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16. Oktober 2015

Uhren aus St.Petersburg – Von der Baltika zur Raketa 2609HA

Filed under: СДЕЛАНО В CCCР - Made in USSR — Benzin @ 13:49

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit Uhren, in denen ein Raketa Werk der Serie 2609 werkelt. Dieses Uhrwerk war und ist das am weitesten verbreitete Uhrwerk von Raketa und wird seit dem Ende der 50er Jahre gebaut. Es gibt zahlreiche Versionen davon, die sich für den Laien vor allem in der Anzahl der Lagersteine und in der Anzahl der Stoßsicherungen unterscheiden. Man mag vielleicht auch noch unterscheiden, ob die Unruhe mittels Schrauben ausgewuchtet ist, oder auch nicht, das war’s dann im Allgemeinen auch schon. Und deshalb gehe ich hier nicht näher auf irgendwelche technischen Unterschiede dieser Werke ein. Ich bin Laie.

my_ruskie_blog_raketa_2609_baltika_002 Als Laie wandle ich aber, wegen der Neugierde, immer wieder durch alle möglichen Uhrenforen dieser Welt und muß feststellen, dass selbst die besessensten Fanatiker auf keinen grünen Zweig kommen. Weder scheint klar zu sein, in welcher Reihenfolge die unterschiedlichen Versionen dieses Kalibers auf den Markt kamen, noch welche Unterschiede es genau zwischen den einzelnen Versionen gibt, abgesehen von den oben erwähnten und auch für Laien leicht erkennbaren. Ich las zum Beispiel öfters die Frage, wie sich die Kaliber 2609 und 2609.1 genau unterscheiden. Eine befriedigende Antwort konnte darauf  noch niemand geben. Offenbar kann nicht einmal die Frage beantwortet werden, inwiefern sich das moderne Standardkaliber 2609.HA vom Präzisionskaliber 2609.НП (in Latein HP, für Präzision) unterscheiden. Mehr, als mehr oder weniger gesicherte Vermutungen hat niemand als Antwort zu bieten. Und darum lass ich es auch dabei bewenden. Mehr, als dass das Werk der originalen “Baltika” der Urahn aller 2609 Werke war und das 2609.HA die modernste Version ist, die eigens für die vollautomatische Fertigung ausgerichtet konstruiert wurde, scheint niemand wirklich zu wissen. Darum wenden wir uns jetzt den Uhren zu, die diese Werke beinhalten.

Die Baltika ist der Urahn und Namensgeber aller folgenden Versionen des Raketa Kaliber 2609. Baltika war einer der Namen, die Uhren aus Petrodworez (Peterhof bei St.Petersburg) trugen, bevor das Werk Anfang der 60er Jahre umbenannt wurde. Seitdem tragen sämtliche Produkte einheitlich den Namen Raketa. Der Name Baltika bezieht sich auf die geographische Lage von St.Petersburg und dem Umstand, dass das Baltikum mit den ehemals unabhängigen Staaten Estland, Lettland und Litauen zuerst vom Zarenreich an Russland und später von den Sowjets an die Sowjetunion angeschlossen wurde.

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Oben und unten haben wir verschiedene Vertreter des Kaliber 2609. Von links nach rechts: Original Baltika mit 21 Juwelen, 2609 mit Stempelung пчз für Petrodworez Uhrenfabrik mit 21 Juwelen, dann das Raketa Standartwerk 2609 mit 16 Lagersteinen und ein verziertes Kaliber 2609.1 mit 17 Lagersteinen.
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Wieder von links Kaliber 2609A, 2609A.1, 2609Б und 2609Н.A Man sieht anhand der Bilder, je neuer die Werke werden, desto weniger wurde auf Dekoration Wert gelegt. Was zählte, waren Stückzahlen.

Und nun Bilder meiner Uhren mit diesem Kaliber und vielleicht die eine oder andere Geschichte dazu

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Dies ist sozusagen der Stammvater des Kaliber Raketa 2609, die Baltika, die ungefähr von Ende der 50er Jahre bis Anfang der 60er Jahre, also bis zur Umbenennung des Werkes in Raketa, gebaut wurde. Das Werk besitzt 21 Lagersteine, eine einzelne Stoßsicherung und geht trotz ihres Alters noch erstaunlich genau.
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Hier oben und unten ein paar Modelle, die mir persönlich besonders gut gefallen. Das verchromte Modell oben mit weißem Ziffernblatt enthält ein 2609Б, die vergoldete Version rechts daneben ein 2609A.1
In der unteren Reihe finden wir von links nach rechts die Werke 2609A.1, 2609A und wieder 2609A.1 verbaut vor.

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Diese Uhren stammt aus einer Reihe von sechs Uhren, die zwar nicht unbedingt zur gleichen Zeit, aber im gleichen Stil gebaut wurden. Vergoldete Gehäuse, verchromte Gehause, schwarze oder weiße Ziffernblätter mit kurzen oder langen Stundenmarken. Die Uhr rechts unten besitzt zwar das selbe Ziffernblatt, das Gehäuse ist jedoch rund acht Jahre jünger, stammt also aus den 70er Jahren.

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Und wie so die Zeit vergeht, hab ich alle sechs Stück, die es zusammen HIER zu sehen gibt. Die hier gezeigte in Gold hat mir, aus eigener Schuld, ein wenig Ärger eingebracht. Die zweite von links (die ganz links ist nicht die selbe Uhr!) ist mir erst vor kurzem aus Ungarn zu einem unglaublich günstigen Preis über den Weg gelaufen, dabei ist sie wunderschön und läuft wie neu! Das nenne ich ausgleichende Gerechtigkeit, wenn es sowas geben sollte, denn die Uhr links außen war ein gewalteiger Schlag ins Wasser. Ich hab mich nicht nur vom Uhrband, sondern auch vom Preis blenden lassen, denn ich dachte, zu so einem Preis traut sich niemand eine schlechte Uhr verkaufen. Das war falsch gedacht. Sie schaut zwar wunderbar aus, aber das Uhrwerk ist Schrott. Klar, ich hätte sie reklamieren können, PayPal macht’s möglich. Andererseits wollte ich dieses Uhrband nicht mehr hergeben. Nachdem ich das Glück mit der Uhr aus Ungarn hatte, montierte ich das Band um, und jetzt ist es nicht nur optisch, sondern auch technisch ein Prachtstück. Und wenn man es sich schönrechnen will, hab ich auf die kaputte Uhr nur einen Pappenstiel drauf bezahlt, damit alles wieder gut wird. Man lernt halt nie aus. Herzlichen Dank nach Ungarn für diese wunderbare Uhr.Um die Dame aus Litauen werd ich in Zukunft lieber einen sehr großen Bogen machen. Obwohl ich glaub, das war von ihr gar keine Absicht. Die versteht nichts von Uhren und dachte wohl, die ist schön, die ist viel Wert. Welche Macke die Uhr hat, sieht man leider erst nach einer Weile. Meine Schuld.

my_ruskie_blog_raketa_2609_208 Mit dieser Uhr hatte ich ein besonderes Erlebnis. Ich sah diese Uhr, sie gefiel mir auf Anhieb und ich kaufte sie. Es war mein erster Einkauf bei diesem Händer aus der Ukraine. Ukrainische Händler seien ja alle Gauner, sagt man. Ich für meine Person kann diese Auffassung nicht teilen. Mit etwas Hausverstand und wachen Augen wird man bei Ukrainern genau so wenig oft beschissen wie von einem Briten, Deutschen oder Österreicher. Oder von allen anderen Händlern im Internet. Beschissen wird man früher oder später ganz bestimmt, da braucht man sich nichts vor machen, aber wie oft oder wie gravierend, das kann man durch Lernen und Vorsicht in verträglichen Grenzen halten. Bei genau dieser Uhr dachte ich allerdings, „Siehst du, jetzt bist du auch von einem Ukrainer reingelegt worden!“my_ruskie_blog_raketa_2609_208_3

Die Uhr war sehr schön, keine Frage, und auch das Uhrband war in einem tollen Zustand, was sehr wichtig ist. Diese Uhr besitzt einen zentralen Federsteg, das heißt, Uhrband wechseln spielen’s nicht oder ist mit Bastelarbeit verbunden. Ich zog sie auf, und sie lief sofort und seidenweich. Genau eine Umdrehung des Sekundenzeigers lang, dann blieb sie stehen. „Merde! Da hat’s was“, dachte ich. Manche Uhren waren nach der Ankunft aber so kalt, dass sie eine kleine Aufwärmphase brauchten, dann aber tadellos funktionierten, also ließ ich ihr eine Weile Zeit, sich aufzuwärmen, und legte sie neben mir auf den Tisch. Sie lief, nachdem ich sie ein wenig geschüttelt hatte, wieder. Genau eine Umdrehung des Sekundenzeigers lang, dann blieb sie wieder stehen. Dass sie immer nur genau eine einzige Umdrehung des Sekundenzeigers lief, fiel mir allerdings erst nach einer Weile auf.

Ich nahm sie, und schaute sie mir genauer an. Der Sekundenzeiger stand genau über dem Minutenzeiger. „Oha“, dachte ich, „interessant!“ Zuerst vermutete ich ein schadhaftes Zahnrädchen im Werk. Genau eine Umdrehung, was soll man da sonst denken? Erst langsam dämmerte mir der wahre Grund. Der Sekundenzeiger bleib genau über’m Minutenzeiger stehen, und zwar, egal wo der grade stand. my_ruskie_blog_raketa_2609_208_2„No clearence“ würde der Lateiner sagen. Aber wie gibts das? Na ja, wer weiß, wie das Paket beim Transport behandelt wurde, dachte ich und grübelte, was man da machen kann. Dann kam mir ein Geistesblitz. Wenn ich nur ein klein wenig schüttelte, bewegte sich der Sekundenzeiger über den Minutenzeiger und lief wieder problemlos eine weitere Umdrehung. So zog ich die Krone raus und bewegte den Minutenzeiger unter dem Sekundenzeiger hin und her, hin und her, immer wieder, und langsam, aber sicher verschwand das Problem. Der Sekundenzeiger drehte, nach ein paar weiteren kleinen Ruckelchen rund und stetig seine Kreise. Offenbar hatte mein Geistesblitz bewirkt, dass sich der dünne Sekundenzeiger um diese kleine Winzigkeit nach oben bog und nun den Minutenzeiger ungehindert passierte. my_ruskie_blog_raketa_2609_254

Um festzustellen, ob das nun von dauerhafter Wirkung war, ließ ich die Uhr am Handgelenk. Jetzt wollte ich es wissen. Beschiss, oder nicht Beschiss, das war jetzt die Frage. Ich stellte sie sekundengenau nach der Uhr am Computer und trug sie dann. Einen Tag, zwei Tage, fünf Tage. Diese Uhr trägt sich unglaublich angenehm! Nach genau fünf Tagen oder 120 Stunden verglich ich dann die Ganggenauigkeit wieder mit der Uhr am Computer. Zwei Sekunden Abweichung, nach 120 Stunden! Mein Tag Heuer 6000 Chronometer kann das nicht besser. Seitdem hab ich noch ein paar Uhren von diesem Händler gekauft, und alle waren wunderschön und sehr, sehr genau und zuverlässig. Da soll mir noch einmal jemand sagen, die Ukrainer wären alle Gauner! Da er aber in seinen Angeboten immer hervorhebt „Uhr von einem professionellen Uhrmacher gereinigt und geschmiert“ konnte ich mir bei der Bewertung nicht verkneifen zu schreiben „Uhr ist wunderschön und sehr präzise – But tell your watchmaker, he is blind!“ Das war wie gesagt unser erster Handel. Würde mich interessieren, was er sich dachte. Auf der rechten Seite sehen sie Bilder einer baugleichen Uhr mit anderer Aufschrift am Ziffernblatt. Am rechten oberen Bild ist auch die seltsame Struktur des Ziffernblattes zu erkennen, die offenbar rau ist wie Sandpapier.

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Die Uhr in der Mitte ist eine Ausgabe zum 50. Jahrestag der Oktoberrevolution 1917, rechts eine Version ohne Jahrestag. In beiden werkelt ein 16 steiniges 2609
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Die Uhr mit dem schwarzen Ziffernblatt stammt ebenfalls aus 1967, trägt ebenso die Inschrift zum 50. Jahrestag der Oktoberrevolution, ist allerdings restauriert und leuchtet bei Sonnenbestrahlung oder künstlicher Beleuchtung wunderschön, was die originale Uhr nie könnte, weil sie keine Leuchtmarkierungen besitzt. Das Bild rechts zeigt eine komplett originale Uhr dieser Baureihe mit einem etwas anderen, vergoldetem Gehäuse. Die Aufschrift ist allerdings schon sehr verblasst.

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Die Uhr links ist von 1967 und trägt ein recht auffälliges Ziffernblatt mit außermittiger Markenbezeichnung, rechts davon das gleiche Ziffernblatt in einem etwas anderem Gehäuse aus den 70er Jahren. Beide besitzen das gleiche 16 steinige Werk 2609 wie die Uhr rechts daneben.  Die rechte Uhr kaufte ich mit ziemlich zerkratztem Glas, aber nichts desto trotz läuft sie hervorragend. Sie trägt die Spuren ihres sicher nicht langweiligen Lebens recht stolz. Ich mag sie!

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Diese hier hat das verchromte Gehäuse der Baltika, am Ziffernblatt steht aber schon Raketa, das Werk ist allerdings kein originales Baltika mehr, sondern ein neueres 2609 mit zwar ebenfalls 21 Lagersteinen, allerdings dreifacher Stoßsicherung, das die alte Kennung ПЧЗ trägt. Es müsste sich hier um eine frühe Serie des 2609A vor der Einführung der nummerierten Kaliberbezeichnungen handeln.
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Ein vergoldetes Baltika Gehäuse mit Raketa Aufschrift und originalem Baltika Werk. Diese Uhr dürfte aus der Zeit stammen, wo die Fabrik zwar schon den Namen Raktea trug, wo allerdings auch noch reichlich alte Uhrwerke der Baltika auf Lager waren. Damals war das ja kein Grund zur Aufregung. Die Fabrik war die selbe, das Uhrwerk war das selbe, nur mußte die Uhr plötzlich einen anderen Namen tragen. Kurios erscheint uns das nur heute, 55 Jahre später, als Sammler oder Liebhaber,

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Hier wieder eine Uhr aus der Zeit vor 1961, also vor der Umbenennung in Raketa. Diese Uhr hieß „РОССИЯ“, also Russland und war mit einem 2609 mit 21 Lagersteinen ausgestattet. Werksbezeichnung wie damals üblich ПЧЗ für Uhrenfabrik Petrodworez. Die gehört auch zu meinen Lieblingsuhren.

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Links: Diese vergoldete Raketa (Raketa Katalog 1968 Produkt Nr.:653284) verbirgt unter ihrem Rückdeckel ein sehr schön verziertes Uhrwerk Kaliber 2609.1. Dieses Muster nennt sich Guillochierung und ist nur vereinzelt in Uhren dieser Jahrgänge zu finden. Nach welchen Kriterien diese verzierten Werke verbaut wurden, ist mir unbekannt. Rechts ist eine ebenfalls vergoldete Raketa mit gleichem Kaliber 2609.1 und gleichem Baujahre (Katalog 1968 Produkt Nr.:653237) zu sehen, deren Werk keine Verzierung trägt.

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Dies ist meine erste Raketa aus der schwer zu findenden “Atom” Serie. Das heißt, man findet eigentlich immer wieder eine, aber entweder in schlechtem Zustand, verbastelt oder zu Mondpreisen. Oder alles zusammen auf einmal. Diese hier befindet sich in einem erstaunlich gutem und schönem Zustand, läuft hervorragend, ist aber, mußte ich feststellen, nicht einfach einzustellen. So gut sie auch abzulesen ist, so schwierig finde ich es, sie minutengenau zu richten, was am ungewohnten Design des Ziffernblattes liegt.  Insgesamt aber eine wahrlich hübsche Uhr, die das bewährte Kaliber 2609Б enthält. Diese “Atom” gibt’s in zwei verschiedenen Gehäusen jeweils in den Ausführungen Chrome oder Gold und einer Ausführung mit Ziffernblatt in Champagne. Ausführungen mit Chromgehäuse und Goldzeigern oder umgekehrt sind nicht Original. Im Gehäuse mit 20mm Bandbreite befindet sich immer ein 21 Steiniges Werk, ins Gehäuse mit 18mm Anstoß gehört ein Werk mit 16 Steinen. Mehr Infos zum Auseinanderhalten einer echten “Atom” von einem Bastelwastel finden sie HIER

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In der Mitte eine RED 12 von Raketa. Die rechte Uhr ist offenbar sowas wie eine Hommage an die Sowjetzeiten und wurde nach 1991 gebaut. Etwas kurios dran ist, dass die Ziffern schief sind, wenn man die Uhr normal anschaut, was ein Mitglied eines großen internationalen Uhrenforums zur Aussage veranlasste „Das wird nach dem dritten Vodka eh wieder grade“. Alkoholismus war angeblich ja eine natürliche Zwischenstufe auf dem Weg vom Sozialismus zum Kommunismus.Rechts eine Raketa 2609HA vergoldet aus den 80er Jahren.

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Von links nach rechts: Olympia Moskau 1980, Russlschische Flagge, Hammer und Sichel, Big Zero Peterhof und ganz rechts “Glasnost & Perestroika” in kyrillischen und lateinischen Buchstaben geschrieben.

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Links sehen wir zwei Uhren aus meiner Big Zero Sammlung, die Uhr daneben, eine “Raketa СОЮЗ”  (Name steht in der stilisierten Rakete und bedeutet Vereinigung oder Union) ist etwas besonderes. Nach Aussagen eines ehemaligen Mitarbeiters der Firma Raketa wurden diese Uhren nach Feierabend zum Spaß nur für Mitarbeiter dieses Uhrenherstellers gebaut. Sie war in dieser Form also kein offizielles Produkt und sind deshalb natürlich auch in keinem Katalog zu finden. Diese Uhren stammen aus den späten 70er und frühen 80er Jahren und wurden von der Belegschaft nach Schichtende für sich selber und zum Spaß gebaut, die Basis für diese Kreationen waren offizielle Uhren aus der laufenden Produktion, daher gibt es sie auch in einigen unterschiedlichen Ausführungen, nur der farbliche Verlauf der Lackierung und die stilisierte Rakete sind ihnen gemeinsam. Offenbar waren solche “Schwarzproduktonen” damals schon recht einfach und ohne Aufmerksamkeit zu erregen durchzuführen. Vermutlich mit Wissen der Vorgesetzten, die dafür Uhren bekamen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion war “Schwarzarbeit” gang und gäbe, weil oft mangels Gelder keine Löhne bezahlt wurden, und von irgend etwas mußten die Arbeiter ja leben. Also stellten sie nach Ende der offiziellen Arbeitszeit für den Privatverkauf Uhren her. Heute nennen sich solche Uhren in internationalen Uhrenforen “Flight by night production”. Die Uhr rechts außen ist eine sogenannte Windrose oder englisch “Raketa Wind Rose” (Raketa Katalog 1988 Modell 6661899) mit einer separaten Krone zum Drehen der äußeren Lünette, um mit Hilfe des Sonnenstandes die Himmelsrichtung bestimmen zu können. Dieses Modell findet sich auch noch im Katalog von 1992, wurde also zumindest bis in die 90er Jahre hinein gebaut.

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Zwei Mal Raketa Kopernikus, im Internet leichter unter dem englischen Namen “Raketa Copernic” zu finden, wurde schon in der Sowjet-Zeit gebaut und hielt sich bis weit in die 90er Jahre hinein. Es gibt sie mit einigen unterschiedlichen Ziffernblättern in weiß und schwarz mit den Zeigern ebenfalls in unterschiedlichen Farben und Formen. Genau die Zeiger sind das Besondere an dieser Uhr. Sie zeigen, wie sich die Erde um die Sonne und der Mond dabei um die Erde dreht, wie es Kopernikus im 16. Jahrhundert zum Mißfallen der Grünen, äh, der katholischen und evangelischen Kirche erklärt hatte. Die Grünen gab’s damals noch nicht.
Auf den ersten Blick scheint die Zeitanzeige durch diese Art von Zeiger etwas verwirrend, aber nach einer kurzen Gewöhnungsphase ist das dann nicht anders als bei jeder anderen Uhr auch. Gemeinsam ist diesen Uhren das Kaliber 2609HA, in zahlreiche Modelle, wie auch in diesen Beiden, wurde die Präzisionsversion 2609НП verbaut. Ich könnte mir gut vorstellen, dass sich diese Kopernikus in meiner kleinen Sammlung auch noch etwas vermehren werden.

Das war’s vorerst einmal vom Kaliber 2609 aus Petordworez.

Ps: Manche Fotos von Uhrwerken in diesem Blog sind Foto der Verkäufer, und nicht von mir selber aufgenommen. Ich öffne zwar die Uhren nach Erhalt, um mich vom Inhalt zu überzeugen, mach das aber nicht gerne zu oft und hab dabei nicht jedes Mal gutes Fotolicht. Jede Öffnung birgt auch die Gefahr einer Beschädigung. Die hier im Blog gezeigten Uhrwerke sind nichts desto trotz allesamt Uhrwerke von meinen eigenen Uhren und deshalb ausnahmslos in meinem Besitz!

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2 Comments »

  1. Ich finde deine Raketa Uhrensammlung sehr beeindruckend!Ich besitze auch mehrere russische Uhren, die im Allgemeinen m.E. in ihrer Qualität in der westlichen Welt sehr unterschätzt werden! Die von dir angesprochene Raketa mit schwarzem „Waffelzifferblatt“ in Chrom, die dir u.a. fehlt mit 21 Lagersteinen, besitze ich. Ansonsten Gratulation zu deiner sehr gelungenen Darstellung der Historie der Raketa Uhren.

    Kommentar von Metzger Volker — 6. März 2016 @ 16:39

  2. Danke.
    Ja, komisch. Irgendwie sind wir mit dem „Wissen“ aufgewachsen, drüben, auf der anderen Seite des Zaunes, ist alles schlecht, ergo mussten selbstverständlich auch die Uhren schlecht sein. Wenn man die systembedingten Hindernisse mit in die Rechnung nimmt, waren die sowjetischen Uhren sogar sehr gut. Aber oft genügt ja schon, dass etwas anders als gewohnt ist, um es als schlechter zu sehen.
    Schöne Grüße Hannes

    Kommentar von Benzin — 8. März 2016 @ 16:12

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