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6. April 2021

2021. 04. 05. Rapoldeck 1195m–Schrabachauer Kogel 1321m Überschreitung

Filed under: Bergwelten - Wanderungen und Ausflüge — Benzin @ 12:52

Strecke: Weyer Eckerbauer Ende Asphaltstraße/Beginn Güterweg – Gratweg – Rapoldeck 1195m – Schrabachauer Kogel 1321m – Sautalriedel – Schwarzkogel 994m – Hirtner Riedel – B115 – Kleinreifling – Mooswirt – Großloiben – Hangl – Weyer Rapoldeck 110 – Mit Auto zurück zum Ausgangspunkt.
Dauer: Rund 9 Std. 20 min. mit vielen Pausen und schauen

Erstens kommt es anders zweitens als man denkt. Ich hab das immer für ein blödes Sprichwort gehalten. Bis zum Ostermontag.
Der Name Schrabachauer Kogel war mir bis vor kurzem genau so wenig ein Begriff wie der Name Rapoldeck. Wie ich schon beim Aufstieg zum “
Weißes Kreuz” bei Oberland sagte, war ich an diesen Bergen ich weiß nicht wie oft, auf jeden Fall seit über 40 Jahren vorbei gefahren und hab sie mehr oder weniger nie beachtet. Es waren bewaldete Hügel und Bergketten am Rand der Straße, nicht mehr. Daß eine Wanderung durch diese Wälder wunderschön sein könnte, daß eine Wanderung am Kamm dieser Berge wunderschön sein könnte, daran dachte ich gar nicht. Diese Hügel, diese Berge waren einfach zu klein, um bei mir Interesse zu wecken. Das soll man jetzt bitte nicht falsch verstehen. Ich war und bin nicht größenwahnsinnig. Ich hatte nur zu wenig Zeit für alle Berge in der Umgebung. Ich mußte mir aussuchen, was ich in meiner Freizeit machen konnte, und da gehörten diese bewaldeten Berge einfach nicht dazu. Leider. Heute weiß ich genau diese bewaldeten Berge zu schätzen, oder nein, heute liebe ich sie. Ich hab mich geändert und meine Sicht auf alles rund um mich herum hat sich verändert. Das ist alles.
Nach einer langjährigen Pause, nach über einem Jahrzehnt Pause, erwachte allerdings durch seltsame Umstände meine Leidenschaft für’s Wandern wieder, und da ich ja nicht mehr die Kondition und vor allem die Kraft hatte, wie früher, begann ich mit kleineren Besteigungen und Wanderungen, und hier erst erkannte ich die Schönheit dieser Kleinode. Und diese meist von den Touristenmassen verschmähten Berge liegen noch dazu, fast, vor meiner Heimat. Ich meine, Amstetten liegt ja nicht unbedingt am anderen Ende der Welt. Und als ich vor kurzem mit Eddie am Falkenstein saß und ins Ennstal schaute, fand ich diesen breiten Klotz gegenüber so anziehend wie einen Magnet. “Diesem Schrabachauer Kogel werd ich demnächst aufs Dach steigen”, dachte ich mir, und dieser Gedanke ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich las im www. über diesen Kamm, schaute mir die Karte an und plante, und als der Gedanke reif war, frug zufällig Sonja, ob ich am Ostermontag Zeit und Lust auf eine Tour hätte. “Ja”, antwortete ich, “ um 8 Uhr Abfahrt zum Schrabachauer Kogel”. Einen Tag nach dieser Tour sanken die Temperaturen wieder zum Nullpunkt, es schneit und alles hat sich wieder in eine Winterlandschaft verwandelt. Es war genau der richtige Tag für so eine schöne Tour.

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Wer will, kann gleich am Anfang eine Rast einlegen.

Um halb neun hatten wir das Auto in Weyer oberhalb der Kirche am Ende der Zufahrtstraße Eckerbauer abgestellt, die Wanderschuhe angezogen, den Rucksack umgeschnallt und den Hund an die Leine genommen. Abmarsch zu einer netten Wanderung, und damit wir nicht zu Mittag schon wieder zurück sein würden, gingen wir die Sache von Anfang an gemütlich an und nahmen uns genug Zeit, um uns alles genau anzuschauen. Ich hab mich ehrlich gesagt noch selten dermaßen verschätzt, aber, wie ich ja schon sagte, ich bin auch etwas aus der Übung mit solchen Sachen.

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Zuerst geht’s auf einer Güterstraße durch den Wald zu einem Haus und zu einer Hütte, die praktisch bei keinem Wanderbericht im Internet über diese Tour fehlt. Was dort die Aufmerksamkeit auf sich zieht, sind die Totempfähle nach Indianerart, die hier in Weyer etwas skurril wirken. Wesentlich schräger fand ich persönlich die Warnhinweise auf kreuzende Elche oder gar kreuzende Kamele, die an einen Pflock und an einen Baum am Wegrand genagelt sind. Dann geht’s in den Wald und bergauf. Relativ steil bergauf, aber nicht so steil, wie ich nach den Erzählungen anderer Wanderer erwartet hatte. Vor allem weiter oben, wo sich der Weg kurz teilt mit dem Hinweis, rechts würde es sich um den Wadelbeißer-Steig und links um den Pensionisten-Steig handeln, mußte ich lachen. Auch diese Wegteilung war wesentlich kürzer als gedacht.

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Mein Schlumpf freut sich wie verrückt. Jetzt gehts loooooos…………

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Mit zunehmender Höhe wird der erste Restschnee sichtbar. Es hatte ja am Samstag, glaub ich war’s, recht überraschend nochmals geschneit.
(Ps.: Seit Dienstag ist wieder tiefster Winter!)
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Zwei Schlümpfe
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Etwas länger als gedacht zog sich der Marsch zum Marterl hin, das in der Karte eingezeichnet ist. Es liegt genau an der Kreuzung eines Forstweges, wie auf der Karte eingezeichnet. Dafür war die erste Wegkreuzung in der Karte nicht vorhanden und daher war ich erstmals etwas verwirrt. Aber gut, egal. Das Marterl war da, Forststraße auch, die Orientierung somit wieder hergestellt und es ging weiter. Bis hierhin war es recht angenehm warm und ich hatte meine Gore-Fleece Jacke schon im Rucksack verstaut, aber je höher wir stiegen, desto häufiger waren Restschneefelder anzutreffen und dann war sogar der Boden im Wald mit Schnee bedeckt. Nicht tief und schon gar nicht unangenehm, aber doch eher überraschend nach den letzten warmen Tagen. Hier empfand ich diese Wanderung auch schon wirklich wunderbar und Freude breitete sich aus. Es ist kein besonders dichter Wald, der absolut keine Ausblicke bietet. Es ist ein recht lockerer Wald und die Farben sind bunt wie im Herbst. Immer wieder sieht man zwischen den Baumstämme in die umliegende Landschaft, und Weyer liegt immer weiter unter uns.

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Das Marterl bei der Wegquerung.
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Es wird tatsächlich auch einmal ein wenig flacher.
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Ein hübscher Ausblick auf Gaflenz
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Tu mir nichts, ich tu dir auch nichts.
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Es wird wieder steiler
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Und noch ein bissl steiler
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Und dann noch ein bissl steiler, aber oben ist schon das Gipfelkreuz zu sehen.

Dann kommt ein recht heftiger, steiniger Steilanstieg und plötzlich ist zwischen den Bäumen das Gipfelkreuz vom Rapoldeck zu sehen. Wir haben unser erstes Ziel auf 1195m erreicht. Es folgt eine kurze Rast, natürlich ist auch Zeit für einige Fotos und ein wenig in die Gegend geschaut, dann geht die Wanderung am Kamm zum Hauptziel, dem Schrabachauer Kogel weiter. 45 Minuten sollen es von hier aus noch sein. Aber nicht, ohne vorher das naß geschwitzte Unterleibchen zu wechseln und wieder die Fleece-Gore Jacke anzuziehen, denn hier heroben ist es kalt. Hier heroben ist auch reichlich Schnee zu finden, und er wird mit dem weiteren Verlauf unserer Wanderung immer mehr. Das Gute an der Sache ist, daß dieser Schnee offenbar schon öfters aufgetaut und wieder gefroren ist und dieser Firn nun hart ist und uns trägt. Das Schlechte an der Sache ist, daß man Wegspuren praktisch nicht mehr sieht, weil alles unter der Schneedecke begraben liegt. Allerdings ist hier schon vor uns jemand heroben gewesen und hat seine Spuren hinterlassen, denen wir folgen können und uns damit recht oft die Suche nach dem Weg ersparen. Nein, es ist nicht wirklich schwierig, einem Kamm zu folgen. Dieser Kamm ist allerdings nicht so einfach, wie zum Beispiel der Kamm zwischen Weißes Kreuz und Sonnbergspitzl. Dieser Kamm ist mit Baumbewachsenen Hügeln und Felsen durchsetzt und daher ist es nicht oder kaum möglich, immer genau am Kamm zu bleiben. Aber das Gelände ist trotzdem immer wunderschön. Zumindest empfinde ich es so.

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Die letzten Meter zum ersten Ziel. Eddie führt, Sonja steigt nach und ich wurschtle mich halt irgendwie hinterher.

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Rapoldeck 1195m
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Die Aussicht kann sich durchaus sehen lassen.
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Dann kommt die Wegtafel, die den Weg zum Schrabachauer Kogel weist und zum Abstieg, der auch in der Karte eingezeichnet ist. 20 Minuten noch bis zum Ziel, sagt die Tafel. Diese Angaben sind bei Schnee natürlich relativ zu sehen. Ohne diese Spuren des einsamen Wanderers vor uns, der bis zum höchsten Punkt ging und dann wieder umdrehte, hätte das vermutlich erheblich länger gedauert, weil hier durch den Schnee absolut keine Wegspuren mehr zu erkennen waren und das Gelände hier nicht nur verwachsener wird, sondern ein Stück weiter vorne auch recht felsig und steil. Felsig und steil ist der Punkt, wo man weiß, jetzt nähern wir uns dem Ziel der Wanderung.

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Weitert geht’s am Kamm dem höchsten Punkt entgegen. Der Schnee wird immer tiefer, aber er trägt.
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Jetzt, am breiten Rücken, helfen uns die Spuren eines Wanderers, die Orientierung nicht zu verlieren.
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Dem Specht, der diese Löcher gehämmert hat, wollen wir lieber nicht begegnen.
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Die Gegend wirkt immer abgeschiedener, aber auch immer märchenhafter.
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Mein Schlumpf fühlt sich yorkiewohl. Unglaublich, welche Ausdauer der kleine Kerl heute wieder zeigt. Ist ja auch mein Goldschlumpf.
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Jetzt geht’s zum felsigen Grat hoch und Eddie führt. Manchmal muß ich ihn allerdings bremsen und umlenken, weil das, was er sich vorgenommen hat, geht nicht immer. Hier sollte man nicht ausrutschen.
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Jetzt wird’s cool. Das Ziel naht. Man spürt es direkt schon.
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Durch den Schnee ist der Aufstieg über die Felsstücke mit etwas Vorsicht zu genießen. Man kann nicht steil und tief abstürzen, aber man kann sich doch weh tun, wenn man sich blöd anstellt. Vor allem hab ich ja auch noch meinen Hund an der Leine. Eddie ist ein Yorkshire Terrier. Nein, keiner von der winzigen Sorte. Mein Eddie wog bei der letzten Abwaage 6kg. 3.2kg steht in der Züchterverordnung als Höchstgewicht. Eddie wusste das nicht und ist einfach weiter gewachsen. Dafür ist er mit einigem und vorsichtigem Training, das immer Spaß machen muß, eine richtige Bergsau geworden. Egal, ob Schnee oder Eis, ob Sonne oder Sturm, er will vorwärts und hinauf, da ist er nicht zu halten. Und dieser kleine Schlumpf war nicht nur der erste beim Gipfelbuch, daß am mittleren der drei Felsbuckel zu finden ist, sondern er war auch der erste am Gipfel des Schrabachauer Kogels. Berg Heil, mein Schlumpfhund.

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Jetzt muß ich schon sehr aufpassen, weil das für meinen kleinen Schlumpf schon sehr steil wird. Aber Eddie kann das.

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Meine Pflegerin von “Betreutes Wandern” am Grat. Gottlob sichert mich mein Hund mit der Leine.
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Unterwegs in steiler Höh, Hollarei Hoiduuliööööö………..
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Na? Is des Cool?
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Rückblick zum bewaldeten Rapoldeck
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Nach drei Stunden haben wir um halb zwölf bei Kaiserwetter den höchsten Punkt am Schrabachauer Kogel erreicht. Und noch ein Punkt war hier erreicht. Jetzt hatten wir an diesem Mugel einen Narren gefressen.
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Einmal ehrlich. Ist das cool?
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Ich hatte ja bei der Anreise davon geredet, daß wir entweder vom Gipfel zurück zum Abstiegsweg auf der Panoramastraße gehen könnten, oder wir überschreiten den ganzen Höhenzug, steigen dann komplett ab und gehen zum Bahnhof in Kleinreifling, um mit der Bahn zurück nach Weyer zu fahren. Dann müssten wir nur mehr den Ort durchqueren, zur Kirche hoch gehen und dann weiter bis ans Ende der Straße, wo unser Auto stehen sollte. Da hatten wir aber noch keine Ahnung, wie weit das wirklich ist. Aber im Grunde machten wir uns gar keine Gedanken. Das wird sich schon irgendwie ergeben, was wir machen, war unsere Devise. Und wie gesagt, jetzt hatten wir an diesem Mugel schon einen Narren gefressen und achteten gar nicht mehr auf viel, außer, daß es jetzt schön ist. Und so gingen wir in dieser schönen Landschaft einfach gen Süden weiter. Irgendwo hört der Berg ja auch einmal auf.
20210405_113601Weiter geht’s, noch immer am Grat entlang, sofern möglich.
20210405_114016Dann wird das Gelände nicht mehr wanderbar und wir müssen ein Stück runter.
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20210405_114028Noch ein schöner Tiefblick
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20210405_114940Hier hätten wir wohl rechts runter müssen, aber durch den tiefen Schnee waren keine Steigspuren zu sehen und es war auch im steilen Gelände, daß ein Stück weiter vorne begann, sehr unangenehm. Drum hab ich dort wieder umgedreht und wir gingen oben weiter.
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Perspektive eines kleinen Hundes.
20210405_120650Das soll angeblich eine Kerze werden, sagt Madam. Für mich Botanik-Niete schaut das mehr nach Salat aus. Plüschsalat.
20210405_120716Wieder oben am Kamm, liegt alles wild kreuz und quer in der Gegend herum. Da hat wohl nicht nur so manche Kettensäge, sondern auch so mancher Sturm gewütet.
20210405_121054Nochmals eine happige Steilstufe. Vor allem, wenn man kurze Beinchen hat.

Das, was da in der Karte 1.25 000 eingezeichnet ist, kann man in der Realität und bei diesen Bedingungen als Anhaltspunkt verwenden, verlassen kann man sich nicht. Wegspuren sind keine sichtbar. Forststraßen tauchen unvermittelt aus dem Nichts auf, als wären sie grade genau vor dir entstanden, um gar nicht weit entfernt wieder im Nichts zu verschwinden. Die Straße, die plötzlich vor dir angefangen hat, endet einfach irgendwo zwischen den Bäumen und du fragst dich, wie das möglich ist. Haben die die Baumaschinen, mit denen diese Wege gemacht wurden, mit dem Hubschrauber eingeflogen? Oder sind die Wege teilweise so alt, daß sie vom Wald “gefressen” wurden?

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Dort, wo der Berg langsam zu Ende geht, finden wir noch ein traumhaftes Plätzchen für die Mittagsrast.
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Ende im Gelände
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Mahlzeit
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Bei dieser Aussicht schmeckt das Essen gleich viel besser.

Weil es rechts vom Kamm, zum Ennstal zu immer sehr steil war oder weiter hinten, wo es nicht so steil war, der Hang sehr tief mit Schnee gefüllt war, zog ich es vor, mich eher links zu halten, denn bei Opentopomap.org hatte ich gesehen, daß es eigentich egal sein müsste, wo man absteigt, man würde immer auf eine Forststraße treffen, die den hinteren Teil des Berges umfasst und die uns irgendwie zur Schwarzkogelhütte führen müsste. Die Frage war, ob diese Karten mit der Realität übereinstimmen. Meine Karte aus Mitte der 90er Jahre zeigt mir, daß wir spätestens beim Sautalriedel runter zur Forststraße mußten, weil dann keine mehr kam, die uns um den Berg herum zum Ausgangspunkt zurückführen würde.

Blöd war nur, daß uns der Kamm, der nun schon schön über uns lag, nochmals zu einem Aufstieg verleitete, um zu sehen, wie der Ausblick von dort ausschaut. Das sind so Anfälle von Neugier, die uns immer wieder überwältigen. Ja, und das war halt so eine Idee, weil wir grade nichts besseres zu tun hatten und weil es auch noch nicht spät war. “Gehen wir da nocheinmal rauf und schauen wir runter”, sagten wir. Es war grade so gegen halb eins, als wir wieder oben am Kamm ankamen und eines der schönsten Plätzchen fanden, die man sich im Ennstal vorstellen kann. Und hier hielten wir eine ordentliche Mittagsrast mit Speck, Käse, Eiern und Brot, und Eddie schnorrte sich wieder eine Cabanossi und stillte seinen Durst. Dann saßen wir dort oben und waren glücklich. Jetzt, hinterher, denke ich, dieser schöne Aussichtsplatz war am Schwarzkogel auf 994m, ziemlich genau am südlichen Ende des Berges. Und im Nachhinein muß ich sagen, gottlob war hier der Berg zu Ende, sonst wären wir wohl in unserer Begeisterung bis Altenmarkt im Ennstal weiter gegangen. Es ist halt so. Wenn wir einmal richtig warm gegangen sind, dann sind wir halt schwer wieder zu bremsen.

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Ein schöner Rückblick auf unseren Wanderweg.

Beim Abstieg von unserem Aussichtsplatz sahen wir auch weiter unten eine Forstraße und ich dachte, daß wäre der Weg, der uns jetzt mit einigen Abzweigungen um den Berg herum zum Ausgangspunkt zurück bringen würde. Das war ein Irrtum. Ich wusste ja noch nicht, daß wir uns bis raus zum Schwarzkogel bewegt hatten. Dazu hätte man ja einmal den Verlauf der Enns neben und unter uns mit der Karte vergleichen müssen, und dazu war noch keine Zeit, weil wir gehen und schauen und fotografieren mussten. Eine Feststellung des Standortes war nicht so wichtig. Außerdem konnten wir ja auch schon sehen, daß hier der Berg zu Ende ging. Aber auf solche Kleinigkeiten hatten wir jetzt nicht mehr geachtet.

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Jetzt wird’s wieder steil.
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Blick durch den Wald ins Ennstal
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Da, ein schönes Stück unten, schimmert die Forstraße zwischen den Baumstämmen durch.
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Noch immer ist alles recht lustig. Es ist auch erst 13 Uhr. Noch fünf Stunden, aber das wissen wir hier noch nicht.

Wir folgen dem Forstweg und bogen bei einer Kehre rechts ab, um einem wesentlich schmälerem Weg zu folgen. Wenn ich jetzt unsere genaue Position gewusst hätte, wäre mir auch klar gewesen, daß dieser Weg in eine Sackgasse führt. Aber wir stiefelten dahin, der Weg ging leicht bergab, dann leicht wieder bergauf und wurde immer schmäler. Links von uns ging es sehr steil in den Wald hinunter, rechts von uns sehr steil bergauf, und wir dachten, zumindest ich dachte, wir wären am richtigen Weg und diese tiefe Rinne, die an uns vorbei führte, wäre die Rinne beim Sautalriedel. Was sich gleich hinter der nächsten Ecke als Irrtum herausstellte. “Dieser Weg wird ja jetzt direkt romantisch!” meinte ich noch eine Kurve zuvor mit einem ungutem Gefühl, als hätte ich eine Vorahnung. Dann bogen wir um ein Eck und der Weg war vor einer Felswand einfach zu Ende. Nur mehr sehr steiles, felsiges Gelände, das nicht begehbar war.

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Der Weg ins Nirvana
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Schöner Ausblick
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Zuerst direkt schon romantisch und immer schmäler, dann “rien ne va plus”
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Das war sie, die saublöde Sackgasse

Jetzt fischte ich die Karte aus der Hosentasche und schaute nach. Aha. Wir befanden uns offenbar genau dort, wo auf der Karte “Hirtner Alm” steht. Da ist eine Sackgasse eingezeichnet. Und wenn dem so ist, dann war auch klar, auf welcher Forstraße wir uns befanden. Wir waren am Weg zu diesem Betonwerk oder was das ist, in der langen Linkskurve bei der Anfahrt zum Kraftwerk, wo ich mit dem Motorrad oft sehr schnell unterwegs war. Ich meine, als ich noch jünger war, vor vielen Jahren. Ist sicher schon verjährt.

Ja, und so folgen wir halt dann zwangsweise der sehr langen Forststraße, kamen an einer recht schönen, direkt feudalen Jagdhütte vorbei, deren Besitzer offenbar grade mit seinem Geländewagen eintraf, und stiegen dann bis zur Bundesstraße ab. Hier, auf dieser Forststraße, hing auch Eddie zum ersten Mal die Zunge heraus, so lange zog sich das dahin.

Und dann standen wir bei der Bundesstraße und schauten etwas ratlos aus der Wäsche. Na klar, es war uns ja egal. Mußte uns auch egal sein. Aber wir fragten uns, wie wir in so kurzer Zeit so weit nach Süden gekommen waren. Wir waren fast beim Kraftwerk! Uns war einfach nicht aufgefallen, wie weit wir schon Richtung Süden gegangen waren. Wir waren diese Strecke, auf der Bundesstraße natürlich, schon öfters zusammen mit dem Motorrad gefahren und wir wussten, wie weit es von hier nach Weyer war. Wir waren echt sprachlos. Dann schaute ich auf die Uhr. “Eine dreiviertel Stunde noch, dann geht aus Kleinreifling ein Zug nach Weyer” sagte ich. “Wenn wir den erwischen, ersparen wir uns einige Kilometer”. Dann stapften wir los. Auf der linken Seite der Bundesstraße am Straßenrand stromabwärts gen Kleinreifling.

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Wir hätten es zweifellos bis zur Abfahrt des Zuges nach Kleinreifling geschafft, aber irgendwie hatte ich plötzlich keinen Bock mehr. Ich hatte keinen Bock, gegen den Fahrplan um die Wette zu laufen. Ich setzte mich an den Straßenrand und zog die Schuhe aus. “Ich mag nicht mehr!” meinte ich trotzig. “Jetzt rasten wir einmal, dann schauen wir auf die Karte und gehen dann zu Fuß zurück zum Auto”. Das war der Plan. Eddie war schon sehr müde, hatte ich beim Abstieg bemerkt. Ich gab ihm das Wasser, daß wir noch hatten, Sonja hat dann auch schon ausgeholfen, dann legte sich Eddie in die Wiese und wir taten es ihm nach. Rasten! Ein Haufen Motorradfahrer fuhren an uns vorbei und ich wünschte mir ein Motorrad, mit dem wir nach Weyer fahren konnten. Oder ein Fahrrad. Wäre auch Recht gewesen. Besser schlecht gefahren als gut gegangen, haben wir beim Bundesheer gelernt. Motorräder hätte ich ja gehabt. Daheim in der Garage. Und ein Fahrrad hätte uns zu dritt nicht geholfen. Pfffffff………..

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Der lange, aber nicht langweilige Weg nach unten.

Aber es nützt ja nichts. Wir mußten weiter, ob wir wollten oder nicht. So stapften wir weiter an Kleinreifling vorbei, bis zum Abzweig “Mooswirt” auf der Karte. Wir folgten einem Wegweiser, der den Weg nach Weyer weisen sollte, bis wir im Wald nicht mehr wussten wo wir genau waren, weil nichts mehr mit der Karte überein stimmte. Wir stiegen dann der Nase nach einen Hang hoch zu einem Gehöft, dann über einen Hang weiter hoch, weil ich dachte, wir müssten ohnehin rüber zum Auto queren. Theoretisch war die Idee gut, in der Praxis allerdings nicht realisierbar, weil ………..Na, die Topographie des Geländes halt etwas anders war als erwartet.

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Ich fahr seit  über 40 Jahre durch Weyer, wenn ich im Ennstal nach Süden fahre. Nach so einer langen Zeit glaubt man, die Gegend zu kennen. In Wahrheit kennt man die Straße, auf der man immer fährt, die Gegend kennt man nicht. Am Hang oben hinter der Kirche folgt Graben auf Graben und Hang auf Hang, und nirgends kann man als Ortsunkundiger einfach queren, weil dort die Flächen von Zäunen eingehegt werden, Gräben oder dicht verwachsene Böschungen das Weiterkommen verhindern. Es ist einfach zum verrückt werden.

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Wir kamen zum Anfang einer Asphaltstraße und ich schaltete das Navi am Mobiltelefon ein. Wo sind wir und wie weit ist es noch bis zum Auto waren die Fragen. Laut Navi waren wir vom Auto noch 75min. entfernt. Dann kam eine Frau des Weges. Ich frug, ob sie wüsste, wo das ist, wo unser Auto steht und erklärte, wo ich es abgestellt hatte. Sie dachte nach, schüttelte dann den Kopf und meinte “Das ist aber noch sehr weit”. Dann sagte sie, wir sollten ihr folgen, ihr Haus wäre gleich da vorne und falls ein Auto daheim steht, dann würde sie uns rüber zu unserem Fahrzeug bringen. Na bumm…….

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Nicht weit von diesem Marterl hat unser Leidensweg durch Weyer ein Ende und freundliche Menschen haben uns mit dem Auto zum Ausgangspunkt zurück gebracht. Herzliches Danke dafür.

Wir folgten der Dame, sie besprach sich offenbar mit ihrem Mann, einem sportlichen Typ, der sich sofort ins Auto setzte und mich rüber zu meinem Fahrzeug brachte. Nachdem wir vorher an einem falschen Platz waren, weil, wie er meinte, “Es führen sehr viele Wege zum Schrabacher Kogel!” Es erzählte mir noch, sie, er und seine Frau, kannten am Anfang ebenfalls nur einen Aufstieg und der war schwer zu finden, weil es kaum oder keine Markierungen gab. Erst über die Jahre lernten sie die Gegen besser kennen und nun wissen sie sehr viele Aufstiegsmöglichkeiten zum Hausberg der Weyerer. Er wartete dann noch, bis ich die Bergschuhe gegen die Halbschuhe getauscht hatte und dann folge ich ihm mit meinem Auto bis zu seinem Haus, wo Sonja und Eddie auf mich warteten. Und nach rund neuneinhalb Stunden war unser Abendteuer “Überschreitung des Schrabachauer Kogels” beendet.

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Unsere Fahrt zum Auto. Das Navi am Mob.Tel. war mit dieser Darstellung aber nicht identisch.

Herzlichen Dank nochmals an die nette Familie, die unseren Wandertag zu so einem schönen Abschluß brachten.
Danke auch an meine gute Fee, die Sonja, die nicht nur immer wieder auf Eddie aufpasst, wenn ich fotografiere, sondern die ihn auch immer wieder mit Cabanossi verwöhnt und die verhindert, daß ich die Wanderungen ohne Stock, ohne Rucksack und ohne Brillen beende, weil ich das alles irgendwo liegen gelassen hätte. Es geht nichts über betreutes Wandern mit einer guten Fee.

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Die Karte zur Tour

Einen schönen Tag noch……………..

25. März 2021

2021. 03. 25. Eibenboden-Eibenmühle-Trefflingfall-Nestelberg-Gsoll

Filed under: Bergwelten - Wanderungen und Ausflüge — Benzin @ 20:33

Strecke: Parkplatz Eibenboden-Eibenmühle – Trefflingfall – Toreck – Brücke-Nestelberg-Gsoll-Aufstieg zum Nestelberg
Dauer: 6,5 Stunden

Um 8:30 Uhr standen wir voll adjustiert, Hund an der Leine, am Parkplatz Eibenboden bereit. Ziel, der Nestelberg mit 1057m Höhe über Eibenbachmühle, Nestelberg und Gsoll. Das Wichtigste der Tour war, daß es schön war und der Nestelberg sollte das am höchsten gelegene Ziel sein. Im Mittelpunkt sollte der Spaß stehen. Diese winterlichen Bedingungen stellen ganz andere Herausforderungen als Wandern im Sommer, und sie bieten auch eine ganz andere Art von Spaß.

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Die winterlichen Verhältnisse hier in der Schlucht sind ein starker Kontrast zum (jetzt wieder) frühlinghaften Wetter bei uns in Amstetten.
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Bei der Eibenbachmühle, wo die Forststraße endet und der richtige Steig beginnt, konnten wir uns gleich vorstellen, was uns erwartet.

Gleich vom Parkplatz weg lag Schnee. Man muß zuerst eine Forststraße bergauf gehen, oben nach rechts abbiegen und einer schlechteren Forststraße wieder runter zur Eibenbachmühle an der Erlauf folgen. Ab der Eibenbachmühle dann nur mehr ein Steig, der mehr oder weniger direkt am Bach einen Hang entlang führt,  und wir waren die ersten, die eine Spur in den Schnee zogen. Wobei das ein wenig seltsam ist. Das Gebiet der Tormäuer ist ein Gebiet der Schluchten. Hier kommt teilweise das ganze Jahr kein Sonnenlicht herein, und so bleibt auch Schnee sehr lange liegen. Klarerweise gibt es immer wieder unternehmungslustige Leute, die auch bei Schnee in diesen Schluchten und Hängen herumwandern und selbstverständlich entstehen dadurch immer Spuren im Schnee. Die allerdings beim nächstbesten Schneefall wieder zugeschneit werden. Diese schon vorhandenen Spuren zeichnen sich allerdings durch die neue Schneedecke in Kontouren ab und geben einen Hinweis auf den Weg, was das Vorwärtskommen, sofern man sich nicht so oft in diesem Gebiet aufhält, sehr erleichtert. Dieser sich schemenhaft abzeichnende Weg war auch für uns eine große Erleichterung.

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Der Hundsbachfall.

Erster Höhepunkt ist der Hundsbachfall. In strengen Wintern, wenn dieser hohe, aber schmale Wasserfall zugefroren war, gab es hier Spezialisten, die sich eine Alu-Leiter mitnahmen, um damit den Bach überqueren zu können und dann mit Steigeisen und Eishämmern diese aus Eis geformte Wand hochkletterten. Also für mich wäre das nichts. Ich hätte wirklich Schwierigkeiten, diesem Vorhang aus Eis, der mehr oder weniger fest an der Felswand klebt, zu vertrauen. Das ist aber sicher genauso nur Gewohnheit und Erfahrung, wie mit einem Motorrad mit hohen Geschwindigkeiten kurvenreiche Strecken zu fahren. Man muß wissen, was man tut, oder zumindest fest dran glauben, daß man weiß, was man tut. Ohne diesem Vertrauen geht beides nicht. Sowas gehört, wie vieles, zu den Dingen, die Reinhold Messner als die Eroberung des Nutzlosen bezeichnete. Hauptsache, schön ist es.

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Blick in die Vergangenheit der Erde
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Mich fasziniert immer wieder, diese Schichten aus Stein anzuschauen und mir vorzustellen, wie das wohl entstanden sein mag.       
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Ein eigenes Erlebnis ist der Trefflingfall. Rund 100m ist dieser Wasserfall insgesamt hoch. Das Wasser fällt allerdings diese Höhe nicht einfach durch runter, sondern in Kaskaden mit höchstens 20m Höhe. Und das besonders schöne ist, daß unmittelbar daneben ein Steiglein nach oben führt, das einen, wenn man ihm folgt, zur Ötscher Panorama-Straße hoch führt, wo (in Corona-Freien Zeiten) Hütten zu Speis und Trank einladen. Sonja stieg bis zur Brücke hoch, ich folgte mit Eddie ungefähr bis zur Hälfte. Ich war schon oft dort oben und konzentrierte mich mehr auf das eine oder andere schöne Foto vom Wasserfall, wozu ich mehrfach vom Steig direkt zum Wasser runter stieg. Einmal kann man sich, wenn man sich traut, direkt hinter den Wasservorhang stellen.

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Erster etwas kurioser Blick zum Toreck.
Dieses “Häuschen” steht schon seit vielen Jahren hier. Man beachte auch den Tunnel an der gegenüber liegenden Felswand.  

Gleich hinter dem Wasserfall wartet die enge, rund 100m lange Schlucht, das Toreck auf uns. Hier sollte Mitte der 60er Jahre eine 80m hohe Staumauer gebaut werden, die alles dahinter liegende im Stausee ersäuft hätte. Massive Proteste verhinderten (Gottlob!) dieses Projekt und 1970 entstand dadurch der Naturpark Ötscher-Tormäuer. So sehr ich für die Nutzung der Wasserkraft in unserem Land bin, so froh bin ich, daß uns diese wunderschöne Naturlandschaft erhalten blieb. Gar so viel Strom hätte dieses Kraftwerk nicht erzeugt, aber sehr, sehr viel wunderbare, mit Abenteuern gefüllte Landschaft zerstört.

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Kaskaden des Trefflingfalles
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Diese Engstelle, gut mit einem fest montiertem Schutzgeländer gesichert, war auch die einzige Stelle unserer Wanderung, die wir im Laufschritt durcheilten, obwohl man dort im Normalfall recht langsam geht, um diese Schlucht zu genießen und auch um die Spuren der Vorarbeiten für die Staumauer anzuschauen. Unsere Eile hatte einen simplen Grund. Wasser. Wasser von oben! Ein Trümmerhaufen aus zerbrochenen Eiszapfen bedeckte den schmalen Steig und Schmelzwasser floß in Strömen von oben über die felsigen Überhänge herunter. Mitten in diesem engen Gang befindet sich eine Art Höhle oder Unterstand, in dem man kurz Unterschlupf findet. Was in diesem Fall keinen Sinn hat. Es hört nicht auf zu regnen, weil es nicht regnet. Bald danach erreichten wir die Eisenbrücke, die hier die Überquerung der Erlauf trockenen Fußes ermöglicht, und dahinter beginnt rechter Hand der Steig, der zuerst in recht steilem, felsigem Gelände, oben dann etwas flacher durch einen Föhrenwald nach Nestelberg führt.

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Der gesicherte Steig am Toreck

Kurze Rast, dann Aufstieg auf einem Steig, den ich, wie mir oben beim Eingang Nestelberg auffiel, schon einmal vor Jahren gegangen war. So gesehen war mir der Steig während des Anmarsches unbekannt. Ich hatte es schlicht und einfach vergessen. Hier in diesem Gelände sagen Fotos nicht viel. Man kann die Steilheit nicht so zeigen, wie sie wirklich ist. Ich hatte auch genug damit zu tun, mir die Schönheit der Landschaft anzuschauen und auf meine Hund aufzupassen, der ständig versucht war, an allen möglichen Stellen abseits des Weges ins sehr steile Gelände abzuhauen. Das ist einer der Gründe, warum ich ihn nie von der Leine lasse. Der ist mir zu viel Terrier (na ja, er ist ja einer). Vollkommen unbesorgt.

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Ab hier wäre im Falle des Staumauerbaues in dieser Richtung alles unter Wasser gestanden und diese wunderbare Landschaft wäre nicht begehbar.       
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Da vorne beim gelben Schild ist der Abzweig rauf nach Nestelberg.
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Auch Eddie findet das alles recht aufregend.

Hier war eindeutig seit zumindest einigen Tagen niemand gegangen, und trotzdem ist der Weg auch im Schnee sehr gut zu erkennen. Das sind keine Steigspuren, die künstlich zu Wanderzwecken angelegt wurden. Das ist ein Weg, der seit weit über hundert Jahren existiert und der früher das Tal mit der einsamen Ortschaft (ehemalige Holzfällersiedlung) Nestelberg verbunden hat. Natürlich müssen hier keine Einheimischen mehr zu Fuß zwischen Gaming und Nestelberg pendeln, um ihre Einkäufe zu erledigen. Längst führt eine zwar enge, aber asphaltierte Straße nach oben, und die wird offenbar im Winter sogar geräumt. Auf dieser engen Straße quälen sich auch schwere Holzfuhrwerke aus den Wäldern nach Gaming und zu den Sägewerken. Trotzdem hat dieser Steig seinen Wert nicht verloren, denn heute erfreut er Wanderer mit seinem schönen Verlauf. Und im Winter ist es hier zwar mühsam, aber vielleicht noch viel schöner als im Sommer, weil dann diese Gegend noch einsamer und abgelegener wirkt.

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Auf diesem Steig vergeht die Zeit wie im Flug.
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Im oberen Teil führt der Weg durch den Fichtenwald.
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Und so latscht man dahin und vergisst aller rund um einen herum. Es wird ganz still und nur der Weg ist das Ziel.      
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Keuch, schnauf, schwitz…
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Eddie übernimmt wieder einmal die Spurarbeit und wir latschen unserem zotteligen Führer hinterher. Und plötzlich hebt man den Kopf und oh Wunder, oben zeigen sich die ersten Häuser von Nestelberg. Man geht so in Gedanken versunken dahin, daß man das gar nicht bemerkt.         
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Da lugen doch glatt Häuser über den Buckel da oben!

Nachdem wir das steile Gelände verlassen hatten, führt der Weg fast schnurgrade aufwärts durch dichten Fichtenwald und entlässt die Wanderer dann sehr überraschend kurz unterhalt der Ortschaft Nestelberg. Zuerst bemerkt man das gar nicht, bis man einmal nach oben schaut und die Dächer zweier Häuser über die Böschung lugen sieht. Und wenn man sich dann bis zur Kante dieser Böschung am Ende des Pfades vorgekämpft hat, wird man schon vom engen Eingang in die Ortschaft erwartet. Von hier aus, aus dem Graben kommend, wirkt das wie der Eingang zu einer durch Schneemassen verschütteten, unbewohnten, einsamen Ortschaft in den Bergen. Allerdings täuscht dieser Eindruck, sobald man Nestelberg wirklich betreten hat.

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Rückblick auf den Aufstiegsweg und die umliegende Bergwelt.

Laut den Informationen, die man im Internet und in Büchern findet, waren in den Jahren vor dem 2. Weltkrieg hier heroben noch ein Gasthaus und ein Kaufhaus zu finden. Dies gibt es hier nicht mehr. Ehrlich gesagt hatte ich nicht erwartet, daß hier im Winter überhaupt noch jemand wohnt. Ich war der Meinung, wenn hier noch jemand lebt, dann bestenfalls im Sommer als eine Art Sommerfrischler oder als Zweitwohnsitz für irgend jemand, der sich vom Alltag und beruflichen Streß erholen will. Aber nein, der erste und einzige Fremde, der uns auf unserer Wanderung begegnete, war ein alter Herr, der im Rollstuhl vor dem Haus saß und den ich nach dem Weg nach Gsoll fragte. Ich hatte mich, als wir den zivilen Teil des Ortes betraten (wir kamen ja vom wilden Teil aus der Schlucht), schon gefragt, ob es sein kann, daß hier die Straße auf natürliche Weise so schneefrei sein könne, wie sie sich uns präsentierte, oder ob die mit einem Pflug geräumt wurde. Erst als ich diesen alten Herrn im Rollstuhl sitzen sah, erkannte ich, daß Nestelberg wohl nicht aufgelassen, sondern noch immer bewohnt war, und ich frug ehrlich gesagt eher aus Überraschung den aus Notwendigkeit nach dem Weg, denn eine recht gute Karte hatte ich ja mit.

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So zeigt sich der Ortseingang Nestelberg, wenn man von der Erlauf kommt. Von hier schaut das weder einladend noch bewohnt aus.
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Auch wenn man sich weiter nähert, ist noch kein Leben zu erkennen.
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Doch kaum biegt man um die erste Ecke, zeigt sich ein ganz anderes Bild.

“Grüß Gott,” sagte ich zu dem Herrn, “wo geht’s hier den nach Gsoll?”
”Nach Gsoll? Da” meinte er und zeigte mit der Hand auf eine enge Gasse gleich gegenüber, die in einen Hang führte “könnte ihr gehen, oder besser noch”, er schaute auf Eddie, “hier auf der Straße” und zeigte auf die asphaltierte Straße, die aus dem Ort raus und zum Wald führte.
“Aha, da gehts nach Gsoll” antwortete ich.
“Ja”, meinte er, “aber mit dem kleinen Hund wird das mühsam werden. Wo kommt’s ihr den her? Vom Parkplatz?”
Ich wusste nicht, welchen Parkplatz er meinen könnte und antwortete “Wir kommen von der Eibenbachmühle und vom Wasserfall”.
“Na Bum, da seid ihr aber schon brav unterwegs gewesen” meinte er. “Da rauf ist es aber mühsam nach Gsoll. Besser wäre auf der Straße!”
”Ach”, meinte ich, “bisher haben wir das recht lustig gefunden. Wird schon gehen” und wir wendeten uns der anderen Straßenseite zu, um in besagten Weg einzubiegen.
“Na, wenn ihr das lustig gefunden habt, dann könnte ihr auch da gehen” sagte er, als wir uns verabschiedeten.    
”Pfüat euch Gott und kommts gut Heim” meinte er dann noch hinter uns, dann verschwanden hinter der Hütte und stapften wieder im tiefen Schnee aufwärts.
Offenbar war dann noch jemand, vielleicht seine Frau, aus dem Haus gekommen, denn ich hörte den Mann noch zu jemand sagen “Die gehen da nach Gsoll rauf”, dann war es wieder still und wir waren wieder alleine.

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Hier gibt es auch schöne Ausblicke in die Bergwelt.
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Bitte lächeln…………


Na ja, der restliche Weg nach Gsoll wurde dann wirklich ein wenig mühsam, aber es ging doch nicht gar so schlecht. Noch war der Schnee so hart, daß Eddie den Boden unter den Beinchen nicht verlor. Wir, Sonja und ich, versanken hier doch erstmals etwas kräftiger im Schnee. Je höher wir kamen, desto mehr gabs von dem weißen Zeugs. Keine Anzeichen von irgendwelchen Spuren einer Begehung in letzter Zeit.

Hier hatte ich mir dann auch meine Oberbekleidung vollkommen gewechselt, weil meine zwei Funktionsleibchen und das wattierte Hemd waren inzwischen pitschnaß durchgeschwitzt. Mit neuer Wäsche fühlte ich mich gleich wie neu geboren und wir wurden kurz unter Gsoll auch ordentlich auf die Probe gestellt. Hier waren keine Wegspuren mehr zu sehen, der Schnee war schon zu hoch, aber es schien, als ob oben bei einer Geländekante eine Straße zu sehen wäre und wir entschieden uns, gleich gradeaus über die Böschung nach oben zu steigen statt weiter zu queren. Wie die Wühlmäuse wühlten wir uns durch den Schnee nach oben und mein braver Eddie hatte mit seinen kurzen Beinchen seine liebe Mühe, trotz Allradantrieb überhaupt vorwärts zu kommen. Der Schnee trug nun auch ihn nicht mehr und er versank bis zum Bauch. Trotz allem wühlen und krabbeln rutschte er auf der steilen Böschung immer wieder zurück nach unten und ich schnappte ihn dann am Kragen, oder besser gesagt am Geschirr und hob ihn mit Schwung über eine Wächte auf die Straße.

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Nicht einmal eine handvoll Häuser und Hütten bilden Gsoll

Ja, es war die Straße, die uns der alte Herr nach Gsoll beschrieben hatte. Sie war nicht geräumt, aber schön begehbar. Auf jeden Fall wesentlich einfacher als der Weg, den wir gewählt hatten. Bei einem Blick nach unten über die Böschung schüttelte ich dann lachend den Kopf. “Und sowas finden wir wirklich lustig?” fragte ich mich, aber zumindest bis hier her mußte ich die Frage mit einem klaren JA beantworten. Wir fanden das lustig.

Jetzt keuchte ich aber schon ordentlich, Im letzten Teil des Aufstieges war Schnee in meine Schuhe gefallen (die Gamaschen lagen daheim im Kasten, damit ihnen nix passiert), meine Socken waren total durchnässt und meine Füße kalt, aber noch immer fanden wir das lustig. Auf der Straße hier kamen wir wieder besser vorwärts bis zum Ende der kleinen Ortschaft. Ortschaft ist vielleicht ein wenig übertrieben. Siedlung mit nicht einmal einer handvoll Häuser und Hütten trifft es besser. An besagtem Ende  dieser Siedlung schwant mir böses. Spuren eines Forst- oder Ziehweges waren zwar zu erkennen, aber auch tiefer Schnee. Je höher wir kamen, desto tiefer wurde der Schnee jetzt und erreichte dann eine unangenehme Höhe. Ich befürchtete ab hier Zustände wie am Marsch zum Eisernen Herrgott in der Brach vor einem Monat. Ganz ganz so schlimm wurde es zwar nicht, aber ähnlich mühsam.

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Nach meiner Planung hatte ich vor, wir würden diesem Forstweg oder was immer das war hinter Gsoll so lange folgen, bis wir auf die Hochspannungsleitung treffen, die genau über den Gipfel des Nestelberges führt, und dieser Leitung würden wir einfach im drunter liegenden Kahlschlag folgen. Diesen Kahlschlag unter der Leitung hatte ich auf einem Foto in einem Blog gesehen, der den Weg zum Nestelberg beschrieb. Das Problem dabei war, daß diese beschriebene Tour erstens im Sommer statt fand und zweitens schon lange her war. Heißt, wer sagt, daß dieser Kahlschlag noch immer so kahl sein soll?

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Eddie bekommt die Cabanossi, mir bleibt dafür das Hundefutter.

Wir fanden die Starkstromleitung und wir fanden die Lichtung, die uns zum Gipfel führen sollte. Wir fanden aber auch, daß der verschneite Weg, dem wir bis hierher gefolgt waren, jetzt von der Stromleitung abwich und wir ins wilde Gelände abzweigen mussten. Was an und für sich ja recht toll wäre. Wenn da nicht der viele Schnee im verwachsenen Hang gewesen wäre. Und jetzt kamen ein paar Dinge zusammen, die nicht zusammen passten. Erstens erinnerte mich das an die Schinderei zum Eisernen Herrgott. Zweitens trug dieser Schnee meinen Hund nicht mehr. Entweder, er versank bis zum Bauch im Schnee und mußte sich wieder mühsam raus wühlen oder er plumpste in eine meiner Schrittspuren rein, was noch schlechter war. Vorausgehen konnte er nicht mehr, dazu war der Schnee zu tief und zu weich. Ich spürte etwas in mir aufsteigen, was sich in dieser Stärke nur schwer unterdrücken lässt. “Das zipft mich an!” Aber noch war der Wille stärker und wir latschten weiter, aber jedes Mal, wenn ich Eddie im tiefen Schnee verzweifelt wühlen sah, kochte in mir der Unmut immer stärker hoch. Ich hab kein Problem damit, wenn ich mich selber schinde, aber ich hab ein Problem, wenn ich meinen Hund schinden soll!

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Aufbruch zum Gipfelsturm
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Blick von oben in die Schneise, die neben der Hochspannungsleitung zum Gipfel führt

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Ende im Gelände. Der Schnee ist zu tief und trägt nicht mehr. Eddie kann nicht mehr weiter, weil er keinen Boden mehr unter den Beinchen hat.
Weit wäre es nicht mehr zum Gipfel, aber es nützt nix. Wir müssen umdrehen.

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Zurück in Gsoll und Abstieg
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Wir genießen nochmals den Ausblick

Ich bin dann stehen geblieben und hab einen Platz ausgetreten, um meinem Hund wenigstens eine halbwegs brauchbare Rast zu ermöglichen, aber auch das war Blödsinn. Wie sollte er sich ausruhen, wenn er naß war, der Schnee naß war und alles herum naß und kalt war? Das Gelände war nicht sonderlich steil. Das wäre kein Problem gewesen. Der Schnee war nicht so tief, daß ich oder Sonja nicht mehr vorwärts kommen könnten. Nicht annähernd. Er war aber so tief, daß Eddie nicht mehr vorwärts kam! “Aus. Ende. Ich geh jetzt nicht mehr weiter, weil sich mein Hund vollkommen verausgabt und ich das nicht verantworten kann!”
Sonja meinte “Passt. Dann machen wir eine Pause und drehen um”.
“Nein”, meinte ich. “Du hast die Kraft und den Willen und du gehst rauf. Ich warte hier”.
“Nein”, meinte sie. “Entweder gehen wir zusammen rauf oder zusammen runter”.

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Der Ötscher schaut nochmals herüber
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Wilde Felsvformationen entlang des Weges      
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Tief unter uns fließt die Erlauf und abgestürzte, zertrümmerte Bäume liegen in der Schlucht.       
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Hier kommt das Wasser einfach aus dem Berg geschossen.

Ja, hin und her und hin und her, ich hätte absolut kein Problem damit, wenn sie alleine rauf geht. Besser, einer war oben als keiner. Aber nein, entweder beide, oder besser gesagt, alle drei, oder keiner. Und nachdem ich meinem Hund jetzt keinen einzigen Meter mehr da rauf zumuten wollte, drehten wir um und gingen nach Gsoll zurück. Was gleich mit einer Querung schräg runter begann, den langen Bogen abkürzend, den wir hier her rauf gegangen waren. im tiefen Schnee, den Hund unterm Arm. Denn wie gesagt, hier konnte er einfach nicht mehr gehen. Beinchen zu kurz oder Schnee zu tief. Und als wir endlich wieder Gsoll erreichten, zog ich mir die Schuhe und die Socken aus und frische, trockene Socken an. Dann gab’s für Eddie noch was zu mapfen, etwas Wasser (viel war nicht mehr übrig) trinken, und dann gingen wir nicht wie geplant über die Brennwiese und Gnadenberger runter sondern über die Straße bis vor Nestelberg und dann bergab rund fünf Kilometer raus zum Parkplatz am Eibenboden.

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Sechseinhalb Stunden später zurück am Ausgangspunkt.

Diese letzten fünf Kilometer hatten wir, quatschend, fotografierend, schauend und staunend in einer guten Stunde zurückgelegt, mein Eddie lief wieder, wie es sich gehört und schaute auch wieder recht munter aus, alles war wieder im Lot und nach sechseinhalb Stunden waren wir wieder am Ausgangspunkt zurück.

Jetzt könnte ich mich hinterher ärgern, weil es bis zum Gipfel (bei diesen Bedingungen) höchstens noch eine halbe Stunde gewesen wäre und der praktisch in Sichtweite war.
Ich kann mich aber auch freuen, daß es eine tolle Wanderung in schöner Umgebung mit angenehmer Begleitung war, bei der keiner, auch mein Hund nicht, zu Schaden kam. Ich bevorzuge, mich zu freuen. Der Weg ist das Ziel, und der Weg war schön.

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Karte zur Tour

Einen schönen Tag noch…………….

13. März 2021

2021. 03. 13. Rotmauer 837m, Falkenstein 993m

Filed under: Bergwelten - Wanderungen und Ausflüge — Benzin @ 20:37

Die Rotmauer und der Falkenstein liegen, wenn man von Weyer oben an der Kreuzung im Ennstal nordwärts fährt, etwa zwei Kilometer nach der Kreuzung ziemlich genau rund 600Hm oberhalb der Ennstal Bundesstraße. Ich bin dort, wie am Sonnberg, zahllose male vorbei gefahren ohne zu wissen, daß es dort oben so schöne Aussichtspunkte gibt, bis mir vor zwei Wochen meine Motorrad-Kumpeline das Bild von einer Wanderung schickte, und da war ein wunderschöner Tiefblick auf einen Fluß zu sehen. Auf meine Nachfrage, wo den das sei antwortete sie, das sind Rotmauer und Falkenstein bei Weyer. Das machte mich neugierig, und gestern, am Samstag Morgen packte ich meine Wanderschuhe, steckte den Wassernapf und eine Flasche Mineralwasser in eine Tasche und legte meinem Yorkie das Geschirr an. Ab da war Feuer am Dach. Wild springend bellte Eddie drauf los vor Freude. “Es geht los! Es geht los!” heißt das in der Hundesprache. Er konnte es ja schon beim Anziehen nicht mehr erwarten. Der weiß genau, wann wir wandern gehen und wann ich alleine mit dem Motorrad fort fahre. Ziehe ich das Leder an, dann spinnt er und schaut mich nicht mehr an. Zieh ich Kleidung fürs Wandern an, dann dreht er durch vor Freude. Eddie ist verrückt nach Wanden und nach Bergen. Da tut sich was!

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Hier ist der unten besagte Jagdsteig in der Karte punktiert bei der Aufschrift “Jägerhaus in der Diepoldsau” eingezeichnet, dem ich folgen wollte.

So fuhr ich los nach Weyer und weiter zur Ennstal Bundesstraße, der ich rund zwei Kilometer bis zur Diepoldsau folgte, wo ich an einem kleiner Parkplatz mit Gedenkstätte hielt. Meine Wanderkarte des Amtes für Eich- und Vermessungswesen 1:25 000 zeigt, daß dort genau hinter den beiden Gebäuden, die am Straßenrand stehen, in nordöstlicher Richtung ein Steig, vermutlich einen Jagdsteig, bis zu einem Jagdhaus führt, dem ich folgen wollte, um dann den Falkenstein und die Rotmauer zu besuchen. Leider war im unteren Teil  des Waldes bedingt durch Forstarbeiten so ein Durcheinander von Ästen und Dornen, daß mir das mit Hund zu mühsam war und ich drehte wieder um, ging zum Auto und schaute mir die Karte an. Welchen Weg nehmen wir jetzt?

Und dann fuhr ich halt zurück bis zur langgezogenen Rechtskurve vor der Ennsbrücke, bog dort, wo zwei Schilder zu Rotmauer und Falkenstein zeigen links ab, dann folgte ich der schmalen Güterstraße hoch bis zu einer Kreuzung, wo eine Forststraße bei einem Umkehrplatz auf die Güterstraße trifft, und stellte dort das Auto ab. Da steht wieder eine Tafel, die den Weg weist, und da war wohl auch schon reger Ausflugsverkehr, denn mein Fahrzeug war hier nicht das einzige. Also Bergschuhe anziehen, Tasche umhängen, alles unter lautem Quietschen meines Eddie, dann endlich die hintere Tür auf, Eddie an die Leine und raus mit ihm. Am liebsten hätte er mich gleich umgerissen vor Freude. Es geht looooooos!

Ja, und  dann gibt’s nicht viel zu erzählen oder zu erklären. Man folgt einem relativ angenehmen Forstweg mit ein paar schönen Ausblicken ins Ennstal direkt gen Süden, hält sich einfach an die kaum zu übersehenden roten Wandermarkierungen über ein paar steilere, heute nach Regen furchtbar dreckigen Wiesenstufen zu einer weiteren Forststraße, um dann wenig ansteigend zum schönen, aber kurzen, schmalen Steig zu kommen, der zur Rotmauer führt. Das kleine, aber wunderschöne Aussichtsplätzchen ist voll belegt mit Besuchern, so verzieh ich mich mit Eddie nach einer Begrüßung zu einer ein Stück unterhalb gelegenen Stelle, von der aus man wunderschön ins Ennstal schauen kann. Ein paar Fotos, ein wenig schauen, Wasser und Fressen für Hundi, Wasser für Herrchen, dann packen wir zusammen und machen uns auf den Weg zum rund 150m höher gelegenen Falkenstein.

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Parkplatz beim Kochlöffel (Bezeichnung auf der Karte) und Ausblick ins südliche Ennstal beim Aufstieg
 
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Dicht gedrängt auf der Rotmauer, inklusive Bierkisten, von denen man sich gegen Bezahlung selber bedienen kann.
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Blick nach Süden ins Ennstal und Südosten nach Weyer. Der breite Klotz im Hintergrund Bildmitte ist der Höhenzug des Schrabachauerkogels, eines meiner nächsten Ziele.
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Zwei Helden der Berge. Und bitte keine blöden Fragen. Ja, wir haben den selben Frisör.
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Auch hier bei der Rotmauer ist das Gelände wunderschön felsendurchsetzt.

Also vom schönen, kleinen Steig zurück zur Forststraße und dann links abgebogen nach oben. Der Wald ist schön, die Blumen am Wegesrand ebenso wie die restlichen Pflanzen, deren Namen ich größtenteils nicht kenne, nur der Weg ist ein Graus. Hier müssen schwere Maschinen gewütet haben und der Regen der letzten Tage hat das alles in eine furchtbar dreckige Landschaft verwandelt. Nur in Wegesmitte, meistens zumindest, wo die Räder der Maschinen keine tiefen Abdrücke hinterlassen haben, kann man gehen, ohne im Dreck zu versinken. So watet man hoch, stetig drauf bedacht, immer dort voran zu schreiten wo der Dreck die geringste Tiefe hat, bis man, endlich, an einer Lichtung am Wegesrand einen Steinmann sieht, der den Weg zum Steig nach oben weist. Diesen Steig sieht ein aufmerksamer Wanderer allerdings auch ohne Steinmann. Ab da steigt man in ein kleines Paradies.

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Einer der Forststraßenhatscher 
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Und einer der wenige Ausblicke durch einen Kahlschlag, hier zum Schrabachauerkogel 1321m

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Dann endlich der Gipfelanstieg zum Falkenstein. Da schlägt nicht nur das Hundeherz höher. 

Der Hang ist im unteren Teil zwar mit umgefallenen oder umgeschnittenen Bäumen überseht, aber wenn man denen ausgewichen ist, ober wie wir im Aufstieg, diese einfach übersteigt, dann geht’s in eine mit wild durcheinander liegenden Felsen geschmückte steile Leiten. Nach den Forststraßen und dem vielen Dreck ist es hier wunderschön zu schauen und zu steigen, und langsam, fotografierend, staunend und schauend, erreichen wir den Gipfelbereich, der besonders dicht mit Felsen durchsetzt ist, die wild durcheinander gewürfelt herumliegen. “Wie sind die hier her gekommen?” fragte ich mich. Die können nirgends herunter gefallen sein. Das ist oben! Oder fast oben. Sind die hier gewachsen? Hat das was mit der Eiszeit zu tun? Oder hat die jemand von unten hier hoch gekarrt und sind deswegen diese wilden, verdreckten Spuren kreuz und quer durch den Wald gezogen? Weil sie unten im Weg lagen? Fragen über Fragen.

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Vergessen ist der Dreck der Forststraßen.
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Für Eddie ist das ein Paradies. Da tut sich was!
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Am Gipfel des Falkenstein 993m mit Blick ins Ennstal Richtung Großraming
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Pöser, alter, weißer Mann 

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Bilder vom Abstieg
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Das war die dreckigste Abkürzung des Tages, steil nach unten. Was sich wohl da mitten durch den steilen Wald gewühlt hat? Ich kenn diese Maschinen nur aus Filmen. Muß irre sein, wenn das Ding hier über die steile Leiten fährt. Das ist hier viel steiler, als es am Bild ausschaut.
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Wohin man schaut, es blüht und gedeiht daß es eine Pracht ist.
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Der letzte Ausblick ins Ennstal, dann sind wir nach ungefähr 2 1/2 Stunden wieder beim Ausgangspunkt der kleinen Wanderung.

Eddie und ich erreichten nach ziemlich genau eineinhalb Stunden, inklusive Besuch der Rotmauer, den Gipfel des Falkenstein und ich muß sagen, ja, hier ist es wunderschön! Diese Aussicht durchs Ennstal, in südlicher wie in nordwestlicher Richtung ist ein Genuß und die Umliegenden Bergl sind ein bezaubernder Rahmen für dieses Panorama. Wir, Eddie und ich, hielten hier eine Weile Rast mit Wasser, Futter und fotografieren,  dann stiegen wir, teilweise einer recht direkten Linie folgend, wieder zurück zum Auto, daß wir recht genau eine Stunde nach dem Erreichen des Gipfels am Falkenstein wiedersahen. Also wenn man grade nicht weiß, was man tun soll und Lust auf einen schönen Ausblick aufs Ennstal hat, dann sind Rotmäuer und Falkenstein jederzeit einen Ausflug Wert. 

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Das müsste so ungefähr der Weg gewesen sein, den wir zurückgelegt haben.

Einen schönen Tag noch…………….

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