in Tamsweg zu Mittag zu essen, aber wirklich hungrig waren wir nicht und getestet waren wir auch nicht. Obwohl, genau betrachtet hätten wir die drei G tadellos erfüllt. Gwoschn, Gkampelt und Gneizt. Aber was soll’s? Die Nazi haben die Juden ausgeschlossen und heute werden Ungeimpfte ausgeschlossen. Ich kann damit leben. Bei der Weiterfahrt passierte dann etwas. Meine Lederkombi, die ich ja nicht erst seit gestern hab, begann in der linken Kniehöhle zu zwicken. Das wurde so schlimm, daß ich schon an eine Thrombose dachte. Diese Schmerzen kann man sich gar nicht vorstellen, wenn man sie nicht erlebt hat. Beim Tor der ehemaligen Festung Klausegg hab ich es dann erstmals nicht mehr ausgehalten und blieb (fast verzweifelt) stehen. Ich konnte nicht mehr fahren. Ich hab den Schmerz einfach nicht mehr ertragen.

20210608_122624
Das Tor der ehemaligen Festung Klausegg, die sich am Hang neben der Straße befindet.
20210608_123258
Hinterm Motorrad sieht man noch die Burgruine Klausegg (auch Klauseck geschrieben).

20210608_123130_001
Ich hab dann einmal den Stiefel ausgezogen und die Reisverschlüsse der Lederkombi am Bein geöffnet, um die Durchblutung wieder herzustellen. Mann, das hat weh getan! Dabei hatte ich dann auch Zeit, mein Motorrad zu fotografieren. 24 Jahre ist die Kiste jetzt schon alt und läuft wie ein Uhrwerk.

20210608_122629
So schaut die Gegend um die Ruine aus. Ist eh komisch. Ich bin hier schon oft vorbei gefahren und hab mir immer wieder vorgenommen, mir diese Ruine einmal anzuschauen. Geworden ist das bis heute nix. Ich hoffe, die fällt nicht komplett zusammen,  bis ich einmal Zeit hab.

20210608_124703
Nein, das ist nicht der Kirchturm von Graun im Reschensee. Das ist so eine Art Miniaturausgabe davon und nennt sich “Versunkener Turm im Rottenmanner Teich” oder so. Es gibt da Fabeln davon, die man HIER zum Beispiel nachlesen kann. Ob das einigermaßen der Wahrheit entspricht oder ob das in den Stuben der Tourismusbetriebe entstand, weiß ich nicht. Schaut auf jeden Fall lieb aus und ist nicht so weit weg wie der versunken Turm im Reschensee.

20210608_125519
Nächster Halt Sölkpaß

20210608_131228
Wenn ich für jede meiner Fahrten über den Sölkpaß 10 Liter Benzin hätte, müsste ich in den nächsten paar Jahren nicht mehr tanken.

20210608_131444

20210608_132415
Paßhöhe von hinten und von vorne. Oder von Norden (oben) und von Süden (unten)

20210608_132424

20210608_132612
Reisende aus aller Welt verewigen sich auf der Tafel der Paßhöhe.

20210608_133144
Bei der Abfahrt der obligatorische Halt bei der Kehre mit der schönen Aussicht auf das 2433m hohe Deneck (Bild unten)

20210608_133124
Die Kaltenbachseen und das Deneck. Wird Zeit, da wieder einmal rauf zu gehen.

20210608_133156
Und hier der Blick aus dem Sölktal gen Norden

20210608_134048
Kurze Rast bei der Kaltenbachalm. Hier war ich vor einigen Jahren mit Freunden aus dem FZR Forum. Die waren ganz begeistert. Aber auch als Österreicher, der relativ oft hier her kommt, bin ich immer wieder von der Landschaft des Sölktal begeistert. Wäre auch einmal eine Reise mit dem Auto Wert, für ein paar Tage zum Wandern.

20210608_134147
Nach dem Sölkpaß haben wir nochmals bei der Tankstelle in Öblarn getankt, etwas zu trinken gekauft und eine Leberkäsesemmel mit reichlich Senf gegessen, dann gings weiter der Heimat entgegen. Indirekt zumindest. Zuerst einmal der nächste Paß.

20210608_152407
Hier haben wir das Sölktal schon längst hinter uns gelassen und den Pyhrnpaß grade eben und rasten auf der Strecke von Spital am Pyhrn zum Hengstpaß irgendwo bei Oberweng.

20210608_160350
Das war das letzte Bild der Tour und entstand beim Halt an der Ennsbrücke, wenn man von der Hengstpaßstraße raus kommt. Hinter der Eisenbahnbrücke verbirgt sich ein für die meisten, die hier fahren, vollkommen ungekannter, kleiner Wasserfall. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich nach dem Sölkpaß anhalten mußte, weil ich einfach vor lauter Schmerzen nicht mehr fahren konnte. Teilweise war das der reinste Horror. Aber Fred und Sonja sind nie ungeduldig geworden, und darüber bin ich froh. Jetzt muß ich wohl einmal schauen, was da passiert ist, warum diese Kombi plötzlich überhaupt nicht mehr passt. Ich bin doch nicht gewachsen? Mit 61? Aber wer weiß? Meine alten Bergschuhe, die Meindl Island, die mir so perfekt passten, passen auch nicht mehr. Mußte neue kaufen, weil die Zähen blau wurden vom anstehen vorne. Hätte ich mir auch nicht vorstellen können. Und jetzt passt plötzlich die Lederkombi nicht mehr. Das ist unglaublich blöd, weil genau die selbe in der selben Größe, nur in Rot, hab ich auch noch im Kasten. Kaum getragen. Das kann ja heiter werden. Auf jeden Fall waren wir nach 11 Stunden und etwas über 500km wieder (halbwegs wenigstens) gesund und munter daheim angekommen. Leute, das war eine tolle Tour.

Einen schönen Tag noch…………..

19. Mai 2021

2021. 05. 17. Burgruine Ruttenstein

Filed under: Touren und Ausflüge in Österreich — Benzin @ 14:50

Montag, 17. Mai 2021, halb neun am Morgen. Es ist stark bewölkt, die Straßen sind naß und die Wahrscheinlichkeit von Regen ist hoch. Ist aber wurscht, weil am Sonntag bei einer kleinen Runde haben wir uns ausgemacht, wir fahren am Montag, egal wie’s Wetter ist. Und so stehen wir an der Tankstelle, Sonja im Regengwand, ich in der Textiluniform, die ich schon Jahre nicht an gehabt hab, und wir freuen uns auf eine schöne Tour. Egal, wie’s Wetter sein wird, weil ich hab eh eine Griffheizung. Und damit wir irgend eine generelle Richtung haben, geb ich im Navi Heidenreichstein als Ziel ein und kurvenreiche Strecke. Die vorgeschlagene Streckenführung seh ich dann als Empfehlung, der man folgen kann, aber nicht muß.

20210517_091753Weil Heidenreichstein im Waldviertel liegt, also auf der anderen Seite der Donau, müssen wir, genau wie vor einer Woche, zur Brücke nach Grein, überqueren diese und sollen dann laut Navi wieder auf die Strecke nach Bad Kreuzen abbiegen. “Naaa, sicher ned” denk ich mir und fahr auf der Donauuferstraße weiter. Ich ignoriere im Ortsgebiet von Grein noch einige Versuche, uns auf die vorgeschlagene Strecke umzudirigieren und bieg erst beim Abzweig Diembach ab. Die Straße ist halb naß, halb trocken, da laß ich mir lieber schön Zeit und gleiten fast mit den vorgeschriebenen 70 ka em ha über die kurvenreiche Straße. Sonja folgt mit dem Dschobber. Noch vor der Aumühle lotst uns das Navi links auf den Güterweg Panholz, und ab da weiß ich nicht mehr, wie wir in die Nähe von Bad Kreuzen gekommen sind. Anders als letzte Woche fuhren wir heute bis in diese Gegend nur Güterwege und kleine Nebenstraßen, die uns dann, ja, schon wieder, wie letzte Woche, zu einer Siedlung mit dem Namen Sonnleitn führen. Diesen Namen kenn ich inzwischen gut. Wenn wir hier her kommen, dann weiß ich, daß uns das Navi wieder zu dieser Kuppe bringen wird, von der aus es auf neuem, schwarzem Asphalt in ein paar wilden Kurven in einen Graben runter geht, und dieses Geschlängel ist es, auf das ich mich jedes Mal freue. Wie auf einer irren Kart-Bahn kann man sich dann, egal ob trocken oder naß, egal ob mit der XJR oder einer Tausender, da runter hauen, daß die Funken fliegen. Einfach cool, dieses Ding. Aber schmal.

Dann folgen wir wieder einfach dem Navi, das uns tatsächlich wieder einmal von den Hauptverkehrswegen fern hält und nur über engste Straßen und durch dunkle Wälder führt, die mit teils großen, teils riesigen Steinbrocken gespickt sind. Genau das ist der Reiz der Mühlviertler wie teilweise auch der Waldviertler Wälder. Sowas gibt’s bei uns weiter südlich nicht. Von diesen riesigen Felsen, die da haufenweise  im Waldherum liegen, kann ich gar nicht genug bekommen. Ich hab mich nie mit 20210517_104737der Geologie dieser Gegenden auseinandergesetzt und weiß daher nicht, warum die dort herum liegen, wie die dort hin gekommen sein könnten. Als wäre in der Nähe ein riesiger Vulkan explodiert, der Gestein in die Gegend gespuckt hat, so schaut das aus. Aber so kann das nicht gewesen sein. Nicht nur, weil es hier weit und breit keinen Vulkan gibt, sondern auch, weil ich denke, das ist Granit, was da herum liegt. Vulkane spuken kein Granit aus. Vielleicht sind das noch Trümmer, die das Eis der Eiszeit hierher geschoben hat? Keine Ahnung.

Auf jeden Fall fahren wir durch ein Gebiet, daß wir noch nie besucht hatten. Kann nicht sein, sonst wäre uns diese Burg aufgefallen, die von einem Fels hoch über uns über eine Kuhweide auf runter schaut. Wir bleiben stehen, ich schieß ein Foto, wir schauen uns an und dann fällt fast gleichzeitig die Frage, “Ist das die Burg von letztem Montag?” Kann aber irgendwie nicht sein. Die Gegend schaut anders aus. Diese Burg steht auf einem Hügel, der wesentlich spitzer zuläuft wie der von letzter Woche, wo die Burgruine Prandegg drauf steht. Aber was ist das? “Fahren wir nachschauen?” frag ich und Sonja nickt. “Fahren wir nachschauen!”

Wir sind im Naarntal. Wenn ich jetzt nicht irre, im Tal der großen Naarn und wir mussten, einem Hinweisschild zufolge, dem Bach entlang, äh, wie sagt man da, Bachabwärts folgen. Dabei ist mir die unglaubliche Farbe des Wasserlaufs ins Auge gestochen. So ein unglaubliches, farbenprächtiges rotbraun. Eine Farbenpracht, wie ich sie sonst nur aus dem Yellowstone Nationalpark kenne. Entweder ist das, schätze ich, Lehm, der diese Farbe gibt, oder ist das Wasser so eisenhältig? Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall unwirklich schön anzuschauen. Und wie wir so dahin fahren auf der Suche nach der Burgruine, beginnt nicht nur mir zu dämmern, “Dies ist die Burg, die wir damals nicht gefunden haben! Burgruine Ruttenstein!” Wir hatten damals, ich weiß nicht mehr, war das heuer im Frühjahr oder im letzten Herbst, diese Burg von irgendwo von weitem gesehen und sie dann aber nicht gefunden. Der Blickwinkel, aus dem wir sie heute entdeckt hatten, war ein ganz anderer und wir waren auch wesentlich näher dran als letztes Mal. Wir hatten auch schnell ein Hinweisschild gefunden, daß anzeigte, es wären noch 6km zum Ziel. Wir folgten der Naarn, dann den Schildern und schon waren wir bei der Zufahrt zur Ruine. Und dann stellten wir beim Brünnchen gegenüber der Imbissstube (die wegen Corona gesperrt war, wie alles, wo es etwas zu Essen oder zu trinken gäbe) unsere Motorräder ab und machten uns zu Fuß auf den Weg, die Burgruine Ruttenstein zu erkunden. 

20210517_100920
Unser erster Kontakt mit der Burgruine Ruttenstein
20210517_101939
Die große Naarn im Naarntal
20210517_103330
Jetzt können wir unser Ziel praktisch nicht mehr verfehlen.
20210517_103641 20210517_112014
Ab jetzt geht es zu Fuß weiter.
20210517_103629 20210517_104506 20210517_104541
20210517_104638 20210517_104725 20210517_104922
Ich würde zu gerne wissen, wie das hier in den Anfängen der Burg, so vor rund 800 Jahren, gewesen sein wird. Ich glaub, daß aus unserer Zeit in 800 Jahren nicht mehr viel zu sehen sein wird, ausgenommen vielleicht die Flaktürme aus Stahlbeton im Wiener Augarten und so ein Zeugs. Nun ja, irgendwie waren solche Burgen ja auch militärisch bedingte Bauwerke, die vor dem Feind schützen sollten. Die sehen wir heute nur wesentlich romantischer als Flaktürme.
20210517_105039 20210517_105048
20210517_105335
Überblick von oben.
20210517_105439
Pumuckl, das Gespenst der Burg
20210517_105452
20210517_105547 20210517_105554 20210517_105812 20210517_105832
20210517_105656
20210517_110004 20210517_110117 20210517_110347
20210517_110831
20210517_110855 20210517_110940 20210517_111000
20210517_111442
20210517_112241

Nachdem wir uns jeden erdenklichen Winkel der Burg angeschaut hatten, fuhren wir wieder los und hielten gleich unweit der Burg wieder. Bei der Rauffahrt war mir eine Stelle aufgefallen, an der haufenweise Felsen im Wald lagen. Das mußten wir uns unbedingt näher anschauen. Wie die Kinder sind wir dann herumgekraxelt und haben uns gefreut.

20210517_113027
20210517_113221 20210517_113250 20210517_113257 20210517_113641
20210517_113707

Die Rückfahrt wurde dann wesentlich feuchter als die Anreise und es wurde auch ziemlich kalt. Auf Güterwegen und Nebenstraßen waren wir Richtung Bärnkopf unterwegs, von dort nach Bergern bei Pöggstall, dem ehemaligen Heimatort meines Vaters und meiner Großeltern. Dann erreichten wir nach knapp 160km Fahrtstrecke tatsächlich noch aus eigener Kraft die Tankstelle in Pöggstall, um den Dschobber aufzutanken, und weiter ging die Fahrt Richtung Persenbeug, dann durch’s große und kleine Yspertal und irgendwie, wir wissen wirklich nicht mehr, wie genau, kamen wir dann über Gloxwald (da war ich irgendwann vor 40 Jahren zum letzten Mal) teilweise auf Straßen, die ich noch nie im Leben gefahren bin, nach St. Nikola an der Donau.

20210517_120145
Im Mühl- wie auch im Waldviertel stehen haufenweise Kapellen oder Marterl in der Gegend herum. Leider sind kaum Jahreszahlen vorhanden, die auf die Bauzeit hinweisen. Auch der Grund für den Bau ist uns weitestgehend unbekannt. Aber immer wieder findet man Kapellen und Marterl, die besonders kunstvoll gestaltet sind, wie dieses, und da frag ich mich wirklich, was hier passiert ist, was der Anlaß war, dies hier zu bauen. Dieses Marterl steht an einer Straße, die sich Ebenedt nennt in der Gegend um Henndorf. Koordinaten sind ungefähr 48°21’42”.7N 14°51’11.8”E
20210517_121453
Hier noch so ein besonders auffälliges Marterl, das ziemlich genau bei 48°23’12.8”N und 14°55’01.4E neben einer Straße namens Kronberg steht.
20210517_121505 20210517_121508 20210517_121520 
20210517_121531
20210517_124117
Der Hanslteich bei Gutenbrunn. Ich war schon weiß Gott wie oft in dieser Gegen, aber diesen Teich sah ich zum ersten Mal. Hier bin ich allerdings nicht nur deshalb stehen geblieben, weil ich den Teich nicht kannte, sondern weil mir einfach kalt war. Wir hatten im Mai schon den einen oder anderen schönen, warmen Tag. Dieser gehörte definitiv nicht dazu. Seit einiger Zeit hatte ich schon die Griffheizung auf Vollgas aufgedreht, obwohl ich die GoreTex Handschuhe anhatte. Ich wusste ja vor der Abfahrt, daß es regnen würde. Hier aber regnete es nicht. Es war nur einfach saukalt.
20210517_125536 20210517_125626 20210517_130019
Bei der Brücke an der Straße Loitzenreith-Thumbling, genau bei der Koordinate 48°21’10.0”N 15°08’50.3”E  finden wir dieses liebliche Bächlein (das ist in der Natur viel schöner als auf den Bildern!) und wieder Felsen im bunten Wald. Wieder gehen wir auf Entdeckungsreise.
20210517_130110
20210517_130318
Der Dschobber und die blaue Elise
20210517_130812 20210517_131004
Und schon wieder ein Gipfelsieg. Höher sind nur die Baumwipfel.
20210517_141135 20210517_141123
Am Predigtstuhlweg bei Nöchling braut sich wieder was zusammen. Uns kann sowas nicht mehr schrecken.
20210517_143451
Ein bissl weiter westlich vom oberen Standpunkt mit Blick zur Donau
20210517_144435
Westlich von Gloxwald auf der Sattl-Straße mit Blick zur Donau. Diese Höhenstraßen nördlich der Donau sind mir weitgehend unbekannt, dafür sind die umso reizvoller mit ihren Aussichten.
20210517_150118
Nach mehr als sechseinhalb Stunden sind wir wieder bei der Donau zurück. Hier bei der nördlichen Einfahrt von St. Nikola.
20210517_151618_001
Das war die letzte Aufnahme des Tages, aufgenommen in der Nähe von Neustadl. Kurios ist, daß mir die GPS Daten der Aufnahme erzählen wollen, ich hätte das Bild rund 30km weiter westlich aufgenommen. Von hier war es dann nur mehr rund eine Viertelstunde Fahrt, dann waren wir nach sieben Stunden und rund 230 Kilometern wieder daheim an der Tankstelle, tranken nochmals einen Becher Kaffee und freuten uns über die schöne Tour und darüber, daß wir nicht mehr besonders naß werden würden. Es regnete nämlich schon wieder.

Einen schönen Tag noch.

Ps.: Ich muß grade lachen. Jetzt, beim Schreiben dieser Zeilen, am 19. Mai 2021, also zwei Tage nach dieser Tour, um 14:40 Uhr, regnet es wie Sau, ich hab vorhin die Heizung aufgedreht und wir haben eine Außentemperatur von sage und schreibe 9°C. Da haut es dir den Vogel raus.

10. Mai 2021

2021. 05. 10. Burgruine Prandegg

Filed under: Touren und Ausflüge in Österreich — Benzin @ 20:32

Montag, 10. Mai 2021. Wir, das sind der Fred, die Sonja und ich, treffen uns an der Tankstelle zu einer kleinen Tour. Man vergönnt sich ja sonst nichts. Ziel? Keines. Ich frag, “Wo fahren wir den hin?” “Egel”. “Gut”, sag ich, “ich hab als Ziel Freistadt ins Navi eingegeben. Kurvenreiche Strecke. Schau ma einmal, wo uns das Ding hinführt”. Dann aufsitzen, anwerfen (wie beim Militär) und abfahren.

So eine Tour, wo wir nicht wissen, wohin wir fahren, ist eigentlich recht einfach gestrickt. Wir fahren einfach mehr oder weniger den Angaben des Navi nach, und dort, wo ich keine Lust dazu hab, fahr ich mein eigenes Ding und schau, was mir das Navi als nächstes vorschlägt. Gefällt mir das, folge ich den Anweisungen, gefällt mir das nicht, folge ich der Anweisung nicht. Und so kamen wir zuerst nach Grein an der Donau, weil wir am Weg ins Mühlviertel ja irgendwo die Donau überqueren müssen, und dann irgendwie Richtung Bad Kreuzen, Münzbach und über Güterwege und andere Nebenstraßen immer weiter gen Norden, bis wir an eine Kreuzung kamen, an der ein Schild stand. Ich weiß nicht mehr, stand da “Burg Prandegg” oder “Ruine Prandegg” drauf, auf jeden Fall schau ich die Sonja an und sie schaut mich an und ich frag, “Ist das die Burg, die wir letztes Mal nicht gefunden haben?” “Ich glaub schon” sagt sie. “Na, dann schauen wir, ob wir sie heute finden” sag ich. Sonja und Fred nicken und wir fahren los.

Es stellte sich heraus, daß diese Burg eigentlich recht einfach zu finden ist. Die paar Kilometer von dem Abzweig, an dem wir das Schild entdeckten bis zur Burg, sind schön beschildert, am Schluß muß man in eine schmale Sackstraße abbiegen, die zu einem Parkplatz und von dort auf Schotter direkt zur Burg weiter führt. Und dann stehen wir dort, die Sonne scheint, wir ziehen unsere Jacken aus und stiefeln los, um die Burg zu besichtigen. Und dabei stellt sich heraus, daß diese Ruine, die Überbleibsel der ehemaligen Burg Prandegg, wunderschön aufbereitet und begehbar hergerichtet wurde und jederzeit einen Besuch Wert ist.

Jetzt gibt’s ein paar Bilder, und dann ist Schluß, weil die auf die Strecke, auf der wir Heim gefahren sind, kann ich mich sowieso nicht mehr erinnern. Insgesamt waren wir rund 250km unterwegs und haben für alles Drum und Dran ungefähr sechs oder sechseinhalb Stunden oder so gebraucht. Das war halt so eine Tour, wo der Weg das Ziel ist, und durch Zufall findet sich dann tatsächlich ein richtiges Ziel. Und es war schön!

20210510_085512
Rast in der Nähe der Kapelle am Weberberg beim Schloß Aich
20210510_091536
Und hier haben wir sie schon gefunden, die Burg Prandegg.

20210510_091805
20210510_092043 20210510_092310
20210510_092352 20210510_092436 20210510_092750
20210510_092920 20210510_092930
Nicht jeder unserer benützten Pfade war ein offizieller Besucherweg
20210510_093413 20210510_093619 
20210510_093759 20210510_093904 20210510_094009 
20210510_094223 20210510_094227 20210510_094331
20210510_094441 20210510_094447 20210510_094557
20210510_094736 20210510_094924 20210510_094935
Über einen Holzsteg erreicht man am hinteren Ende die Basis der Burg und sieht schön, wie der Fels ins Bauwerk integriert wurde.
20210510_095827
Zum Abschluß gibt’s noch ein Getränk aus dem Kühlschrank (die Kasse steht auf der Bank – Selbstbedienung), wobei man sich auch noch schnell das Museum anschauen kann, daß sich in diesem Gebäude befindet, und nach einer kurzen Rast fahren wir weiter, ohne Plan und der Nase nach, irgendwie wieder zurück nach hause. Zeit spielt dabei keine Rolle.

Einen schönen Tag noch.

Older Posts »

Powered by WordPress