Wir haben jetzt seit Anfang November Winter. Mehr oder weniger zumindest. Täglich Minusgrade sind normal, Schneefall keine Seltenheit. In Lagen über 600m geht der Schnee überhaupt nicht mehr weg, weil die Tageshöchsttemperaturen 3°C praktisch nie überschreiten. Allerdings herrscht in tieferen Lagen, Amstetten liegt auf nur 275m Seehöhe, mehr der Dreck als schöner Schnee. Es ist immer so ein Zwischending zwischen wunderschönem Neuschnee und einer verheerenden Dreckschlacht (auf Waldwegen jedenfalls), mit dem man sich herumschlagen muß. Aber da ab etwa 700m Plusgrade eher eine Seltenheit sind, kann man, wenn man den richtigen Tag abwartet, einen schönen Ausflug wagen. Und genau das machten wir am 8. Dezember.
Wir sind ja praktisch jeden Tag unterwegs. Eddie und ich drehen immer wieder unsere Runden. Einmal hier, einmal da, über Wiesen und Felder und durch Wälder. Und wir beobachten den Wetterbericht genau, um so einen Tag wie diesen nicht ungenutzt verstreichen zu lassen. Am Mittwoch (8. Dezember und Feiertag) war blauer Himmel und Sonne angesagt bei tiefen Temperaturen deutlich unterm Gefrierpunkt. Also genau richtig für eine schöne Bergwanderung, bei der wir uns nicht all zu weit von daheim entfernen müssen. Und weil wir in unmittelbarer Nähe von Amstetten keine Berge haben, die sich zum Wandern eignen, weichen wir bei solchen Gelegenheiten in den Raum Waidhofen bis Ennstal aus. Dort sind schöne Höhenzüge, die sich bis über die tausend Meter Marke erheben, ergo Schneebedeckt sind, die Temperaturen unterm Gefrierpunkt den ganzen Tag über halten können und die punkto Wandern was zu bieten haben. Und einer dieser kleinen wanderbaren Juwele ist der Sonnberg bei Oberland.
Der Sonnberg zieht sich von der Stadtgrenze von Waidhofen an der Ybbs bis unmittelbar hinter Gaflenz dahin, das sind Luftlinie etwas mehr als sechs Kilometer. Über die gesamte Länge, vom Aufstieg auf einer Seite bis zum Abstieg auf der anderen Seite, ist eine Wanderung einem Kamm entlang möglich, dazwischen gibt es mehrere Möglichkeiten, nach Nordwesten oder Südosten über einen der Nebenkämme abzusteigen. Teilweise sind die Wege gekennzeichnet, teilweise ungekennzeichnet und Einheimischen sind mit Sicherheit Auf- und Abstiege bekannt, die man sich erst durch viele Begehungen und beherzter Sucherei aneignen kann. Einige dieser unbezeichneten Wege hab ich (oder haben wir, wenn wir alle drei zusammen unterwegs sind) schon erkundet, und eine dieser Varianten war für diesen wunderschönen Wintertag geplant.
Route: Aufstieg bei der sogenannten “Türkenschanze” genau beim Eisenbahndurchlass rechts der Bundesstraße (in Fahrtrichtung Weyer). Abstieg vom Sonnbergspitzl durch einen Holzschlag und anschließenden bewaldeten Kamm bis zum Ortsanfang Gaflenz. Rückweg quer über die verschneiten Wiesen entlang der Hochspannungsleitung.
Zeitaufwand: ziemlich genau vier Stunden mit allen Pausen.
Prädikat: Märchenhaft!
8:32 Uhr: Bei der Abfahrt daheim (so um 8 Uhr herum) war der Himmel stark bewölkt, es war dunstig und die Außentemperatur betrug -2°C. Ab Waidhofen war der bis auf einige kleine Wolken blau und die Sonne leuchtete. Sie spendete aber nur Licht und keine Wärme. Temperatur beim Abmarsch -6°C Wir folgen dieser Straße, die sich nach ein paar Meter zu einem Schotterweg verengt bis zur Engstelle am Waldrand.
Am Waldrand ist der Steig, der zum Weißen Kreuz führt, nicht nur durch einen Wegweiser gekennzeichnet, sondern auch optisch klar zu erkennen. Gegangen ist da heute noch keiner. Die Spuren, die man hier sieht, stammen vom Wild, daß diesen Steig offenbar ebenfalls nutzt.
Gleich am Anfang geht’s hier ja recht steil zur Sache, dann beruhigt sich die Sache aber auch wieder und der Weg mäandert in Serpentinen recht genüsslich zum Kamm, dem man dann bis hinauf zum Hauptgrat folgt. Zum Vergrößern einfach auf die Bilder klicken.
Wir haben die Querungen hinter uns gebracht und sind jetzt am Kamm, dem wir bis rauf folgen werden. Das Gelände ist hier ein Stück relativ flach, fast eben, um dann wieder in einem zweiten (und später in einem dritten) Aufschwung steil nach oben zu führen. Trotzdem wir die erste Spur ziehen, ist der Weg nicht mühsam. Der Schnee ist nicht tief, Dank der tiefen Temperaturen knackig und trocken. Es macht unheimlich Spaß, hier zu gehen. Man muß nur ein wenig aufpassen, weil manchen Wurzeln im steileren Gelände vereist sind, was man durch die Neuschneeauflage nicht sieht. Merkt man erst, wenn man abrutscht.
Der zweite Steilaufschwung ist geschafft. Der Kamm, auf dem wir uns bewegen, ist zwar bis hinauf bewaldet, trotzdem gibt es immer wieder einen schönen, wenn auch etwas verdeckten Ausblick auf die Umgebung. Wir sind recht gut unterwegs.
Auf geht’s in Richtung zum letzten Steilaufschwung, der mir heute gar nicht so elendig vorkommt. Man merkt, daß ganze Jahr Training zeigt Wirkung.
9:39 Uhr. Nicht ganz 70 Minuten waren wir bis hierher unterwegs. Rechts gehen wir jetzt flach bis leicht fallend bis zum Gipfelaufbau und ersteigen dann das Weiße Kreuz, dann steigen wir den selben Weg wieder ab, kehren hierher zurück und gehen dann (von hier aus gesehen) links weiter zum Sonnbergspitzl. Aber zuerst einmal gehen wir jetzt wie gesagt rechts zum Weißen Kreuz.
Hier herrscht tiefer Winter. Neuschnee hat die Spuren im Altschnee zugeschneit und je weiter wir hoch kommen, desto mühsamer wird das Vorwärtskommen für Eddie mit seinen kurzen Beinchen. Wie ein Dachs wühlt er sich durch den tiefen Schnee bis zum Gipfel vor. Es ist eine Freude, ihm dabei zuzuschauen. Mein kleiner Schatz ist genau so begeistert von dieser Märchenwelt wie wir.
Im Bereich des Gipfelaufbaues ist der Schnee wirklich tief. Die alten Spuren sind komplett verweht und der mehlige Schnee trägt Eddie nicht mehr. Aber einen Terrier kann sowas nicht aufhalten!
9:48 Uhr am höchsten Punkt der Sonnbergkette. Mit seinen 969m liegt das Weiße Kreuz grade noch auf oberösterreichischem Gebiet. Der Gipfel des Glashüttenberg (868m), eine gute halbe Stunde östlich von hier, liegt in Niederösterreich.
Gipfelfoto. So viel Zeit muß sein. Die Lodengamaschen (vom Loden Landl in Hollenstein) haben sich hervorragend bewehrt. Hose trocken, Beine warm. Ich bekomm da nix dafür. Es ist einfach ein gutes und sinnvolles Produkt und noch dazu aus der Heimat.
Wir bewundern die schöne Landschaft, ziehen uns dann im Schutz von ein paar Bäumen (hier weht der Wind bitter kalt) unsere naßen Unterleiberl um und steigen dann wieder zur Kreuzung ab, wo wir raufgekommen sind.
Links aus Oberland sind wir rauf gekommen, nun gehen wir dem Kamm folgend weiter, bis wir das Sonnbergspitzl erreicht haben. Zuerst einmal gehts einige Höhenmeter abwärts.
Da ist sogar das Bild noch ein wenig unscharf, weil es am Gipfel so kalt war (oder so ähnlich ist die Ausrede dafür). Eddie schaut schon wieder immer mehr aus wie Reinhold Messner in seinen besseren Zeiten.
Das macht im Winter genau so viel Spaß wie im Sommer.
Ein Stück lang war eine Spur zu sehen, die von jemandem stammte, der heute hier ging, vermutlich ein Jäger, dann waren wir wieder die ersten, die hier Spuren im Schnee zogen. So eine unberührte Winterlandschaft ist ein Wahnsinn!
Wir erreichen einen Kahlschlag, von dem man schön runter schauen kann.
Blick über Oberland, dahinter das Skigebiet der Forsteralm. Von hier aus stiefeln wir nochmals eine Steigung hoch und erreichen den höchsten Punkt des Sonnbergspitzl (900m), dann steigen wir ein kleines Stück ab und rasten bei Bank und Kreuz, bevor es wieder runter geht.
11 Uhr. Sonnbergspitzl 900m (na ja, ein wenig weiter hinten, siehe Bild links oben, war der höchste Punkt).
Es ist hier nicht sonderlich kalt. -2°C und windstill ist recht angenehm.
Gesund, fit und und zu keinen medizinischen Versuchen an meinem Körper bereit.
So, auf geht’s nach unten! Das verleitet wieder zum laufen wie schon einmal heute. Es ist einfach voll geil, auf so einer Schneeauflage abwärts zu laufen, aber wir halten uns zurück. Wir wollen die schöne Landschaft noch so lange wie möglich genießen.
Man muß beim Abstieg vom Sonnbergspitzl nur ein wenig nach links schauen. Sobald man diesen Kahlschlag sieht (wo jetzt das farbige Band am Baum hängt), steigt man einfach über die steile Leiten zum Nebenkamm ab und folgt dem bis nach unten.
Vom blauen Himmel ist hier grade nix mehr zu sehen. Es ist etwas duster und kalt geworden.
Der Kamm ist über weite Strecken wunderschön zu gehen. Erst beim Endabstieg zur Wiese wird es wieder steil und rutschig.
Und dann passiert was wunderbares. Trotzdem der Endabstieg auf die Wiese am Ortsende von Gaflenz einigermaßen steil und rutschig ist, fallen wir heute nicht, wie sonst so oft heuer, aus dem Wald heraus in die Zivilisation, sondern gehen aufrechten Schrittes. Das ist einmal was ganz anderes. Jetzt queren wir dort unten bei einem Holzbrückerl das Bacherl, dann zwicken wir uns durch einen offenen Weidezaun, überqueren eine Wiese und folgen der Hochspannungsleitung bis zur Unterführung an der Eisenbahn in Oberland.
Die Hochspannungsleitung, der wir folgen und zum Abschluß nochmals ein Blick zum Weißen Kreuz, dem höchsten Punkt des Sonnbergkamms. Nach knapp vier Stunden zieh ich mich beim Auto nochmals um, daß der Dampf aufsteigt, dann fahren wir gemütlich Heim. Eigentlich schade. Wir hätten genug Zeit gehabt, um auch zum Glashüttenberg zu gehen. Wäre hin und zurück eine Stunde mehr gewesen. Andererseits könnte das an einem schönen Wintertag eine neue Tour am Sonnberg werden. Türkenschanze, Weißes Kreuz, Glashüttenberg und Abstieg am Kamm vor Waidhofen an der Ybbs. Hab ich im Sommer schon einmal mit Eddie gemacht. Im Winter ist das ganz was anderes. Wir freuen uns drauf.