Benzins Motorradseiten Erlebnisse mit dem Motorrad

29. Juni 2015

Yamaha FZR 1000 EXUP – 25 Jahre mit Mariechen

Filed under: Benzins Motorräder - Freud und Leid — Benzin @ 23:17

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  Fabrikat: Yamaha – Type: FZR 1000 Exup 3LE  – Baujahr: 1990
Erstzulassung: 5. 6. 1990 – Besitzer: 1
Kilometerstand: 73024km

Unglaublich, wie die Zeit vergeht.
Im Mai 1990 ging für mich ein Traum in Erfüllung. Zum 30. Geburtstag hatte ich mir eines der stärksten und schnellsten käuflichen Motorräder der Welt zugelegt, eine Yamaha FZR 1000 Exup. Das war allerdings purer Zufall und nicht geplant, denn eigentlich hatte ich, ja, wie soll ich’s sagen, eine Suzuki GSXR 1100R bestellt. Ein halbes Jahr hatte der Händler Zeit, sie zu besorgen. Ein halbes Jahr hatte er auch Zeit, meine Kawasaki GPZ900R zu verkaufen. Die Kawa war im Mai verkauft, die Suzuki, die ich bekommen sollte, allerdings auch. Und das machte mich böse. Sehr böse!

25_years_yamaha_fzr1000exup_01 Ich gab dem Händler eine angemessene Zeitspanne, mir das bestellte Motorrad zu besorgen, dann stellte ich ihn vor ein Ultimatum. “Lies einmal deinen eigenen Vertrag, und dann stellst du mir entweder das bestellte Gerät her, oder du legst das Geld für die Kawa auf den Tisch!” Ja, ich wollte die Suzuki. Ich hatte ein halbes Jahr davon geträumt, eine blau/weiße GSXR 1100R zu fahren. Und jetzt stand ich vor der Tatsache, dass er alle, die er bekommen konnte, an seine Stammkunden verkauft hatte, und mich, den Trottel aus Amstetten, ließ er warten. Aber der Trottel aus Amstetten wollte nicht noch länger warten, er setzte sich zur Wehr. Allerdings, eine Suzuki konnte dieser Händler in der Tat nicht auftreiben, denn die verkauften sich wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. In seiner Verzweiflung bot er mir eine Yamaha an. “Ich besorg dir bis Montag eine FZR, wenn du willst. Ich werd’ eine auftreiben.” “Ok”, sagte ich, „dann eine FZR. Ich will sie aber in anthrazit haben. In keiner anderen Farbe!” “Abgemacht. Am Montag steht sie da.” Das war an einem Freitag.

Wo er sie her nahm, weiß ich nicht, aber am Montag stand eine anthrazitfarbene, funkelnagelneue Yamaha FZR 1000 Exup bereit. Ich holte die Papiere, meldete sie an, fuhr wieder nach Oberösterreich, wo der Händler damals residierte, und fuhr damit Heim. Am nächten Tag ging ich zur Arbeit, zog mich nach der Arbeit um, stieg auf das neue Motorrad, fuhr unsere Straße entlang bis zur Querstraße, bog rechts ab und wurde 300m weiter von einem Straßenbauarbeiter, der offenbar den ersten mit dem Retourgang verwechselte, abgeschossen. Zum Ausweichen war kein Platz, weil die Gegenfahrbahn von einer Fräsmaschine blockiert war. Peng, flog ich übers Auto und lag auf der Straße. Die Yamaha ebenfalls. Schwer beschädigt, mit 182km am Tacho. 25_years_yamaha_fzr1000exup_02

Ein alter Bekannter, Versicherungsvertreter vom Beruf, organisierte durch einen damals neuen Händler aus Kematen, den es schon längst nicht mehr gibt, einen Bus, der das kaputte Fahrzeug holte, und dieser neue Händler bot mir an, die beschädigte Maschine zurück zu nehmen und mir dafür eine funkelnagelneue anthrazitfarbene FZR zu beschaffen. Den Schadenersatz aus der Versicherung sollte er bekommen. Und genau so war es.

Wo er die Maschine her hatte, war mir anfangs schleierhaft, aber er war ganz einfach zum Importeur gefahren und hatte eine Kiste mit einer funkelnagelneuen FZR eingeladen. “Du kannst dein neues Motorrad holen”, sagte er mir am Telefon. Keine 15 Minuten später stand ich davor, frisch aus der Kiste, frisch zusammengebaut, null Kilometer. Nur starten konnte man sie nicht. In seiner Begeisterung, mir das neue Motorrad auszuhändigen hatte er vergessen, die Batterie zu laden. “Dann nehmen wir einfach die aus der Unfallmaschine”, meinte ich. Die stand ja, etwas traurig und verbogen, direkt daneben. Gesagt, getan. Zweimal Sitzbank runter, Batterie raus, Batterie rein, Sitzbank zu, und fertig. Noch etwas Benzin rein, und schon sprang sie an. Ich rollte die ersten Kilometer, überprüfte alle Funktionen, war zufrieden und nahm sie mit.

Genau am nächsten Wochenende fuhr ich damit, auf 100Ps gedrosselt, wie es damals üblich war, zum Motorrad GP am Salzburgring. Sie hatte grade einmal 350km am Tacho und lief bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal Vollgas. Das war natürlich noch etwas lahmarschig, aber man konnte erahnen, was in ihr steckte. Konnte man das? Na ja. Ich bildete es mir ein. Wenig später fuhr ich damit nach Ried in Oberösterreich zum ersten Service und ließ sie bei dieser Gelegenheit gleich entdrosseln. Bei uns im Raum Amstetten gab’s damals, soweit mir bekannt war, weit und breit keinen Yamaha Händler. Was mich bei der Heimfahrt erwartete, hatte allerdings mit dem Motorrad, mit dem ich hin fuhr, kaum mehr etwas gemeinsam. Die 120km zurück nach Amstetten waren so ziemlich das geilste, was ich bis dahin auf einem Motorrad je erlebte. Die Kiste schien kein Limit zu haben. Egal, welche Geschwindigkeit ich fuhr, ich brauchte nur am Gasgriff umzudrehen, und das Ding schob vorwärts, als gäbe es kein Morgen! Ja! Das war mein Traummotorrad! Zwar keine Suzuki, aber etwas dermaßen brutales, wie ich es zuvor noch nie erlebt hatte. Genau sowas hatte ich mir gewünscht, aber lange nur davon zu träumen gewagt, denn der Preis war hoch. Nun war der Traum Realität, und ich war glücklich.

25_years_yamaha_fzr1000exup_04 Im Winter 2008/09 hab ich Mariechen zerlegt und renoviert. Alle Fahrwerkslagerstellen wurden erneuert und angepasst, die Schwinge überarbeitet, Federelemente erneuert oder überarbeitet, Verschleißteile wie Bremsen getauscht und sonst einiges verbessert und erneuert, nicht nur um der Funktion, sonder auch um der Schönheit Willen. Etwas aufgehübscht mit anderen, bunten Fußrasten, eloxierten Anschlüssen für die Bremsleitungen, einigen güldene Titanschräubchen und dergleichen, ein paar spröde Verkleidungteile, die sich leider wegen ausdünstender Weichmacher nicht vermeiden lassen, wurden geklebt und so weiter, bis sie hübsch war, wie ich mir das vorstellte. Nur die paar Kratzer, die sie von saublöden Stürzen davon trug, hab ich gelassen. Viel war ja dabei nicht passiert, denn sie lag ja jedes Mal auf mir drauf. So tragen wir beide unsere Erinnerungen aus diversen Uneinigkeiten, die sich im Laufe einer langen Beziehung ergeben. Heute fahr ich mit Mariechen nicht mehr schnell. Sie hat es sich verdient, behutsam behandelt zu werden. Mariechen war und ist ein sehr gutes Motorrad. 25_years_yamaha_fzr1000exup_03

Heute ging ich in die Garage, hab Mariechen abgedeckt, aus der Garage geschoben, sie auf den Motorradheber gestellt und gewaschen. Ich war heuer schon einige Male mit ihr unterwegs, zum Teil schon um 5 Uhr am Morgen. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl für mich, mit diesem Motorrad zu fahren. So viele Erinnerungen werden da wach, so viele Erlebnisse kann ich dann abrufen. Ich spür förmlich noch, wie es war, als wir beide noch ……….
Ach, lassen wir das. Das bleibt unter uns beiden. Als sie frisch gewaschen vor mir stand, fotografierte ich sie. Ich fotografiere sie sehr oft, fällt mir auf. Eigentlich ist es seltsam. Egal, wo ich hin fahre, egal, wie lange die Tour, eine Tagestour natürlich, weil bequem ist Mariechen bei Gott nicht, ist, wenn ich anhalte und einen Kaffee trinke, oder einfach nur die Landschaft bewundere und eine rauche, dann schau ich meistens gar nicht die Gegend an, sondern Mariechen. Ich geh rund um sie herum, schau mir alles an, und was ich sehe, gefällt mir. Auch heute noch, 25 Jahre später. Ich kann mich an ihr kaum satt sehen. Ich glaub, das sind gute Voraussetzungen für weitere 25 Jahre. Dann bin ich allerdings 80. Und Mariechen 50. Mal sehen, ob wir dann noch zusammen fahren können.

Mehr und genaueres über Mariechen gibts HIER zu lesen.

Ps.: Wieso heißt dieses Motorrad eigentlich Mariechen?
Na, ja. Das ist so eine Sache wie die mit Thomas Neuwirth und Conchita Wurst. Wobei es damals, als das entstand, den Herrn Conchita Neuwirth noch gar nicht gab und mir der Song Contest genau so egal war wie heute.
Ich hab seit sicher 23 Jahren am Schlüssel dieses Motorrades einen emaillierten schwarzen Kater hängen. Kater sagte ich allerdings nie. Irgendwann nannte ich sie, die FZR, dann Mizi, abgeleitet von Miezekater, was mir aber mißfiel, weil Mizi eine Verballhornung von Maria ist, und diesen Namen sollte man meiner Meinung nach nicht verschandeln. So wurde auf mir heute selber unerklärliche Weise aus dem Miezekater das Mariechen, und dabei bleibt es.

2 Comments »

  1. Na dann freue ich mich schon mal auf die Ansprache zur „Goldenen Hochzeit“ wenn Du 80 bist. 😉

    Kommentar von Rocco — 29. Juni 2015 @ 23:35

  2. Ach, du heiliger Gott, der schon wieder. Bin noch gar nicht richtig fertig, und schon ein neuer Kommentar. 🙂
    Rocco, du kannst mit deiner dann ja mitfahren, wenn ich 80 bin und Mariechen 50.
    Schöne Grüße

    Kommentar von Benzin — 30. Juni 2015 @ 0:16

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