Benzins Motorradseiten Erlebnisse mit dem Motorrad

12. September 2008

Den Glauben einfach wechseln?

Filed under: Geschichten um´s Motorradfahren — Benzin @ 18:00

Das ist so eine Geschichte mit dem Glauben.
Die einen glauben dies, die anderen das, ob richtig oder falsch, das weiß man nie so genau und kommt erst drauf wenn man den Glauben gewechselt hat. Ich hab zum Beispiel bisher geglaubt, dass mich, nach Jahren des fahrens mit Michelin Pilote Race, der Dunlop D208RR glücklich macht.
Die Haftung dieses Reifens ist ausgezeichnet, dass er die Maschine sehr nervös macht, das hab ich einfach hingenommen. Letztes Jahr, im Mai, hatte ich wieder einen Satz aufziehen lassen. Ich war mir damals nicht sicher, ob ich mit der FZR oder mit der blauen Elise gen Nordsee fahren sollte. Ich fuhr schlussendlich mit der XJR, die neuen Reifen der FZR blieben unbenutzt. Jetzt, etwa 2000km später, hatten diese Hufe noch immer ungefähr die Hälfte des Neuprofiles drauf. Ich fahre ja nur mehr wenig mit der Kilo und daher dementsprechend gemütlich. Früher hatte kein einziger Satz Reifen die 2000km Marke erreicht, wenn ich gut drauf war, sahen sie schon nach 1200km aus wie ein rasierter Kaktus. Bild unten: Motorradspezialist Andy Mille von Reifen Stadler/Amstetten montiert einen Satz PiPo

stadlermille

In letzter Zeit, den Michelin Pilot Power auf der XJR, hatte ich immer öfter mit dem Gedanken gespielt, diesen auch auf die Kilo montieren zu lassen. Heute, am zweiten Tag meines 14Tägigen Urlaubs, konnte ich diesem Drang nicht mehr widerstehen und bin gegen 10 Uhr zum Stadler aufgebrochen, dem Reifenhändler meines geringsten Misstrauens. Rasch waren die Modalitäten erledigt, der Satz bereitgestellt und montiert. Ich hatte auch mit dem Gedanken gespielt, mir schriftlich zusagen zu lassen, dass ich, falls der PiPo bei 2000km noch die Hälfte seines Profils haben sollte, gratis eine Garnitur abgenudelte Reifen montiert bekomme, damit ich mich beim Motorrad Treff nicht zu schämen bräuchte. Aber dann hab ich es sein lassen. Man muß eben dazu stehen können, dass man alt und langsam wird.

Also zog ich mit den neuen Reifen los. Über Kematen, wo ich tankte, ging´s den Sonntagberg hinauf, dann in den Urlgraben (oder wie der heißt) hinunter und am Talgrund Richtung Grestener Höhe. Die Straße ist dort etwa 4m breit, mit weiten Kurven. Während der gemütlichen Fahrt schaute ich mal kurz auf den Tacho, den irgendwie, so schien mir, zog die Gegend recht hurtig an mir vorbei. Aha, war mein Gedanke nach diesem Kontrollblick, wie in alten Zeiten. Gleich von Anfang an hatte ich mich heute sauwohl gefühlt auf meiner geliebten FZR, aber das jetzt 1,8 Kilo auf der Uhr standen, das hätte ich nicht gedacht.kehre_16_2 Zufrieden grinsend bog ich in Gresten Richtung Scheibbs ab, dort weiter nach Neubruck und über die alte Bergrennstrecke in St.Anton/Jeßnitz hurtig weiter nach Puchenstuben, Wastl am Wald und runter zur B20, die mich über den Josefsberg nach Mitterbach brachte, wo der Weg zum Zellerain führt.

Rundherum begleiteten mich schwarze Wolken, aber Gottlob, sie hielten die Schleusen noch geschlossen. Auf der Strecke über Puchenstuben war es im waldreichen Geläuf ohnehin stellenweise naß, so dass die Fahrt mit einiger Vorsicht zu genießen war. Ein sonderbares Erlebnis hatte ich am Josefsberg, in einer der Kehren vor dem Ötscherblick, zu verzeichnen.
kehre_16 Die Reifen waren nach 84km Fahrt schon gut angefahren, als mich plötzlich ein Kippen in der Lenkung bei guter Schräglage irritierte, dem einige kleine  Rutscher vorne und hinten folgten. Seltsam, dachte ich, so weit bin ich ja gar nicht unten, dass die Hufe jetzt nachlassen könnten. Außerdem bin ich doch schon ein schönes Stück gefahren. Ein kurzer Blick auf den Tacho bestätigte mir den Kilometerstand mit den neuen Reifen, daher weiß ich auch, dass es 84 waren.

Den Grund für die Rutscherei hatte ich aber auch schnell gefunden, denn mir fiel plötzlich ein, dass der Belag dieser Kurven normal hellgrau und nicht so dunkel war wie jetzt. Es war feucht! Hier, in dieser Gegend, kommt öfters vor, dass nach Regen der Unterbau der Straßen naß ist, der Belag die Feuchtigkeit dann durch die Poren zieht. So passiert es, dass im Schatten nasse Stellen auftreten, wo es sonst überall trocken ist. Dieses Phänomen gibt´s auf mehreren Bergstrecken. Der Pilot Power hat das aber, dem Himmel sei Dank, problemlos weggesteckt. Hätte ich gewußt, dass es hier naß ist, wäre der Buntstift bei dieser Aktion bestimmt hinten weiter hinaus gestanden, aber so schüttelte ich nur den Kopf und setzte die Fahrt beschwingt, aber etwas vorsichtiger fort.

Nach der obligaten Kaffeepause am Zellerain ging die Fahrt weiter, den Zellerain nördlich hinunter, schön kurvenreich bis zum Abzweig nach Lackenhof. Ich konnte mir einen kurzen Abstecher dorthin, 7km neben der Durchzugsstraße genau unterm wunderschönen Ötscher gelegen, nicht verkneifen, dann ging die Fahrt weiter bis Lunz und Göstling. Dann ließ ich die FZR über Hollenstein und Waidhofen das weite Tal der Ybbs hinaus fliegen, das es nur so eine Freude war. Ständig hatte ich die schwarzen Wolken im Nacken, die mir von Kilometer zu Kilometer dunkler vorkamen. Ich wettete schon innerlich mit mir selber, ob ich es trocken bis in die Garage schaffen würde, den es wurde schwarz, als würde ich in einen Tunnel einfahren. Der Einsatz, falls es trocken bleiben sollte, war ein Kaffee beim Gasthof Bachler in Abetzdorf. Diesen ließ ich mir auch richtig schmecken. Sogar im Gastgarten konnte ich noch sitzen, denn nach wie vor hielt der Himmel die Schleusen geschlossen. Manchmal es es schön, eine Wette zu gewinnen. Meine pessimistische Hälfte hatte auf Regen getippt, und verloren!

Jetzt sitze ich glücklich und zufrieden hier vor dem Blechtrottel, ein breites Grinsen im Gesicht. Draußen grollt und rollt es am Himmel noch immer, ohne zu regnen, und ich bin froh, dass ich mir den Spaß gönnte, die Reifenmarke zu wechseln. Im Moment glaube ich, dass der Michelin Pilot Power besser zur FZR1000 passt als der Dunlop. Wenn auch nur aus 200km Erfahrung. Bin schon neugierig, wie lange dieser Glaube hält, und ob er sich zur Gewissheit mausert. Der Fortschritt ist ja auch am Reifen Sektor nicht aufzuhalten. So ändern sich die Motorrad Reifen ohnehin alle paar Jahre grundlegend, wodurch man alle paar Jahre vor der Tatsache steht, unbekannte Reifen fahren zu müssen.

Es ist eben alles, irgendwie, eine Frage des Glaubens.

Ps.: Nachtrag, ein Jahr später.

Ja, so kann es mit dem Glauben sein. Ich war tatsächlich recht glücklich mit dem Michelin Pilot Power, aber etwas hat mir gefehlt. Es war die unglaublich schnelle Reaktion des Dunlop D 208 RR, diese Gier nach Schräglage und Schräglagenwechsel, die mir der PP in dieser Form nicht bieten konnte. Auch in der Haftfähigkeit (im Trockenen) kommt der Michelin nach wirklich an den Dunlop heran. Jetzt, mit dem Top Fahrwerk und „Dunlop Qualifier RR“ ausgestattet, macht mir die alte Kilo doch noch das Quäntchen mehr Spaß als zuvor. Dieser kleine Unterschied war genau das, was ich vermisste. Alles ist wieder gut!

2 Comments »

  1. Sers ,

    ich hatte den D207 auf meiner FZR1000 LE3 und war sehr zufrieden damit.
    ein Freund von mir auch FZR Geiger hat immer Michelin Pilot 2CD aufgespannt und meint das dieser Reifen wie geschafen sei für die Exup.
    Ich der gscheite habe Ihn reden lassen und bin weiter Dunlop gefahren, eines Tages Panonia Ring war dieser besagte Freund mit seiner FZR auf der Rennstrecke und bat mich dieses Bike mit diesem Reifen einmal zu Testen nach dem ich mit meiner gefahren bin.
    Na was soll ich Dir sagen, die Reifen sind ein absoluter wahnsinn , ich wollte nicht mehr runtersteigen von dem Krapfen so geil war das.
    Seit diesem Tag 2 Jahre stecken auf meinem Bike nur mehr die Michelin und ehrlich, ich habe noch keine besseren im Trockenen, Heißen und Nassen gefahren wie diesen Reifen.
    Es ist natürlich eine subjektive Meinung,es sollte natürlich jeder den Reifen fahren wo er seiner Meinung nach das beste Gefühl hat und es scheint so als hättest Du es gefunden.

    Also viel Spaß noch und vielleicht siehtz man sich mal.

    Lg
    Werner

    Kommentar von Werner — 2. März 2010 @ 15:18

  2. Servus Werner
    Na ja, ich glaub, den D208RR und den Qualifier RR kannst du nicht ganz mit dem D207 vergleichen, das ist unfair.
    Ich bin früher viel mit den Pilot Race und Pilot Race II herumgefahren, weil die anderen alle den Hitzetot starben.
    Bin aber jetzt ruhiger geworden.
    Einen Pilot 2CD kenne ich nicht, auf der dicken XJR hab ich den normalen PP drauf. Ein harmloser und wirklich deppensicherer Tourenhuf.
    Ehrlich gesagt ist mir aber auf der Kilo der Qualifier RR lieber als die ganzen Michelin Reifen. Ausnahme wäre der Power One, aber der ist nach 2x Mariazell im Eimer, das bringt auch nicht wirklich was. 🙂
    Viel Spaß mit deinem Gerät, vielleicht sieht man sich einmal, und wenn´s in der KK ist.

    MfG Hannes

    Kommentar von Benzin — 2. März 2010 @ 22:22

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